Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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20.05.2019
Am Donnerstag, den 11. Oktober 2007 begann der Vorstand und der Aufsichtsrat der „Gewerkschaft der Lehrer und Schulbediensteten“ Kosovas in Prishtina – Hauptstadt Kosovas – mit einem unbefristeten Hungerstreik. Gegenüber der lokalen Medien erklärten Offizielle der Gewerkschaft, dass der Hungerstreik vorerst nur von Führungsgremien der Gewerkschaft getragen wird. In einem zweiten Schritt soll dann entschieden werden, ob die Gewerkschaft eine Ausweitung des Streiks befürwortet, dies sei aber nicht nur von der Gewerkschaft alleine abhängig,  

sondern viel mehr von der Realisierung der gewerkschaftlichen Forderungen seitens der Regierung.Der Streik kam nicht unerwartet, dieser war bereits mehrfach angekündigt und wurde durch einen Protestzug vor das Gebäude des Bildungsministeriums in Prishtina zu Wochenbeginn noch einmal unterstrichen. Die Forderungen der Lehrer und Schulangestellten, um eine bessere und vor allem für alle Bediensteten umfassende Besoldung wurden vom zuständigen Ministerium ignoriert. Vor Monaten war zwischen der „Gewerkschaft der Lehrer und Schulbediensteten“ und des Ministeriums für Bildung Kosovas eine Vereinbarung unterschrieben worden, welche den Schulbediensteten einen Anstieg der Gehälter in Aussicht stellte und die Arbeitsbedingungen regelte. Und nun will die Regierung von dieser Abmachung die technischen und administrativen Angestellten raushalten und lehnt eine dreijährige Beschäftigungszusage für bereits beschäftigte Lehrer der primären und sekundären Bildungsstufe ab. Nimmt man das Durchschnittsgehalt eines Lehrers in Höhe von 160,00 EUR als Basis, so würde auch eine Lohnerhöhung von 12 Prozentpunkten, die in der Vereinbarung festgehalten wurde, nur 19,20 EUR Mehreinnahmen bedeuten, was wiederum Angesicht der allgemein hohen Lebenshaltungskosten in Kosova nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist.


Davon unbeeindruckt ging der Bildungsminister Agim Veliu sogar soweit, dass er vor der Presse verkündete, dass er und somit auch sein Ministerium keine schriftliche Vereinbarung – gemeint den Kollektivvertrag – mit der Gewerkschaft unterschrieben haben. Diese Haltung ist ethisch, politisch und sogar wirtschaftlich nicht tragbar, es geht schließlich um die Lehrer, die in den letzten 20 Jahren eine der wichtigsten Säulen der Gesellschaft Kosovas bildeten.


Mit ihrem Anliegen für bessere finanzielle und soziale Rechtsstellung verlangen die Schulbeschäftigten nicht viel. Die Erfüllung ihrer Forderungen wäre ein kleiner Beitrag zur Bekämpfung von sozialen Missständen im Land. Außerdem ist das Bildungssystem für die Zukunft der Bürger Kosovas und den Demokratisierungsprozess in einer Nachkriegsgesellschaft sehr wichtig .


Angesicht der Blockadehaltung der Regierung, der politischen Stagnation im Land sowie den bevorstehenden Parlament- und Kommunalwahlen ist nicht zu erwarten, dass die Regierung Kosovas und die UNMIK als „Superintendent“ schnell einlenken werden. Daher ist zu erwarten, dass die Streikenden ihre Proteste ausweiten werden. Und damit leisten die Gewerkschaftler mit ihrer Engagement auch direkt einen Betrag zur Bildung einer aktiven Zivilgesellschaft in Kosova.