Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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19.03.2019

Dokumentation-Keine Abschiebung der Familie Haziri

Der deutsche Diplomat Joachim Rücker wird neuer UNO-Verwalter in Kosova. UNO-Generalsekretär Kofi Annan will den 55-jährigen auf den 1. September für das Amt ernennen.Annan habe dem Sicherheitsrat seine Absicht mitgeteilt, sagte der Sprecher der Vereinten Nationen, Stephane Dujarric, in New York. Das wichtigste Amt der UN0 in der Provinz muss nach dem Rücktritt des Dänen Sören Jessen-Petersen im Juni neu besetzt werden. Rücker ist derzeit der UNO-Privatisierungschef in Kosova.


Er wird der sechste und aller Voraussicht nach auch letzte UNO-Verwalter für Kosova sein: Die westlichen Staaten streben noch in diesem Jahr eine Lösung für den endgültigen Status der Region an. Die Lösung soll in einem neuen Protektorat unter der Federführung der EU münden. Das Selbstbestimmungsrecht Kosovas wird nicht akzeptiert. Durch die Bestellung des „selbstherrlichen“ neoliberalen Wirtschaftsdiktators Rücker, zum Protektoratsleiter wird klar signalisiert in welcher Richtung mit Kosova verfahren werden soll.

Keine Abschiebung der Familie Haziri

Dokumentation eines Artikels aus der „Pforzheimer Zeitung“ 14.08.06

WURMBERG. Die Zukunft der Familie Haziri in Wurmberg hängt am seidenen Faden: Alle Hoffnungen ruhen jetzt auf einer Eingabe an die Härtefallkommission des baden-württembergischen Innenministeriums. Dort hat der Freundeskreis der Familie am vergangenen Freitag den Antrag auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis gestellt.

Die Witwe und ihre Söhne, der zwölfjährige Artan und der 14-jährige, behinderte Mensur, sollen spätestens bis Ende August freiwillig in den Kosovo ausreisen, sonst droht die Abschiebung. Dagegen haben in Wurmberg 550 Bürger an einer Unterschriftenaktion teilgenommen, Familie Haziri hat in Wurmberg Rückendeckung quer durch alle Gruppen der Gesellschaft. In der Zwischenzeit haben sich auch Bundes- und Landtagsabgeordnete aus der Region eingeschaltet.

Fatmire Haziri tritt heute eine Arbeitsstelle bei einem Wurmberger Unternehmen an und kann so künftig zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Dennoch, beschreibt Gabriele Langauer vom Freundeskreis der Familie, leidet die 39-Jährige unter der drohenden Rückkehr in den Kosovo. Dort gebe es keinerlei familiäre Strukturen mehr und als muslimische Witwe sei es dort unmöglich, die Familie zu ernähren.

Familie Haziri war 1996 vor dem Bürgerkrieg im Kosovo nach Deutschland geflüchtet. Fatmire Haziris Mann Gani verstarb ein Jahr später im Asylbewerberheim in Maulbronn an einem schweren Herzinfarkt. 1997 kam die Familie dann nach Wurmberg, wo sie sich in der Zwischenzeit sehr gut integrierte. Die Buben besuchten den Kindergarten und jetzt die Schule, sind Mitglied in Vereinen und der Feuerwehr.

Artan und Mensur hätten gar keine Erinnerung an ihr Geburtsland, „sie sind seit zehn Jahren Wurmberger“, heißt es in dem Antrag an die Härtefallkommission. Das zeigt sich auch daran, dass viele Wurmberger sich derzeit große Mühe geben, die Jungen angesichts des drohenden Schicksals auf andere Gedanken zu bringen: Sie werden zu Ausflügen eingeladen oder auch einmal die Gemeindearbeiter bei ihrem Tagwerk zu begleiten. Bis, so hofft man in Wurmberg, dieser Tage doch ein dauerhaftes Bleiberecht erteilt wird.