Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
01:58
17.10.2019
Brief eines jungen Albaners an „Kosova-Aktuell“

Guten Abend- Ich weiß nicht wo ich diese Gedanken loswerden soll, daher wende ich mich an Sie. Wie kommt die Welt darauf dass es einen anderen Weg als die Unabhängigkeit Kosovas gibt? Ich bin 22 Jahre alt, habe eine gute Ausbildung und Erziehung genossen, eigentlich recht liberal, aber dennoch, pocht mein Herz seit einigen Wochen wenn ich jedesmal "Kosovo" im Google eingebe und die News lese. Wie kommen die Welt auf den Gedanken dass wir uns die Unterdrückung unserer Freiheit gefallen lassen?

 

 

Mein Herz brennt, mein Körper zittert, ich empfinde so viel Hass, so viel Kummer, so viel Trauer und habe das Verlangen alle Kolonialisten aus meinem Land zu vertreiben und das mit allen Mitteln. Ich bin Albaner, geboren und aufgewachsen in Kosova, in meinem Land. Sollte die internationale Gemeinschaft eine andere Lösung als die Unabhängigkeit anstreben, so wird sie ihr zweites Palästina erleben. Das könnte sogar schlimmer werden wie in Palästina, denn dabei wird leider nicht nur die Idee der Albaner sich durchsetzen, sondern es werden sich bestimmt auch ziemlich viele versammeln welche die Idee des Islam vertreten.


Viele Grüße Tung F. J.

Anmerkung der Redaktion

Lieber Fitim

deine Gedanken sind bewegend und absolut verständlich. Das Schicksal deines Landes, deines Volkes und deiner Generation hängt am seidenen Faden. Es geht um Unabhängigkeit und Freiheit, sowie um ein Leben in sozialer Sicherheit. Dafür muß überlegt und mit klarem Verstand auf laizistischer Basis gekämpft werden. Das Recht auf Unabhängigkeit ist kein Verhandlungsgegenstand. Dein Land wird verraten von imperialen Mächten, in der heutigen Weltrealität zählt nur der Profit und die maximale Kapitalverwertung. Soziale und nationale Anliegen werden den Prämissen des sogenannten Neoliberalismus untergeordnet. Dagegen gibt es auf der ganzen Welt Widerstand. In Lateinamerika gibt es beispielsweise in Venezuela und Bolivien, reale Fortschritte in der Armutsbekämpfung und in der Verteidigung der nationalen Souveränität. Diese progressive Entwicklung genießt auf dem gesamten Globus wachsende Sympatie. Kosova braucht nationale Souveränität und sozialen Fortschritt. Jeder Kampf der diesem Ziel dient ist zu unterstützen. Leider hast du Recht, dass auch in Kosova einige „ islamistische Tendenzen“ neuerdings versuchen die Wut und die Empörung des Volkes zu nutzen. Dabei stützen sie sich auf die Tatsache, dass der „Ahtissari-Plan“ tatsächlich in Kosova etwas ähnliches installiert wie ein zweites Palästina. Widerstand dagegen ist gerechtfertigt. Der politische Islamismus muß allerdings entschieden zurückgewiesen werden, denn er bietet weder in der arabischen Welt und schon gar nicht in Kosova eine wirkliche Antwort auf die sozialen und nationalen Nöte des Volkes. Zudem spaltet er das albanische Volk auf religöser Basis. Deshalb mit Hirn, Herz und Verstand- Vorwärts im Kampf für Selbstbestimmung, Demokratie und soziale Gerechtigkeit.


Viele Grüße und Kopf hoch


Max Brym