Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
18:45
22.05.2019

Kürzlich weilte Ramiz Alia zu seinem ersten Besuch in Kosova seit 1945. Ramiz Alia wurde nach dem Tod von Enver Hoxha, im April 1985 Generalsekretär der „Partei der Arbeit Albaniens“. Zur Zeit des Sturzes des angeblich kommunistischen Regimes war Ramiz Alia Staatspräsident in Albanien. Während seines Besuches in Kosova gab Ramiz Alia dem Sender KTV ein längeres Interview, zu den verschiedensten Fragen. Wir dokumentieren einige Aussagen und Passagen aus dem Gespräch.



Ramiz Alia und Enver Hoxha


Ramiz Alia erklärte: „ Ich war ein enger Mitarbeiter Enver Hoxhas. In dieser Zeit habe ich für unser Volk gearbeitet. Wir haben für die Befreiung Albaniens vom Faschismus gekämpft und dabei wertvolles geleistet. Nach der Befreiung wurde Albanien auf den Weg des Fortschritts und der Entwicklung geführt. Wir erreichten viel, aber wir machten auch Fehler. Im Jahr 1945 hatte Albanien über 80% Analphabeten. Damals gab es in ganz Albanien nur 356 Menschen mit höherer Schulbildung. Albanien wurde dominiert von grausamer feudaler Ausbeutung. Im Jahr 1945 gab es in Albanien keinerlei elektrischen Strom. Wie Sie wissen wurde all das entscheidend verändert. Enver Hoxha hat viel für Albanien getan. Unser sozialistischer Weg war richtig“.

In dem Gespräch ging Ramiz Alia, nur unzureichend auf die Defizite des Systems in Albanien ein. Er sprach nur von „bürokratischen Fehlern“ ohne klar das bürokratisch stalinistische System, was auf der politischen Entmündigung der Arbeiterklasse basiert, zu verurteilen. Alia zeigte in dem Gespräch keinerlei sozialistische Alternative zum Stalinismus auf. Allerdings kritisierte er hart und entschieden, das neue bürgerliche System in Albanien und meinte: „ Es gibt nur Zerstörung und soziale Verelendung, die Menschen sehnen sich nach sozialer Sicherheit“. Diese Diagnose ist richtig.


Ramiz Alia zur Haltung Enver Hoxhas in der Frage Kosova


Ramiz Alia erklärte: „ Enver Hoxha hat viel für Kosova getan. Immer beobachtete er die Entwicklung in Kosova. Er legte stets Wert darauf die Weltöffentlichkeit über die Unterdrückung in Kosova zu unterrichten. Stets forderte er, den Menschen in Kosova sämtliche demokratischen Rechte bis hin zum nationalen Selbstbestimmungsrecht zu gewähren. Allerdings orientierte Hoxha nicht auf einen Krieg um Kosova. Dies hielt er für gefährlich und zu risikoreich. Enver Hoxha wollte auch nicht die fragile Stabilität auf dem Balkan gefährden.“ Allerdings bestätigte Ramiz Alia in dem Gespräch, die Angaben von General Llakaj ( ehemaliger Generalstabschef der albanischen Armee). Dieser erklärte vor einiger Zeit, dass er von Hoxha 1981 den Befehl erhielt einen „militärischen Plan auszuarbeiten um Kosova zu befreien“. Zu diesem Themenkomplex sagte Ramiz Alia: „ Wir waren uns 1981 nach den gewaltsam niedergeschlagenen Protesten in Kosova, nicht nur in der Verurteilung des serbischen Chauvinismus im Politbüro einig. Klar war auch , wenn die jugoslawische Armee größere Massaker an den Albanern verüben würde, müssen wir sofort militärisch intervenieren. Besonders Enver Hoxha bestärkte uns in dieser Sichtweise“.


Ramiz Alia über Mehmet Sehu und seine eigene Rolle während der Wende.


Im Dezember 1981 beging der langjährige Premierminister Mehmet Sehu offiziell Selbstmord. Seit kurzem ist zu diesem „ Größten Rätsel der jüngsten albanischen Geschichte“ der spekulative Roman „Der Nachfolger“ von Ismail Kadare im deutschen Buchhandel erhältlich. Ab dem Jahr 1982 wurde Mehmet Sehu, in Albanien geächtet und als „Polyagent“ bezeichnet. Zu diesem Sachverhalt erklärte Ramiz Alia: „ Wir waren geschockt nach dem Selbstmord von Mehmet Sehu. Danach betrachteten wir vieles im Leben Sehus neu. Oft war die Partei mit ihm unzufrieden und er wurde kritisiert. Im Jahr 1964 erhielt unser Botschaft in Wien eine Warnung vor dem -Provokateur Mehmet Sehu-. Außerdem bewerteten wir die Beschwerde von Sehu, bei Berija gegen Enver Hoxha neu“. In der Angelegenheit Sehu, hatte Alia in dem Gespräch nichts neues zu bieten. Angesprochen auf seine Rolle im Jahr 1991 in Albanien erklärte Ramiz Alia: „ Ich verhinderte damals Blutvergießen, ich sah ein dass das alte System nicht mehr zu halten war“. Im Rahmen des Gespräches wandte sich gegen Alia, gegen einige Historiker, die dem Schriftsteller Kadare einen großen politischen Einfluss auf die Führung unter Ramiz Alia unterstellen. Hierzu bemerkte Alia: „ Ich hatte einen gewissen Kontakt zu Kadare, er spielte aber in meinen und unseren Überlegungen keine besondere Rolle“. Positiv sollte vermerkt werden, Ramiz Alia ist kein Feigling er bekannte sich zu seiner Rolle in Albanien, nach und unter Enver Hoxha. Alia sagte, „ wir fanden die Sache richtig und trugen gemeinsam Verantwortung“.