Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
19:30
19.11.2018
Das demokratische Recht auf Selbstbestimmung bietet die einzig halbwegs sichere Gewähr dafür, dass es in der nationalen Frage zu keinen Exzessen und Blutvergießen kommt. Imperiale Einmischung in die Angelegenheiten der Völker ist hingegegen stets mit Terror, Willkür und ethnischen Konflikten verbunden. Dies gilt auch für Kosova. Der nicht zufällig geäußerte Gedanke Ischingers  (EU-Vermittler) Kosova zu teilen, bedeutet für Kosova entweder unmittelbaren oder mittelbaren Krieg.

Alle imperialen Planungen bezüglich Kosova berücksichtigen nur die eigenen imperialen Interessen und setzen wie der Ahtisaari-Plan auf ethnische Dauerkonflikte. Welche Folgen imperiale Diplomatie hat kann an exemplarischen Beispielen wie Indien-Pakistan oder an dem noch grausamerem Beispiel Ruanda nachvollzogen werden.



Der Konflikt Indien Pakistan



Die LPV schreibt in ihrem neuen Newsletter zu diesem Thema:“Diese Woche ist der 60. Jahrestag der Unabhängigkeit von Indien und Pakistan, die 1947 erklärt wurde. Diese zwei Länder wurden durch Teilung gegründet. Die Grenzlinie wurde von einem britischen Richter, Cyril Radcliff, der niemals zuvor den Subkontinenten besuchte, festgelegt. Die Teilung führte zu massiver Gewalt, da sich Millionen Menschen auf der falschen Seite der neuen Grenze wiederfanden: über 10 Millionen wurden zu Flüchtlingen und nach Schätzungen starben zwischen eine halbe bis eine Million Menschen. Die Teilung ist ein neuer Schnitt - gewöhnlich von externen Mächten aufgezwungen - quer durch ein existierendes Territorium. Sie schafft neue Grenzen. Die meisten Teilungen werden durch einen Bevölkerungsaustausch, da einige Gebiete monoethnisch sind, begleitet und verlaufen daher selten ohne Gewalt.“ Auf der Seite von Wikipedia ist dazu folgendes zu lesen: „Der gewaltfreie Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft, vor allem unter Mahatma Gandhi und Jawaharlal Nehru, führte 1947 zur Unabhängigkeit.

Gleichzeitig verfügte die Kolonialmacht die Teilung der fast den gesamten indischen Subkontinent umfassenden Kolonie Britisch-Indien in zwei Staaten, die säkulare Indische Union sowie die kleinere Islamische Republik Pakistan. Die Briten erfüllten damit die seit den 1930er Jahren lauter werdenden Forderungen der Muslimliga und ihres Führers Ali Jinnah nach einem eigenen Nationalstaat mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit.

Entwicklungen seit der Unabhängigkeit

Die Teilung führte zu einer der größten Vertreibungs- und Fluchtbewegungen der Geschichte. Ungefähr 10 Millionen Hindus und Sikhs wurden aus Pakistan vertrieben, etwa 7 Millionen Muslime aus Indien. 750.000 bis eine Million Menschen kamen ums Leben. Die Vertreibung nahezu aller Hindus und Sikhs aus dem Gebiet des damaligen West- und Ostpakistan (heute Pakistan und Bangladesch) und der Vertreibung vieler Muslime aus Indien gilt als Beispiel für eine sogenannte ethnische Säuberung ohne unmittelbare Verursachung durch einen Krieg.

Die durch Schutzverträge an die Briten gebundenen Fürstenstaaten hatten schon vor der Unabhängigkeit ihren Beitritt zur Indischen Union erklärt. Lediglich zwei standen dem Eingliederungsprozess der Fürstentümer ernsthaft im Weg. Der muslimische Herrscher des fast ausschließlich hinduistischen Hyderabad wurde durch einen Einmarsch indischer Truppen zu Fall gebracht. In Kaschmir verzögerte der Maharaja, selbst Hindu bei überwiegend moslemischer Bevölkerung, seine Entscheidung. Nachdem muslimische Kämpfer in sein Land eingedrungen waren, entschied er sich schließlich doch zum Beitritt zu Indien, welches daraufhin den größten Teil des ehemaligen Fürstentums besetzte. Pakistan betrachtete den Beitritt als unrechtmäßig, was zum Ersten Indisch-Pakistanischen Krieg um Kaschmir (1947 bis 1949) führte. Seitdem schwelt in der Grenzregion der Kaschmir-Konflikt, der 1965 auch den Zweiten Indisch-Pakistanischen Krieg und 1999 den Kargil-Krieg zur Folge hatte.



Fallbeispiel Ruanda-



Besonders grausam wirkte sich die imperiale auf Ethnien bezogene Politik in Ruanda aus. Der Genozid in Ruanda war die direkte Folge imperialistischer Machtpolitik, imperialer Grenzziehungen sowie die berüchtigte Politik des teilen und herrschens.



Dokumentation Wikipedia
Zusammensetzung der Bevölkerung

In Ruanda lebt ein Volk mit einer gemeinsamen Sprache, gemeinsamen Sitten und Bräuchen. Die Kolonialmächte, zunächst Deutsche, dann Belgier, beschlossen durch Ausnutzung einheimischer gesellschaftspolitischer Strukturen zu herrschen und wollten keinen eigenen Verwaltungsapparat aufbauen. Sie unterstützten zunächst die herrschenden Eliten (Tutsi) und versuchten sie für ihre Zwecke zu nutzen. Die Kolonialmächte definierten die gesellschaftlichen Kategorien von „Hutu“, „Tutsi“ und „Twa“ als „Stämme“, unterschieden nach rassistischen Kriterien bezüglich des Äußeren und des angeblichen Charakters, sowie nach der Wirtschaftbasis (Tutsi = Rinderzüchter; Hutu = Bauern; Twa = Jäger/Sammler, Töpfer). Deutsche Forscher (Rassetheoretiker) hatten zum Ende des 19. Jahrhunderts im Geiste der Rassenkunde die „hamitische Hypothese“ (Hamitentheorie) erfunden und eine vielfältig durchmischte afrikanische Gesellschaft, deren Volksgruppen die Sprache, Sitten und Traditionen teilten, in „Stämme“ sortiert: Hier die Minorität der angeblich aus dem Niltal eingewanderten Tutsi, eine hochwüchsige, hellhäutige, blaublütige, hamitische Rasse, dort die autochthone Mehrheit der untersetzten, negroiden, servilen, bäuerlichen Hutu aus der Bantufamilie. Die Hamiten seien die Träger der kulturellen Entwicklung Afrikas gewesen und seien überhaupt eine überlegene „Herrenrasse“, so die Hamitentheorie von Speke. Diese „Ethnien“ oder „Rassen“ gehören zu dem Geschichtsmythos der Kolonialherren und wurde zu einem wichtigen ideologischen Instrument der Kolonialpolitik. Tutsi, gleichsam zu „schwarzen Weißen“ geadelt, wurden im kolonialen Herrschaftssystem privilegiert; sie übernahmen bereitwillig eine Theorie, die ihre Überlegenheit historisch „bewies“.

1934/35 wurde von der belgischen Kolonialmacht eine Volkszählung durchgeführt. Die Zugehörigkeit zu Tutsi oder Hutu wurde u.a. anhand der Anzahl der Rinder definiert, die jemand besaß. Alle Familien mit mehr als 10 Rindern waren Tutsi, alle mit weniger waren Hutu. Wer kein Rind hatte, wurde als Twa eingestuft. Die Kolonialmächte verhandelten zunächst bevorzugt mit den reicheren Tutsi, zu denen das Königshaus und die traditionellen Eliten gehörten.

Im Jahre 1939 schrieben die belgischen Kolonialisten gar den Vermerk der ethnischen Zugehörigkeit (Rasse) im Personalausweis vor. Der postulierte Unterschied – der Völkerkundler Claude Meillassoux spricht von „imaginärer Ethnographie“ – wurde gleichsam zum Naturzustand und vergiftete als tribalistisches Stereotyp die Vorstellungswelt der Ruander.

Die Tutsi erhielten zunächst alleinigen Zugang zu den Kolonialschulen mit dem Ziel, dass sie dadurch der Kolonialverwaltung dienen sollten. Durch die Kolonialpolitik wurde die Bevölkerung zu Abgaben und Zwangsarbeit verpflichtet, für deren Eintreibung Tutsi zuständig waren. All dies führte zu Unzufriedenheit und Neid. Außerdem kam es zu zunehmenden Problemen, weil Tutsi eigene Gedanken äußerten und nicht alle Vorgaben der (belgischen) Kolonialmacht umsetzen wollten. So setzten die belgische Kolonialverwaltung und die katholische Mission zunehmend auf „divide et impera“ und begannen die Hutu politisch zu fördern. Als die Hutu 1959 die Macht übernahmen, pervertierten sie die ethnische Segregation zu einer Art „schwarzen Apartheid“. Sie nahmen das rassistische Gedankengut der Europäer an und begannen, die Tutsi als später eingewanderte Fremde in Ruanda zu behandeln.

Vor den ersten Massakern, Vertreibungen und der ersten Fluchtwelle von Tutsi im Jahre 1959 wurde deren Anteil auf 12–13 % geschätzt. Dieser Anteil soll dann bis zum Völkermord durch weitere Fluchtwellen und Vertreibungen auf etwa 9–10 % abgenommen haben. Auch der Anteil der Twa scheint seit den 1930er Jahren stetig gesunken zu sein. Es gab und gibt einen nicht zu vernachlässigenden Anteil von Menschen mit schwankender oder gemischter ethnischer Identität, obwohl die Ethnizität amtlich registriert war.

Der Völkermord brachte für mindestens drei Viertel, vielleicht auch über 90 % der in Ruanda ansässigen Tutsi den Tod. Durch die kurz danach einsetzende Rückwanderung einer großen Zahl von Exil-Tutsi machen die Tutsi wieder wesentlich mehr als die zu erwartenden 1–3 % der Bevölkerung aus. Neuere Zahlen zur Ethnizität sind kaum erhältlich.

Die „hamitische Hypothese“ erfreut sich bis heute großer Beliebtheit, liefert sie doch ein simples Erklärungsmodell für den Genozid.

Sprachen

Muttersprache nahezu aller Ruander ist die Bantusprache Kinyarwanda. 88 % der Einwohner beherrschen ausschließlich diese Sprache. Weitere offizielle Amtssprachen sind Französisch (seit der belgischen Kolonialzeit) und (seit Mitte/Ende 1994) Englisch (vor allem von aus Tansania und Uganda rückkehrenden Langzeitflüchtlingen eingeführt). In den Handelszentren wird auch das ebenfalls zu den Bantusprachen gehörende Kiswahili gesprochen, das in Ruanda nur als Fremdsprache erlernt wird.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Ruandas sowie Völkermord in Ruanda

Kolonialgeschichte

Ruanda hat eine jahrhundertealte Geschichte als Monarchie, die sich auf die Adelsklasse der Tutsi stützte, während der größte Teil der einfachen Bevölkerung aus Hutu bestand. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde es im Rahmen der Aufteilung Afrikas unter die europäischen Großmächte Deutschland zugeschlagen und der Kolonie Deutsch-Ostafrika unterstellt. Die Deutschen beschränkten sich auf die indirekte Herrschaft in Gestalt einer Residentur; der deutsche Resident stand ähnlich wie in englischen Protektoraten dem einheimischen Fürsten kontrollierend und beratend gegenüber. Parallel begann die Missionierung, bei der die Katholiken sich durchsetzten. Im Ersten Weltkrieg wurde das Land von belgischen Streitkräften erobert und vom Völkerbund Belgien als Teil des Mandatsgebietes Ruanda-Urundi zugesprochen. Mit der Unabhängigkeit traten die alten Gebiete von Ruanda und Burundi ihren eigene Weg getrennt voneinander als eigenständige Staaten an.

Neuere Geschichte

In der neueren Geschichte waren neben der Kolonisation, die das Land erst kurz vor 1900 erreichte, die Unabhängigkeit im Jahre 1962 und der Völkermord von 1994 die wichtigsten Ereignisse.

Ruanda war zusammen mit Burundi zunächst (bis 1916/18) Teil von Deutsch-Ostafrika. 1916 besetzten belgische Truppen von Belgisch-Kongo aus das Land. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt Belgien das Mandat zur Verwaltung von Ruanda-Urundi, zunächst vom Völkerbund, später der UNO.

Nach der Unabhängigkeit am 1. Juli 1962 folgten zunächst eine erste (1962–1973) und dann eine zweite Republik (Juli 1973–1994). Vor allem die erste Republik war begleitet von Massakern, Vertreibungen und Fluchtbewegungen von Tutsi. Eine große Anzahl von ihnen war danach an der Rückkehr nach Ruanda gehindert und lebte jahrzehntelang in den Nachbarländern (Uganda, Burundi, Tansania und DR Kongo, z.T. auch Kenia).

Am 1. Oktober 1990 griff die Ruandische Patriotische Front (RPF), in der Exil-Ruander aus Uganda stark vertreten waren, das Land an, um militärisch die Rückkehr von Flüchtlingen zu erzwingen. Sie besetzte Teile des Nordens des Landes (in Byumba und Mutara). International vermittelte Verhandlungen führten zunächst einem Waffenstillstand im Juli 1992. Nach dem Friedensvertrag von Arusha im Januar 1993 kam es aber mehr oder weniger zu einer politischen Blockade der Umsetzung der Vereinbarungen des Friedensvertrags. Radikale Kräfte waren nicht an der Kooperation mit dem Gegner in Übergangsstrukturen (Regierung, Parlament und Armee) bereit. Am 6. April 1994 wurde das Flugzeug des damaligen Staatspräsidenten Juvenal Habyarimana beim Landeanflug in der Hauptstadt Kigali abgeschossen. Vom 7. April bis Juni 1994 wurde daraufhin der Völkermord an Tutsi durchgeführt, verbunden mit der Liquidation von dissidenten Hutu. Die RPF nahm die Kampfhandlungen (nun) gegen das den Völkermord organisierende Regime wieder auf. Sie eroberte bis Juli den Norden, Osten und Südosten sowie die Hauptstadt, danach auch den zentralen und nördlichen Westen des Landes. Französische Truppen, von Ostkongo aus kommend, besetzten vorübergehend den Südwesten des Landes.

Im November 1994 richteten die Vereinten Nationen den Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda ein, mit Sitz in Arusha, Tansania.