Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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21.03.2019
Offiziell liegt die Arbeitslosigkeit in Kosova bei 50%. Diese Zahl ist viel zu niedrig angesetzt. Viele Arbeitslose sind nicht gemeldet. Nach Untersuchungen der Weltbank gelten 15% der Bevölkerung als extrem arm , weitere 50% werden mit einem Einkommen von etwas mehr als einem Dollar pro Tag als arm eingeschätzt. Ein noch beschäftigter Arbeiter verdient maximal 200 Euro im Monat. Der Euro ist Landeswährung und die Lebenshaltungskosten sind oftmals mit der Preislage in Mitteleuropa vergleichbar.

.Ein Rentner erhält wenn er Glück hat 35 Euro im Monat. Ohne Transferleistungen der albanischen Arbeitsemigration aus Europa, nach Kosova, wäre die Situation noch katastrophaler. Dennoch wird der deutsche Protektoratsleiter Joachim Rücker, nicht müde von seinen „ Erfolgen“ zu schwafeln. In der Tat, Rücker hat in 18 Privatisierungsrunden viel vom nationalen Reichtum Kosovas, billig verschleudert. Dennoch halten sich europäische Investoren in Kosova weiter zurück. Ihnen sind nach Angaben der bundesdeutschen „ Kreditanstalt für Wiederaufbau“ die Löhne immer noch zu hoch. Die Perspektive Kosovas ist unter kapitalistischen Verhältnissen mehr als düster. Besonders düster ist die Lage der Frauen, sie sind stark von Armut und männlicher Gewalt betroffen. In Kosova existieren kaum noch internationale Hilfsorganisationen, die sich um die Probleme der Frauen kümmern. Diese Arbeit wird zunehmend von örtlichen Frauenorganisationen übernommen, denen aber oft jegliche Gelder fehlen. Viele Frauen leiden noch unter den Folgen des brutalen chauvinistisch serbischen Terrors in Kosova. Rund 20.000 Frauen wurden damals von serbischen Faschisten vergewaltigt. Heute fehlt ihnen Arbeit, finanzielle Unterstützung, oftmals auch Anerkennung sowie die nötigen frauenspezifischen medizinischen Einrichtungen. Um die Lage der Frauen in Kosova besser zu verstehen dokumentieren wir einen Artikel aus dem „Deutschen Ärzteblatt“ vom Oktober 2004. Der Bericht ist ausgesprochen AKTUELL.


Dokumentation

Merten, Martina
Kosovo: Vergessenes Elend
Deutsches Ärzteblatt 101, Ausgabe 42 vom 15.10.2004, Seite A-2782 / B-2358 / C-2254
POLITIK

Medica Kosova: seit 1999 Einsatz für kriegstraumatisierte Frauen


Fünf Jahre nach dem Krieg in der heute autonomen Provinz Kosovo ist die dortige Situation noch immer verheerend: 80 Prozent der Menschen sind ohne Arbeit, fast 50 Prozent leben unter der Armutsgrenze. Beinahe 70 Prozent des kosovarischen Einkommens besteht aus internationalen Spenden und Diaspora-Sendungen – beides ist rückläufig. Nach wie vor leiden viele Frauen und Mädchen unter Kriegstraumata, sexuelle sowie körperliche Gewalt waren nicht nur während des Krieges an der Tagesordnung, sondern sind es teilweise noch. Medica Kosova – ein von der Frauenhilfsorganisation medica mondiale e.V. (mm) eröffnetes Beratungs- und Therapiezentrum für kriegstraumatisierte Frauen im kosovarischen Gjakova – engagiert sich in diesem Oktober bereits im fünften Jahr für Frauen und Mädchen, die andernorts in Vergessenheit geraten sind.
„Unsere Arbeit hat eine positive Ausstrahlung auf das ganze Land“, sagt Dr. med. Monika Hauser bei einem Rückblick auf die ersten fünf Jahre des Zentrums in Köln. Den Angaben der Gynäkologin zufolge, die mm 1993 gründete, hat das 35-köpfige Team von Medica Kosova bereits viel erreicht: mehr als 8 000 Frauen konnten gynäkologisch behandelt, rund 800 Frauen aus 24 Städten und Dörfern langfristig psychosozial betreut, etwa 100 Frauen juristisch beraten und 90 Gerichtsverhandlungen begleitet werden. Vor allem habe die Arbeit des Beratungs- und Therapiezentrums dazu beigetragen, das Tabu zu lockern, das noch immer über dem Thema sexualisierte Gewalt liegt. „Vereinzelte Frauen haben sogar einen Weg aus ihrem Trauma gefunden und wieder Ziele vor Augen“, berichtet Hauser von ihrer letzten Reise in die Balkan-Provinz.
Nach offiziellen Angaben wurden allein zwischen 1998 und 1999 rund 15 000 Frauen und Mädchen vergewaltigt — laut Hauser sind es aber „weitaus mehr“. Ein weiteres Problem ist die katastrophale medizinische Versorgung. In den Kliniken ist die Hygiene mangelhaft, Ärzte werden gar nicht oder unterbezahlt, und Apotheken sind vom Schwarzmarkt beherrscht. Wer es sich leisten kann, geht in Privatpraxen. Schließlich, berichtet die Gynäkologin, führe die mangelhafte Sexualaufklärung – auch hinsichtlich der Hygiene – und Vorsorge dazu, dass immer mehr Frauen und Mädchen schwanger werden, an Geschlechtskrankheiten oder an Gebärmutterhalskrebs litten. „Ein Besuch beim Frauenarzt ist bislang nur bei einer Schwangerschaft oder Geburt hoffähig“, betont die Ärztin. Darüber hinaus mangele es auch den Männern an der nötigen Aufklärung, weil es keine Komplementärorganisationen zu Medica Kosova für Männer gibt. Um auch Frauen zu erreichen, die außerhalb von Gjakova leben oder deren Ehemänner einen Besuch des Beratungszentrums untersagen, unterhält das Therapie- und Beratungszentrum ein mobiles Krankenfahrzeug, in dem medizinische und psychologische Hilfe angeboten wird.
Obwohl Medica Kosova seit Anfang des Jahres selbstständig arbeitet, erhält es nach wie vor Spendengelder von medica mondiale. Hauser und ihre Kolleginnen führen zwar bereits Gespräche mit dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie dem Malteser Hilfsdienst. Meist würden Projekte wie Medica Kosova jedoch nur kurzfristig unterstützt, beklagt Hauser. Je länger Krieg oder Hungerkatastrophen vorbei seien, desto mehr gerieten sie in Vergessenheit. So gab es 1999 noch rund 300 internationale Hilfsorganisationen in Gjakova. Heute sind es nur noch zehn. Martina Merten