Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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22.03.2019
Der angeblich „antiislamische“ Vortrag des Papstes anläßlich seines Besuches in Bayern führte in vielen islamischen Ländern zu wilden Protesten. Die Redaktion von Kosova-Aktuell hat keinerlei Interesse sich an der Auseinandersetzung zu beteiligen. Wir stellen jedoch erfreut fest, dass in Kosova kein Religionskampf ausgebrochen ist. In der Tat, „die Religion des Albaners ist das Albanertum“ wie die „Liga von Prizren“ zurecht festhielt. Damit wurde 1878 kein stumpfsinniger Nationalismus begründet, sondern nur der Tatsache Rechnung getragen, dass die religöse Spaltung der Albaner von verschiedenen Mächten für ihre Interessen mißbraucht werden könnte.

Den Patriotismus der „Liga von Prizren“ bewertete Friedrich Engels, als „ bürgerlich-demokratisch“. In Kosova stellt sich heute nochmals die demokratische Frage nach dem Selbstbestimmungsrecht . Dringlich muß auch an der Lösung der sozialen Frage gearbeitet werden. Dabei ist die Einheit der einfachen Menschen in Kosova unabhängig von ihrer Nationalität und Religion erforderlich. Es gibt keine Alternative zu Unabhängigkeit, Demokratie und einer sozial gerechten Gesellschaft. Die Religion ist Privatangelegenheit jedes einzelnen Menschen, die es zu respektieren gilt. Religiös begründete militante Auseinandersetzungen sind ein Anachronismus in der heutigen Welt. Wer seine soziale Lage verbessern und ein unabhängiges selbstbestimmtes Leben führen will hat sich konkret mit den sehr weltlichen Ungerechtigkeiten auseinanderzusetzen. Die religiöse Überzeugung vieler Menschen, sollte sie dazu führen, die humanen und sozialen Aspekte, die jede Religion hat, in die Auseinandersetzung mit den Gegnern von Unabhängigkeit und Freiheit mit einzubringen. Der Kampf ist aber weltlich und muss mit dem Logos begründet werden. Im Anhang veröffentlichen wir eine Dokumentation zu den religiösen Richtungen in Kosova, da uns viele Anfragen zu diesem Thema erreichten.

Dokumentation: Religionen in Kosova entnommen aus Wikipedia



In Kosovo sind drei Religionen präsent: Islam, Katholizismus und serbische Orthodoxie. Das Verhältnis zwischen islamischen und katholischen Gemeinden des Kosovo gilt als gut, doch beide Gruppen haben wenige bis keine Beziehungen zur serbisch-orthodoxen Kirche.

Religion und Ethnien

Zum muslimischen Glauben bekennen sich die meisten Albaner, die muslimischen Slawen (Goranen und Bosniaken) und die Angehörigen der türkischen Minderheit. Die schätzungsweise 60.000 Katholiken sind fast ausnahmslos Albaner, die wenigen gleichfalls katholischen Angehörigen der kroatischen Minderheit im Kosovo sind nach dem Krieg fast alle geflohen. Die Serben gehören der serbisch-orthodoxen Kirche an. Die Gruppe der Roma/Aschkali enthält Anhänger aller drei Glaubensrichtungen.

Die Kosovo-Albaner definieren ihre ethnische Zugehörigkeit durch Sprache, nicht durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion. Dies lässt sich für die slawischen Volksgruppen nicht sagen: Sowohl bei den muslimischen Bosniaken als auch bei den serbischen Orthodoxen ist Religion ein Merkmal der Abgrenzung von anderen Ethnien.

Der Islam

Die muslimischen Kosovo-Albaner gelten als gemäßigt religiös. Sie haben zur Erfüllung moslemischer Vorschriften ein sehr entspanntes Verhältnis; der Islam hat keinerlei politischen Einfluss. Vertreter der Islamischen Religionsgemeinschaft beschreiben die Haltung der Mehrheit gegenüber dem Islam als "wohlwollende Vernachlässigung." Islamischer Fundamentalismus hat keine Ansatzpunkte: Die Jugend ist kulturell nach Westen (USA, Westeuropa) ausgerichtet, die älteren albanischen Muslime orientieren sich am laizistischen türkischen Staat. Die Moscheen im Kosovo leiden unter erheblichem Besuchermangel.

Der Islam im Kosovo hat zwei Organisationen: Die Islamische Gemeinde des Kosovo als offizieller Vertreter aller Muslime und die Organisationen der Derwisch-Orden.

Die Stätten islamischen Glaubens sind die Moscheen und die Tekkes als Zentren der Derwisch-Orden. Vor dem Kosovo-Krieg gab es 560 Moscheen und sechzig Tekkes, letztere vor allem in den südlichen Städten wie Pejë/Peć, Gjakovë/Đakovica, Rahovec/Orahovac und Prizren. Während des Krieges wurden von Serben 218 Moscheen und fünf Tekkes zerstört.

Die Vorsteher der Mosche werden Imam oder Hodscha genannt, die der Tekke Baba oder Schech/Scheich. Die Imame werden ausgebildet an der Fakultät für Islamische Studien in Prishtinë/Pri¨tina, diese bildet auch Imame für Albanien, Mazedonien und Montenegro aus. Ein vergleichsweise aktives religiöses Leben gibt es im Süden und Südosten des Kosovo um die Städte Dragash/Draga¨, Gjilan/Gnjilane und Prizren.

Der Islam im Kosovo ist weitgehend geprägt durch die Sufi-Bruderschaften beziehungsweise die Orden der Derwische. Der Sufismus des Kosovo gilt als Mischung zwischen den Glaubensrichtungen der Sunniten und Schiiten. Kosovo ist das Zentrum des Bektaschi-Ordens, der unter den Albanern in Albanien, Mazedonien und Südserbien viele Anhänger hat. Der Bektaschi-Orden ist eine unorthdoxe islamische Sekte; seine Mitglieder trinken öffentlich Alkohol, die religiösen Zermenoien können auch von Frauen geleitet werden. Mitglieder des Bektaschi-Ordens waren führend in der albanischen Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts. Die Sufi-Bruderschaften gelten als religiöser und nationalorientierter als die Vertreter des offiziellen Islam im Kosovo.

Der Katholizismus

Es gibt etwa 65.000 katholische Albaner, dazu kommt noch eine kleine Gruppe katholischer Roma und Kroaten. Sie sind in 23 Pfarreien aufgeteilt, in denen 55 Priester arbeiten. Bis zum Jahr 2000 gehörten die katholischen Kosovaren zum Bistum Skopje und Prizren, dann wurde der mazedonische Teil abgetrennt und eine eigenständige Apostolische Administratur Prizren gebildet. Im Gegensatz zu den Muslimen sind die Katholiken des Kosovo politisch aktiv: Katholiken gründeten die Partia Shqiptare Demokristiane e Kosovës PSHDK (Christdemokratischen Partei des Kosovo) die zwei Abgeordnete im Parlament stellt. Allerdings ist auch eine große Anzahl von Muslimen Mitglied der PSHDK. Die meisten katholischen Priester gehören dem Orden der Franziskaner an und wurden in Bosnien-Herzegowina, Kroatien oder Slowenien ausgebildet.

Die serbisch-orthodoxe Kirche

Die serbisch-orthodoxe Kirche ist von ihrem Selbstverständnis her eine Nationalkirche. Während der Ära Milo¨evićKFOR wurden der serbische Bischof Artemije von Raszien und Prizren und der Mönch Sava vom Kloster Dečani zunächst politische Sprecher derjenigen Kosovo-Serben, die eine Zusammenarbeit mit der UNMIK befürworteten. In den letzten Jahren hat der Klerus seine Rolle als Sprecher der Serben allerdings zum guten Teil an kosovo-serbische Politiker abgetreten. unterstützten anfangs weite Teile des Klerus dessen Politik eines aggressiven serbischen Nationalismus.

Anmerkung- Die serbisch orthodoxe Kirche ist bis heute ein wesentlicher Baustein des serbischen Nationalismus.

Genc Mustafa