Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
16:51
24.05.2019
Wolfgang Petritsch war Chefverhandler der Gespräche von Rambouillet – die 1999 zur NATO-Intervention am Balkan führten – und Hoher Repräsentant der internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina von 1999 bis 20002. Heute arbeitet er als österreichischer UN-Botschafter in Genf. Georg Hoffmann-Ostenhof vom Nachrichtenmagazin „Profil“ bezeichnete den gebürtigen Kärntner einmal als den „seit Bruno Kreisky profiliertesten Außenpolitiker made in Austria“.

Dieser profilierte Außenpolitiker sprach sich in dem österreichischen Jugendmagazin CHILLI gegen die völlige Unabhängigkeit Kosovas aus. Herr Petritsch will den „Staatsbildungsprozess begleiten“, nach dem bosnischen Modell soll die entscheidende Verantwortung über alle Fragen in Kosova in den Händen einer neuen EU-Verwaltung liegen. Mit Unabhängigkeit und Freiheit hat dies nichts zu tun.


Dokumentation Auszüge aus dem Interview mit Wolfgang Petritsch


Petritsch-Allerdings wird dieser sehr junge Staatsbildungsprozess im Kosovo sicher noch auf Jahre hinaus von der internationalen Gemeinschaft begleitet werden müssen.

CHiLLi: Aber wie will man sicherstellen, dass sich ein unabhängiges Kosovo-Albanien tatsächlich in diese Richtung entwickelt – also zu einer Staatsbürgerlichkeit, die nicht mehr am ethnischen Prinzip hängt?
Wolfgang Petritsch: Die internationale Gemeinschaft und insbesondere die EU wird im Kosovo beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft noch eine ganz wichtige Rolle spielen. Man kann das in gewisser Weise mit dem bosnischen Modell vergleichen, allerdings sehr spezifisch auf den Kosovo zugeschnitten.

CHiLLi: Welchen Ausgang erwarten Sie sich von den Statusverhandlungen?
Wolfgang Petritsch: Ich rechne damit, dass es irgendeine Form der Souveränität geben wird, aber keine volle Unabhängigkeit. Ein Teil der Souveränität wird von der internationalen Gemeinschaft übernommen werden, ähnlich wie das in Bosnien der Fall gewesen ist – damit Demokratisierung und die Wahrnehmung von Minderheitenrechten sichergestellt werden kann.

CHiLLi: Also nicht die geringste völkerrechtliche Verbindung mit Serbien? Diese Unabhängigkeit wird einzig durch die internationale Gemeinschaft beschränkt sein?
Wolfgang Petritsch: Richtig, diese Beschränkung wird wahrscheinlich durch ein UN-Mandat erfolgen. Außerdem – und das ist eine Ironie der Geschichte – streben ja sowohl Belgrad als auch Pristina eine Art von, ich nenne es „Wiedervereinigung“ an, nämlich unter dem Dach der Europäischen Union. In Brüssel wird man sich am selben Tisch wieder finden. Wenn alles gut geht …

CHiLLi: Was sicher noch einige Zeit dauern wird …
Wolfgang Petritsch: Ohne Zweifel. Aber vielleicht hat diese Ironie der Geschichte auf die extremistischen Kräfte eine ernüchternde Wirkung. Letzten Endes kann sich die EU nicht aus diesem Raum zurückziehen – wir leben hier als Nachbarn und das wird auch in Zukunft der Fall sein.