Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
16:19
22.04.2019

Bericht von der Veranstaltung in Deggendorf am 29. April -" In Anwesenheit albanischer DolmetscherInnen und der Koordinatorin des Übersetzungsdienstes im Erstaufnahmelager Deggendorf, wo gegenwärtig beinahe alle 500 zur Verfügung stehenden Plätze mit Flüchtlingen aus dem Kosovo belegt sind, und einiger Mitglieder der Bundespolizeit, die im Kosovo stationiert waren, kam es im

Anschluss an Max Bryms Vortrag über die Ursachen der Massenflucht zu einem intensiven Informations- und Meinungsaustausch. Einigkeit bestand insbesondere darin, dass der Kosovo heute quasi als Freilandversuch dafür angesehen werden kann, wie neoliberale Privatisierungskonzepte ohne Rücksicht auf deren soziale Auswirkungen vorangetrieben werden. Das dieser Prozess, bei dem die gekaufte Machtelite des Landes und die Entscheidungsträger innerhalb der EU eng kooperieren, nicht ohne Gewalt und Repression vonstatten geht, wurde durch Bryms Vortrag und die sach- und landeskundigen Diskussionsbeiträge der TeilnehmerInnen übereinstimmend bestätigt. Der Landrat des Landkreises Deggendorf ("... wir sind nicht das Sozialamt des Balkan ..."), hatte es erwartungsgemäß vorgezogen, sich nicht in die Niederungen konkreter Tatsachen zu begeben. Möglicherweise sei er, so wurde vermutet, durch das Ausbrüten neuer asylpolitischer Parolen verhindert gewesen. Wie dem auch sei, zumindest drei für ihn relevante Einsichten sind dem Landrat durch sein Fehlen entgangen:

1. Da die Entscheidungen zur Privatisierung qua Verelendung in den USA und innerhalb der EU getroffen werden und der Nutzen daraus überwiegend westlichen Investoren und der kosovarischen Mafia zugute kommt, besteht alleine schon aufgrund des Verursacherprinzips eine nicht nur moralische Verantwortlichkeit des Westens, für die verarmte kosovarische Bevölkerung einzutreten. M. a. W.: Wer Elend erzeugt, muss auch bereit sein, Sozialamt zu spielen.
2. Die EU, die im Kosovo genau so wenig wie in Afrika und dem mittleren Orient für die destruktiven Folgen ihrer Politik aufkommen will, bereitet den Nährboden für den Vormarsch salafistischer Hassprediger. Während die EU sich gegen die ins Elend gestürzten Kosovaren abschirmt, haben Islamisten den Bau von weit über 800 Moscheen finanziert, von denen aus sie die Menschen mit islamistischer Nahrung versorgen. 
3. Seit kurzem werden in wirtschaftsnahen Medien wie FAZ und Handelsblatt Ürberlegungen angestellt, inwiefern man den Fachkräftemangel in Deutschland in bestimmten Sparten durch die Zuwanderung qualifizierter Kosovaren abmildern könne. Das dabei kapitalistische Verwertungsinteressen im Vordergrund stehen, liege, so Max Brym, auf der Hand und zeige, wie schnell auch ein Landrat vom Gestrigen zum Ewig Gestrigen mutieren kann."

Anmerkung der Redaktion- Veranstalter war die Partei " Die Linke" 

 

Foto Max Brym 

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Wappen von Deggendorf
 
Stadtplatz von Deggendorf