Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
22:24
07.12.2019

Diese Woche: Demonstration am 3. März -Verurteilung der Autobombe--Rücktritte und Ermittlungen- Lügenkampagne und Anschuldigungen- Ausstellung- Debatten in Prishtina und Klina-Kugeln, die töten

Demonstration am 3. März

Am Samstag, den 3. März um 14:00 Uhr, wird die Bewegung VETËVENDOSJE! eine gewaltlose Demonstration gegen die andauernden Verhandlungen über die Zukunft Kosovas, sowie gegen jene Verantwortliche für die Ermordung Arben Xheladini-s und Mon Balaj-s bei unserer letzten Demonstration, organisieren. Wir haben vor, dieselbe Route zu beschreiten, die wir am 28. November bereits beschritten haben.




Verurteilung der Bombe unter einem UN-Fahrzeug

Wir verurteilen die gestern unter einem Fahrzeug von Vereinten Nationen gelegten Bombe, sowie jede Handlung, die das Leben der Menschen gefährdet. Der richtige Ort, um die Frustration über den politischen Prozess auszudrücken, ist bei unser gewaltloser Marschprotest am 3. März .

Rücktritte und Ermittlungen

Wir begrüßen den Rücktritt des internationalen Polizeikommissaren Stevens Curtis, der die ungerechte Polizeireaktion vom 10. Februars anerkennt, aber der Polizeikommissar handelte nicht allein!
Die Institutionen, die sich für das Ausmaß der angewendeten Gewalt entschieden haben, müssen die Verantwortung für ihre Handlungen übernehmen. Zudem ist es unerlässlich, dass die hinsichtlich der Ereignisse des 10. Februars gegründete Ermittlungskommission, völlig unabhängig sein muss. Im Moment ist sie (die Kommission) ein Teil des Justizministeriums, die von UNMIK direkt kontrolliert wird.

Lügenkampagne und Anschuldigungen

Bei einem Versuch, unsere Bewegung nach der Polizeigewalt am 10. Februar zu diskreditieren, haben die Behörden mehrere Lügen über uns verbreitet:
“Sie sind Anarchisten“: Anarchisten glauben nicht an Institutionen. Wir tun es. Wir wollen nur verantwortungsvolle Institutionen, die wir für uns gewählt und bestimmt haben, und wir wollen ehrliche Politiker, die in diesen Institutionen arbeiten.

„Sie wollten in das Regierungsgebäude gelangen“: Nein, dies täten wir nicht. Warum würden Menschen mit leeren Händen versuchen, ein mit Gewalt geschütztes Regierungsgebäude einzunehmen? Was hätten wir damit erreicht?

„Sie wollten die Autos verbrennen“: Nein, täten wir nicht. Wir hatten kein Benzin dabei. Wir brachten Farbflaschen mit, um damit UNMIK Autos zu bewerfen, wenn sie von der Außenseite der Straße zugänglich gewesen wären.


„Sie weigerten sich, mit der Polizei zu sprechen“: Wir waren bereit uns mit dem KPS vor dem 10. Februar zu treffen, jedoch nicht mit der UNMIK Polizei. Deshalb lehnten beide (KPS u. UNMIK-Polizei) es ab, mit uns zu sprechen..

 

„Sie sind gewaltsam“: Nein, sind wir nicht. Wir haben nie gedroht oder irgendetwas getan um Leben zu bedrohen. Unsere Demonstrationen sind gegen Institutionen gerichtet. Die Polizei ist verantwortlich für die Tötung der Menschen bei unserem Protest.


Die Wahrheit: Wir wollen das Recht auf Selbstbestimmung haben. Wir wollen die Chance haben, über unsere eigene Zukunft selbst entscheiden zu können. Wir wollen dies durch massive gewaltlose Demonstrationen erreichen.



Ausstellung

Am Dienstag, vor dem Nationalen Theater im Zentrum von Prishtina, machten wir eine Ausstellung mit Fotos und einigen Filmausschnitten über die Demonstration vom 10. Februar. Diese Ausstellung demonstrierte, dass ohne das kollektive Recht auf Selbstbestimmung, es nicht möglich ist, die individuellen Menschenrechte auszuüben. In der Tat die Maßnahmen gegen die Demonstration verletzte kollektive Rechte die durch die ECHR garantierten grundlegenden Rechte - an die auch Kosova gebunden ist: das Recht auf das Leben, das Recht auf Freiheit und Sicherheit, das Recht auf eine gerechte Rechtsprechung, Recht auf die Versammlungsfreiheit, das Recht auf Nichtdiskriminierung, Redefreiheit, Folterverbot sowie das Recht gegen erniedrigenden Behandlung. Diese Ausstellung wird in allen Städten Kosovas gezeigt.

 

Debatten in Prishtina und Klina

Mehrere von unseren Aktivisten nahmen an einer Studentendebatte mit Mitgliedern der Verhandlungsmannschaft und des SRSG, teil. Trotz der Tatsache, dass ihnen die Mikrofonen verwehrt wurden, forderte einer unserer Aktivisten alle Anwesenden auf, eine Schweigeminute für die während des Protests gestorbenen, abzuhalten. Alle Studenten erhoben sich und schrien die Verhandlungsmannschaft an, um aufzustehen.


Unsere Aktivisten versuchten in einer öffentlichen Sitzung der Verhandlungsmannschaft in Klina teilzunehmen. Sie wurden von der Polizei, die draußen wartete, verhaftet und ins Polizeirevier gebracht wo sie geschlagen worden sind, bevor sie ohne Anklage freigelassen wurden. Die Polizei sagte ihnen, dass sie verhaftet wurden, da sie „auf dem Gehsteig standen und miteinander sprachen'.


Kugeln um zu töten benützt

Gummi- und Plastikkugeln haben seit Jahren die Nordiren und die Palästinenser getötet. Zwischen 1972 und 1989 wurden 17 Menschen, einschließlich 9 Kinder, in Nordirland getötet. Zwischen 1988 und 1998 starben mindestens 57 Palästinenser an diesen Kugeln, einschließlich 28 Kinder im Alter unter 17 Jahren. Letzte Woche töteten Sonder- Polizeieinheiten der Vereinten Nationen zwei junge Männer, Arben Xheladini und Mon Balaj und verletzten dabei 82 weitere Menschen auf den Straßen Prishtinas, mit denselben Gummi- und Plastikkugeln.


Tödliche Munition

Israelische Armee-Bestimmungen für Gummi- und Plastikkugeln anerkennen, dass sie "körperliche Verletzung, und unter bestimmten Umständen, auch Tod verursachen können." Laut Dr. Kirschner, einem medizinischen Analytiker für BT Selem (eine Menschenrechtsorganisation in Israel): "Der Gewebeschaden verursacht durch einen mit dem Gummi ummantelten Stahlball der die Haut perforiert, ist viel größer als wenn er durch eine normale Kugel verursacht wird, die, die Haut wegen ihrer aerodynamischen Form und ihrem kleineren Durchmessers, leichter durchsticht. Obwohl sie selten tief eindringen, weil ihre kinetische Energie in den oberflächlichen Geweben zerstreut wird, sind nur einige Zentimeter notwendig damit diese ins Hirn, Herz, Lungen,… oder Rückenmark eindringen.“


"Wie sind die Bestimmungen?


Standardregelungen für den Gebrauch von Gummigeschossen besagen, dass sie von einem Minimum von 40 Metern und nur auf die Beine von Protestteilnehmern abgefeuert werden dürfen. Und doch das ist selten der Fall. Von 82 Verletzten bei der Demonstration am 10. Februar in Prishtina, wurden bei 22 von ihnen Verletzungen über die Taille festgestellt, während bei den anderen 47 körperliche Verletzungen befunden wurden, die nicht spezifiziert worden sind. Eine in „Lancet Medical Journal“ veröffentlichte Studie der Ärzte des Rambam Medizinischen Zentrums des „Technion-Israel Instituts für Technologie“ in Haifa/Israel benennt 152 Menschen, die in den Krankenhäusern Anfang Oktober 2000 mit insgesamt 201 Wunden eingeliefert worden sind - Wunden die durch Gummiummantelte Kugeln verursacht wurden. Fast 60 Prozent der Schusswunden, die sie erlitten, waren über die Taille...


Wann wurden sie entwickelt?

Das Gummigeschoss wurde von den Briten für den Gebrauch in Nordirland, auf den Höhepunkt der Zivildemonstrationen entwickelt, die, die in Hongkong verwendeten „Holzbolzen“ ersetzten. Es gibt zwei Haupttypen von ihnen: Gummigeschosse und runde Stahlkugeln, die mit einer dünnen Gummischale ummantelt sind. Die Briten ersetzten diese schließlich im Jahre 1975 durch die Plastikkugeln, die, wie man dachte, genauer waren. Jedoch, gemäß einem im Jahr 1983 veröffentlichten Bericht in „Lancet Medical Journal“, sind Plastikkugeln noch tödlicher als die Gummigeschosse, die sie ersetzten. Sie verursachen weit schwerere Verletzungen im Schädel und Hirn.


Richtlinien von Vereinten Nationen für die Gewaltanwendung.

Es ist von den oben genannten Beweisen klar, dass sowohl Gummi- als auch Plastikkugeln einen "äußersten Ausnahmefall der Gewaltanwendung" gegen den Zivilprotest darstellen. Jede verwendete Waffe gegen Bürgerproteste, die das Potenzial um zu töten hat, ist extrem.

Sowohl die grundlegenden Grundsätze der Vereinten Nationen für die Gewaltanwendung und den Gebrauch von Schusswaffen durch Vollzugsbeamte, sowie der Verhaltenskodex der Vereinten Nationen machen verständlich, dass die Gewaltanwendung „verhältnismäßig“ und ein „Ausnahmefall“ sein muss. Wenn Gewalt angewendet werden muss, dann soll sie so gestaltet werden, um die Verletzungen zu minimalisieren. Außerdem sollte der Gebrauch von Schusswaffen durch die Polizei gegen die Bürger ein letzter Ausweg, ein „Ausnahmefall“ sein, nur wenn alle anderen Optionen gescheitert sind. In einer Zivildemonstration sollten Schusswaffen nur zum Zwecke der Selbstverteidigung oder zur Verteidigung der Menschen gegen bevorstehendem Tod oder ernsten Verletzungen verwendet werden (Artikel 3 des Verhaltenskodexes; Artikel 9, 13, 14 grundlegende Grundsätze der UN).
Absolut keine von diesen Voraussetzungen wurde in Prishtina am 10. Februar erfüllt. Tatsächlich wurde die unmittelbare Anwendung der Gewalt durch die Polizei dafür entworfen, um zu töten und um zu verstümmeln.
Gummi- und Plastikkugeln sind ein "höflicher" Weg für den Staat, um Menschen zu töten oder zu verletzen, wenn diese ihnen politisch widersprechen. Sie sind das Gesicht des Terrorstaates, und zeigen genau an, wie viel Rücksicht unsere Regierung für die Bedeutung „der Versammlungsfreiheit“ und „der Freiheit zur Meinungsäußerung“, übrig hat.

LPV „Bewegung für Selbstbestimmung“