Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
15:57
21.09.2019
Die Wiener Zeitschrift „Die Presse“ publizierte einen interessanten Artikel zur Umweltverschmutzung in Mitrovica. Der Artikel hat die Überschrift - „Kosovo: Viele von uns haben erhöhte Bleiwerte“-. Allerdings sagt der Artikel nichts zu der notwendigen Reaktivierung des Kombinates Trepca aus. Klar geht aus dem Artikel jedoch hervor wie das Milosevic Regime mit dem Kombinat in ökologischer Hinsicht umging. Mit keinem Wort wird die Frage erörtert, wie Trepca entgegen den Privatisierungsplänen als wichtiger Reichtum Kosovas umweltverträglich wieder in Gang gebracht werden kann.

Zudem thematisiert der Artikel nur die berechtigte Unzufriedenheit der serbischen Menschen mit der Schließung von Anlagen im Norden Mitrovicas. Die albanischen Arbeiter welche Anfang der neunziger Jahre aus dem Kombinat vertrieben wurden kommen in dem Artikel nicht vor. Dennoch belegt der Artikel ausgezeichnet, dass die Menschen in Mitrovica mit erhöhten Bleiwerten in der Nahrung und in der Luft zu kämpfen haben. Die internationalen Kräfte hingegen speisen anders und werden nach einiger Zeit durch neue Kräfte in Mitrovica ersetzt. Dies macht die UNMIK bewußt, weil ihnen die Bleiwerte in Mitrovica bekannt sind. Die Bewohner hingegen werden über die ökologisch gesundheitsgefährdende Situation nicht unterrichtet. Zudem wird ihnen keinerlei soziale Perspektive angeboten.



Dokumentation

HELMAR DUMBS (Die Presse)

Der Bergbau-Komplex von Trepca machte den Norden Kosovos zum ökologischen Katastrophengebiet.

Wien/Kosovska Mitrovica. „Viele von uns haben erhöhte Bleiwerte“, erzählt Sonja, OSZE-Mitarbeiterin in Kosovska Mitrovica. Regelmäßig schicken die internationalen Organisationen ihre Leute zum medizinischen Check. Die meisten bleiben ohnehin nicht lange hier. Doch die Menschen im Kosovo müssen die Belastung ein Leben lang ertragen. Und die ungeschriebenen Regeln der „Internationalen“ – kein Leitungswasser, kein Gemüse aus der Umgebung – sind für sie nicht durchzuhalten.

Trepca, das war einst ein Synonym für das Potenzial des jugoslawischen Armenhauses Kosovo im Bergbau. Zu dem Komplex gehörten unter anderem Bergwerke, eine Bleischmelze und eine Batteriefabrik. Heute ist Trepca ein Synonym für nachhaltige Umweltverschmutzung. Schon in den 80er-Jahren hatte eine unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation WHO erstellte Studie vor den Giftstoffen gewarnt, die sich offenbar weitgehend ungehindert in Luft, Wasser und Boden ergossen.



Trotz Schließung gefährlich

Die Bleikonzentration in den lokalen Lebensmitteln überschritt die WHO-Grenzwerte um ein Mehrfaches, auch die Belastung durch Kadmium, Zink und Kupfer war deutlich zu hoch. Das Gemüse aus der Region war demnach als gesundheitsgefährdend einzustufen und nicht für den Verzehr geeignet. Doch die Belgrader Regierung hat sich um den Bericht nicht weiter gekümmert, die Dreckschleudern von Trepca vergifteten weiter die Umwelt. Bewohner von Mitrovica erinnern sich, dass es damals nahezu keine Vögel gab.

Obwohl die Menschen – statistisch belegt – gesundheitlich unter der Belastung zu leiden hatten, war das Wehklagen der serbischen Bevölkerung im Norden Kosovos groß, als die UN-Verwaltung die Bleischmelze im August 2000 zusperrte. Denn der Industrie-Komplex war der wirtschaftliche Lebensnerv und der wesentliche Arbeitgeber. Als im folgenden September ein Schwefelsäure-Tank auf dem Gelände der Batteriefabrik barst und im Wasser der Sitnica und des Ibar massenweise tote Fische schwammen, kam auch für diesen Teil das Aus.

Auch wenn die Maschinen der Bleischmelze seit sechs Jahren still stehen, kann heute keineswegs Entwarnung gegeben werden. Denn der feine Bleistaub wird nach wie vor vom Wind in der Umgebung verteilt und gelangt so in die Nahrungskette.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2007)