Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
17:30
24.05.2019
Kosova gilt als das ärmste Land in Europa. Eine Studie des Außenministeriums Luxemburgs kommt im Jahr 2006 zu folgender Schlußfolgerung: „Nach Schätzungen der Weltbank ist rund die Hälfte der Erwerbsbevölkerung arbeitslos, wobei ein Teil dieser Gruppe saisonalen und informellen Tätigkeiten nachgeht und etwa ein Drittel der Kosovaren ohne jede Erwerbsarbeit da steht. Etwa 37 % der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, die bei 1,42 EUR pro Tag liegt; und 16 % gelten sogar als extrem arm (WorldBank 2006b). Alle gegenwärtigen Indikatoren gehen von einer weiteren Verschlechterung der ökonomischen Lage aus.

Das Allheilmittel, soll gemäß der neoliberalen Theorie, in der kompletten Privatisierung der Ökonomie Kosovas liegen. Tatsache ist jedoch, dass der „ Privatisierungsprozess“, die Arbeitslosigkeit vergrößerte und die gesellschaftlich verfügbaren Mittel für soziale Maßnahmen drastisch reduzierte. Offen wird in der internationalen ökonomischen Debatte von dem kommendem „Billiglohnland Kosova“ gesprochen. Die Studie aus Luxemburg sagt dazu: „

Denkbar wäre auch die Entwicklung des Kosovo mit seinen zurzeit noch preiswerten Arbeitskräften zu einem den europäischen Märkten nahe gelegenen Billiglohnland, doch diese Perspektive taucht bisher nicht in der Debatte auf.“ Das Billiglohnland mit einhergehender Massenarbeitslosigkeit ist aber die reale Zukunft die der kapitalistische Weltmarkt Kosova bietet. Einige große Konzerne gieren nach dem Rohstoffreich tum Kosovas, diesen Reichtum wollen sie sich günstig unter den Nagel reißen wollen. Der Türöffener dazu ist die AKM ( Kosova-Treuhandagentur) Die bereits privatisierten Betriebe sind Brutstätten extremer Ausbeutung mit einem Durchschnittseinkommen von 80 Euro im Monat. Es gibt in diesen Betrieben keine festen Arbeitszeitregelungen und keinen Kündigungsschutz. Die Gesellschaft Kosovas wird sozial immer stärker polarisiert. Der Gegensatz zwischen der kleinen neureichen Schicht von örtlichen Kollaborateuren und den Massen stößt sofort ins Auge. Die internationalen Gestalten in der AKM ( Kosova Treuhandagentur) verscheuern den Reichtum des Landes ohne jegliche soziale Rücksicht. Diese Agentur bietet dem Volk nur eine perfide Abbart des Manchester-Kapitalismus unter kolonialen Bedingungen. Der Kampf um Unabhängigkeit und Freiheit muß daher auf das ENGSTE mit dem Kampf gegen Ausbeutung und die Doktrin des Neoliberalismus verbunden werden. Anbei einige Daten zur Ökonomie Kosovas aus der Luxemburger Studie. Die Auszüge zeigen wie reich Kosova eigentlich ist und wie negativ unter kolonialen Bedingungen mit dieser ökonomischen Basis umgegangen wird.



Dokumentation Auszüge
Studie im Auftrag des Außenministeriums Luxemburg 

 

Lebte Kosovo Mitte des 20. Jahrhunderts nochganz überwiegend von der Landwirtschaft, so

vollzog sich während seiner Zugehörigkeit zur Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien

eine allmähliche Industrialisierung mit Aufbaueines Bergbausektors. In den 1990er Jahren

führte der Unabhängigkeitskonflikt allerdings zu einem deutlichen Rückgang der wirtschaftlichen

Aktivitäten und einer weitgehenden Rückkehr zur Agrarökonomie. Ab 1999 verzeichnete der Kosovo erheblichen Mittelzufluss von Seiten der Exilgemeinden und vor allem durch die massiveAufbauhilfe und den Einkommenstransfer derinternationalen Gemeinschaft, vor allem von

UNMIK und KFOR. Allerdings führte das nur zu einem kurzfristigen Wirtschaftswachstum

um 21 % bis Ende 2001. Bereits 2002 und 2003 ging die Wirtschaftsleistung des Kosovo um 0,1

bzw. 0,5 % zurück (World Bank 2006, p. 3). Und erst 2004 zeigte sich erneut die Instabilität

der kosovarischen Ökonomie: Die für die politische und soziale Stabilität unerlässliche20%ige Steigerung der Löhne und Gehälter führte zu spürbaren fiskalen Engpässen und einem Haushaltsdefizit im Umfang von 5,4 %des PIB (ibid. S. 5).

Trotz einer gewissen Verbesserung der

Wirtschaftsaktivitäten und der formalen Beschäftigung sowie eines vermuteten Rückgangs der Armut bleibt der Aufbau eines funktionierenden

und tragfähigen Wirtschaftssystems unter den gegebenen Bedingungen eine Herkulesaufgabe. Bis- her beruhte die sichtbare Verbesserung der Infrastruktur in starkem Maße auf der Aufbau- und

Entwicklungshilfe der internationalen Gemeinschaft, allen voran der Europäischen Union und

ihrer Mitgliedsstaaten sowie der USA und der verschiedenen UN-Organisationen.

Wesentliche Triebfeder für die Wirtschaftsentwicklung waren Rücküberweisungen der

Auslandskosovaren und deren vorsichtige Investitionen, die allerdings in einem weit gehend

ungeregelten gesetzlichen Rahmen und unkoordiniert erfolgten. Nicht nur in Bezug auf legale

und weniger legale ökonomische Initiativen im Kosovo herrscht weit gehende Unwissenheit,

sondern auch über elementare Grundlagen für wirtschafts- und gesellschaftspolitische

Planungen. So verhinderten diverse Interessen bis heute eine Volkszählung in dem

vergleichsweise kleinen Gebiet, entsprechend fehlen verlässliche Einschätzungen über

Altersstruktur, Erwerbstätigkeit, Abhängigkeitsrate und Einkommensverhältnisse.

Quelle: PISGK/UNMIK 2006, p. 20.

Nach Schätzungen der Weltbank ist rund die Hälfte der Erwerbsbevölkerung arbeitslos, wobei

ein Teil dieser Gruppe saisonalen und informellen Tätigkeiten nachgeht und etwa ein Drittel

der Kosovaren ohne jede Erwerbsarbeit da steht. Etwa 37 % der Bevölkerung leben unter der

Armutsgrenze, die bei 1,42 EUR pro Tag liegt; und 16 % gelten sogar als extrem arm (World

Bank 2006b

1

, p. 5; World Bank 2006c, p. 17). Das Pro-Kopf-Einkommen im Kosovo lag

2003 bei 755 EUR und damit unter dem Niveau aller anderen Regionen auf dem Balkan.

18

18

Mit Ausnahme Moldaviens, das auf nur 364 EUR pro Kopf kam; das Pro-Kopf-Einkommen lag beispielsweise

in Bosnien und Herzegovina bei 1300, in Albanien bei 1470 und in Kroatien sogar bei 4.790 EUR (World Bank

2006c, p. 17).

Wie üblich entbehren derartige Schätzungen einer Analyse der Einkommensverteilung, die

nach Beobachtungen internationaler Experten schon heute sehr ungleich ist und eine Tendenz

zur Verschärfung der Ungleichheit aufweist. Die zunehmende Einkommensschere, die nicht

allein auf

das Stadt-Land-Gefälle und

den unterschiedlichen Zugriff auf

Auslandsüberweisungen, sondern auch auf die bestehenden politisch-ökonomischen

Machtstrukturen zurückzuführen ist, hat für die gesellschaftliche Entwicklung und

insbesondere für die künftige Struktur der Sozialsysteme große Bedeutung.

Die wirtschaftlichen Perspektiven des Kosovo beruhen in erster Linie auf umfangreichen

Bodenschätzen, wobei in der aktuellen Strategieplanung vor allem Braunkohle als fossiler

Rohstoff für die Stromerzeugung eine wichtige Rolle zukommt. Zusätzlich besitzt Kosovo

auch Nickel- und andere Metallvorkommen, die sich zum Abbau, Export und ggf. zur

Weiterverarbeitung eignen. Ob dies für ein nachhaltiges und konsolidiertes

Wirtschaftswachstum ausreicht, erscheint allerdings zumindest zweifelhaft. Denkbar wäre auch die Entwicklung des Kosovo mit seinen zurzeit noch

preiswerten Arbeitskräften zu einem den europäischen Märkten nahe gelegenen

Billiglohnland, doch diese Perspektive taucht bisher nicht in der Debatte auf. Auf jeden Fall

ist davon auszugehen, dass der Kosovo noch lange Jahre am Tropf der EU hängen und für

sicheren, zeitstabilen Mittelabfluss aus dem Haushalt der Gemeinschaft sorgen wird.

Wie üblich entbehren derartige Schätzungen einer Analyse der Einkommensverteilung, die

nach Beobachtungen internationaler Experten schon heute sehr ungleich ist und eine Tendenz

zur Verschärfung der Ungleichheit aufweist. Die zunehmende Einkommensschere, die nicht

allein auf

das Stadt-Land-Gefälle und

den unterschiedlichen Zugriff auf

Auslandsüberweisungen, sondern auch auf die bestehenden politisch-ökonomischen

Machtstrukturen zurückzuführen ist, hat für die gesellschaftliche Entwicklung und

insbesondere für die künftige Struktur der Sozialsysteme große Bedeutung.

Die wirtschaftlichen Perspektiven des Kosovo beruhen in erster Linie auf umfangreichen

Bodenschätzen, wobei in der aktuellen Strategieplanung vor allem Braunkohle als fossiler

Rohstoff für die Stromerzeugung eine wichtige Rolle zukommt. Zusätzlich besitzt Kosovo

auch Nickel- und andere Metallvorkommen, die sich zum Abbau, Export und ggf. zur

Weiterverarbeitung eignen. Ob dies für ein nachhaltiges und konsolidiertes

Wirtschaftswachstum ausreicht, erscheint allerdings zumindest zweifelhaft.

Bisher setzen ein-heimische und internationaleWirtschaftsexperten ein-schließlich der Weltbank vornehmlich auf Boden-

schätze, fossile Stromerzeugung für den regionalen Markt und Wiederbelebung der

Landwirtschaft. Denkbar wäre auch die Entwicklung des Kosovo mit seinen zurzeit noch

preiswerten Arbeitskräften zu einem den europäischen Märkten nahe gelegenen

Billiglohnland, doch diese Perspektive taucht bisher nicht in der Debatte auf. Auf jeden Fall

ist davon auszugehen, dass der Kosovo noch lange Jahre am Tropf der EU hängen und für

sicheren, zeitstabilen Mittelabfluss aus dem Haushalt der Gemeinschaft sorgen wird.