Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
18:55
19.11.2018
In einem längerem Interview äußerte sich der „ Ministerpräsident“ Kosovas Agim Ceku zu den neuen „Verhandlungen“. Interessant ist wie Ceku die Lage in Kosova beschreibt. Ceku erklärte: „ Die Sicherheit hier wird erfolgreich von unserer eigenen Polizei garantiert, zusammen mit der UN-Polizei und der Kfor.“ Diese Behauptung hält keinerlei Überprüfung stand.

Am 10. Februar wütete der nackte Polizeiterror in Kosova. Zwei Patrioten wurden erschossen und das freie Wort gilt nichts in Kosova. Jegliche politisch oppositionelle Haltung wird kriminalisiert. In dem Interview mit „Welt-Online“ setzt Ceku weiter billige Hoffnungen in große imperiale Staaten, statt von einem Referendum der Bevölkerung, als demokratischem Willensakt auszugehen. Ein verantwortlicher Politiker würde formulieren: „In Kosova wird es ein Referendum geben welches die internationale Staatengemeinschaft als demokratischen Akt zu akzeptieren hat.“ Letzteres ist allerdings von Ceku nicht zu hören und so verbleiben die einzelnen richtige Teile in seinen Ausführungen, nur als verbale Kraftmeiereien.



Dokumentation



Ceku- „Jegliches Ansinnen um Kosovo zu teilen wäre Betrug am multiethnischen Prinzip"

Agim Ceku, ehemaliger UCK-Kommandeur und seit März 2006 Premierminister des Kosovo, sagt im Interview mit WELT ONLINE, warum er die Unabhängigkeit als einzige Lösung für das Kosovo ansieht und welche Rolle die Vereinten Nationen dabei spielen.

WELT ONLINE: Gibt es irgendeine Chance, dass die Kosovo-Troika in der bis Anfang Dezember gesetzten Frist eine Einigung zwischen Serben und Albanern erreicht?

addLoadEvent(function() {showTab("links","intern")}); Agim Ceku: Manche Leute stellen die falschen Fragen. Es ist doch ganz klar, dass Belgrads Politiker niemals öffentlich die Realität und Unvermeidbarkeit einer Unabhängigkeit des Kosovo zugeben können. Darum macht es auch keinen Sinn, darüber mit ihnen zu diskutieren. Aber es gibt einige sehr wichtige Punkte – etwa den der noch immer vermissten Personen, der Flüchtlingsrückkehr, Besitzfragen, vertrauensbildende Maßnahmen. Da wollen wir Fortschritte machen und eine reife, funktionierende Beziehung mit Serbien als sein souveräner Nachbar aufbauen.

WELT ONLINE: Die internationale Gemeinschaft hat seit dem Krieg eine Teilung des Kosovo immer kategorisch ausgeschlossen. Nun schließt aber selbst Wolfgang Ischinger, Kopf der Kosovo-Troika, diese Option nicht mehr aus. Fühlen Sie sich betrogen?

Ceku: Herr Ischinger hat gesagt, er sei allem gegenüber offen, auf das sich die Konfliktparteien einigen können. Unsere Seite hat immer klargemacht, dass wir eine Teilung nicht akzeptieren. Also gibt es darauf auch keine Einigung. Ich hoffe, dass die Leute, die eine Teilung jetzt vorschlagen, begreifen, welche Folgen eine solche haben könnte – welche Folgen allein schon die Diskussion darüber haben könnte¿

WELT ONLINE: Welche Folgen hätte eine Teilung denn?

Ceku: Es wäre ein Betrug an den multiethnischen Prinzipien, für die wir und die internationale Gemeinschaft so hart gearbeitet haben. Und es könnte leider auch andere Leute dazu ermutigen, Grenzen entlang ethnischer Linien zu ziehen. Zudem würde eine Teilung nicht einmal das erfüllen, was Belgrad will, denn die meisten Serben leben über das ganze Kosovo verteilt und nicht nur im Norden, an der Grenze zu Serbien.

WELT ONLINE: Belgrad sagt aber, dass die Serben im Kosovo nach wie vor nicht sicher leben könnten.

Ceku: Das ist einfach nicht wahr. Genau diese Propaganda ist ja der Grund, warum serbische Flüchtlinge nicht zurückkehren und sich die Serben im Kosovo überhaupt unsicher fühlen. Der zweite Grund ist Belgrads ständige Einmischung in die Politik der Serben im Kosovo, sie daran zu hindern, sich mit der Regierung in Pristina zu verständigen. Kriminalitätsstatistiken zeigen, dass Serben im Kosovo genauso oft Täter oder Opfer sind wie andere Teile der Bevölkerung. Auch was die sozialen oder wirtschaftlichen Schwierigkeiten angeht, ist das gleich verteilt. Mit den UN haben wir uns auf ein einzigartiges Paket geeinigt, das den Minderheiten den Schutz ihrer Rechte und ihre Präsenz in öffentlichen Institutionen garantiert.

WELT ONLINE: Wie ernst ist Ihre Drohung, einseitig die Unabhängigkeit zu erklären?

Ceku: Unser Ziel ist die Unabhängigkeit im Einklang mit der internationalen Gemeinschaft. Wir haben kein Interesse an unilateralem Vorgehen. Wir sind zusammen mit der internationalen Gemeinschaft sehr weit gekommen, und wir werden den Job zu Ende machen. Wir wissen noch nicht genau, wie. Aber wir haben klargemacht, dass die 120-Tage-Frist die letzte Verschiebung ist. Wir sind nicht aggressiv, aber realistisch. Es gibt danach einfach keine weiteren Optionen. Wir hoffen, dass, nachdem am 10. Dezember dem UN-Sicherheitsrat der neue Report zugestellt worden ist, Konsens herrscht, damit wir mit internationaler Unterstützung unsere Unabhängigkeit erklären können. Wenn dieser Konsens in eine UN-Resolution mündet, umso besser.

WELT ONLINE: Es ginge also auch ohne UN-Resolution? Bei der US-Regierung wächst die Ungeduld. Washington könnte also auch eine Statuslösung außerhalb der UN suchen?

Ceku: Unsere amerikanischen Partner wollen wie wir eine Einigung mit der internationalen Gemeinschaft finden. Aber sie erkennen wie wir an, dass es nutzlos und gefährlich ist, die Statuslösung – die so viele internationale Schlüsselpartner bereits unterstützen – zur Geisel leerer Zerstörungswut zu machen. Ob die Unabhängigkeit nun am Ende mit einer UN-Resolution kommt oder nicht, ich bin sicher, dass die Unabhängigkeit durch einen fairen und legitimen Prozess kommt, der auf einem breiten Konsens der internationalen Gemeinschaft beruht, dem auch die EU zustimmt.

WELT ONLINE: Auch im Kosovo wächst die Ungeduld. Wie kann Pristina einen potenziellen Gewaltausbruch verhindern?

Ceku: Natürlich sind wir ungeduldig. Wir haben mehrfach Verzögerungen akzeptiert, die die wirtschaftliche und soziale Stagnation nur noch verstärkt und überhaupt kein Ergebnis gebracht haben. Aber ich mache mir keine Sorgen wegen möglicher Gewalt. Die Kosovaren wissen, dass es dafür keine Rechtfertigung gäbe. Die Sicherheit hier wird erfolgreich von unserer eigenen Polizei garantiert, zusammen mit der UN-Polizei und der Kfor. Zugegeben besteht aber das Gefühl, dass die Zeit drängt. Als die Russen vor ein paar Wochen den UN-Prozess blockiert haben, ist ein Momentum zerstört worden und auch das bisher kohärente internationale Vorgehen. Wir können und dürfen aber nicht in den Schwebezustand, in die Stagnation zurück! Es würde das Kosovo zerstören, die ganze Region für die nächste Generation.