Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
15:40
21.03.2019
Am 22. November fand in Berlin eine Veranstaltung zum Selbstbestimmungsrecht Kosovas statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand insbesondere die Haltung der bundesdeutschen Linken zu diesem Thema. Der Herausgeber von „Kosova-Aktuell“ Max Brym verteidigte dabei das „nationale Selbstbestimmungsrecht bis hin zur staatlichen Lostrennung“. Herr Brym sagte dass es keine linke Haltung sei „ Völkern ihre staatliche Zugehörigkeit zu diktieren“. Die selbe Haltung hatte der Vertreter der AG-Marxismus. Völlig entgegengesetzt argumentierte Rüdiger Göbel, Redakteur der „ Jungen Welt“:


Göbel trat mit Parolen auf wie sie normalerweise die serbischen Rechten gegen das „Selbstbestimmungsrecht Kosovas vorbringen. Der Vertreter der „Partei für Soziale Gleichheit“ Peter Schwarz, unterstellte Max Brym und der SAV ( Herr Brym ist Mitglied der SAV) sowie der AGM „nationalistische Positionen zu vertreten“. Da die Debatte auf reges Interesse stieß liefern wir eine historische Dokumentation nach, die sich mit der nationalen Frage in Jugoslawien im Jahr 1924 befasst. Der 5. Weltkongress der „Kommunistischen Internationale“ erklärte im Juni 1924 zur -Albanischen Frage-

„In Bezug auf Albanien, wegen dessen Aufteilung und Eroberung sich ein Wettkampf zwischen Italien, Jugoslawien und Griechenland abspielt, ist es notwendig, den Unabhängigkeitskampf der albanischen Bevölkerung mit allen Mitteln zu unterstützen.“

Wer den Auszug aus aus dem Protokoll des 5. Weltkongresses der Komintern aufmerksam liest wird erkennen wie weit sich einige bundesdeutsche „Linke“ von ihren methodischen Grundlagen entfernt haben. Der Abdruck der Jugoslawien-Resolution aus dem Jahr 1924 verfolgt nicht die Absicht die Resolution zeitlos heilig zu sprechen. Dennoch sollte wirklich linke Politik auf den Prinzipien Lenins zum nationalem Selbstbestimmungsrecht aufbauen und wichtige Dokumente wie die Resolution aus dem Jahr 1924 nicht der nagenden Kritik der Mäuse überlassen.



Dokumentation Beschluß der 5. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale zu Jugoslawien

Resolutionen zu den nationalen Fragen in Mitteleuropa und auf dem Balkan.
Inprekorr 1924, S. 1775-1778



III.
Jugoslawische Frage:

1. Jugoslawien ist ein Staat mit vielen Nationalitäten. Die serbische Bourgeoisie, die ihre Hegemonie errichtet hat, vertritt ein Volk, das bloß 39% der Gesamtbevölkerung Jugoslawiens bildet. Die übrigen Völker, die insgesamt die gewaltige Mehrheit der Bevölkerung darstellen, leiden mehr oder minder unter nationalem Druck, und es wird gegen sie eine Entnationalisierungspolitik betrieben.

2. die Serben, Kroaten und Slowenen sind drei verschiedene Völker. Die Theorie über das einheitliche, drei Namen tragende Volk der Serbo-Kroaten und Slowenen ist bloß eine Maske des serbischen Imperialismus.

3. Die Aufgabe der KPJ. ist, einen entschiedenen Kampf gegen die nationale Unterdrückung in allen ihren Formen und für die Selbstbestimmung der Völker zu führen, um die nationalen Befreiungsbewegungen zu fördern, unter dem ständigen Streben, diese Bewegungen dem Einflusse der Bourgeoisie zu entreißen und sie mit dem allgemeinen Kampf der schaffenden Massen gegen Bourgeoisie und Kapitalismus zu verquicken.

4. Die nationale Frage in Jugoslawien ist keine Verfassungsfrage und kann daher mit der Frage einer Revision der Vidovdan-Verfassung nicht identifiziert werden. Sie ist erstens eine Frage des Kampfes der national unterdrückten Bevölkerung für ihr nationales Selbstbestimmungsrecht und zweitens eine Frage des revolutionären Kampfes der schaffenden Massen in ganz Jugoslawien.

5. Der Kampf gegen die nationale Unterdrückung, für das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das Recht auf Lostrennung inbegriffen, und für die Arbeiter- und Bauernmacht muß mit dem allgemeinen Kampfe gegen die gewalttätige serbische Bourgeoisie gegen den Monarchismus und gegen die Vidovdan-Verfassung verknüpft werden.

6. Wiewohl die nationale Frage durch eine Revision der Verfassung nicht gelöst werden kann, muß die KPJ trotzdem aktiven Anteil am Kampfe für die Revision der Verfassung nehmen, um das gegenwärtige gewalttätige Regime der serbischen Bourgeoisie zu stürzen und möglichst große Garantien, politische und Freiheitsrechte für die schaffenden Massen der unterdrückten Nationalitäten zu erkämpfen, unter dem ständigen Streben, die schaffenden Massen im Kampfe für die Errichtung der Arbeiter-und Bauernmacht zusammenzufassen und den Massen klarzumachen, daß nur die Arbeiter- und Bauernmacht die nationale Frage endgültig lösen kann.

7. Da es in Jugoslawien eine Massenbewegung gegen die nationale Unterdrückung in allen ihren Formen, eine Massenbewegung für das Selbstbestimmungsrecht gibt, trägt die nationale Frage dort ein aktuelles und scharfes Gepräge und berührt unmittelbar die Interessen der schaffenden Massen.

Infolgedessen muß die von der KPJ herausgegebene allgemeine Losung bezüglich des Selbstbestimmungsrechtes in der Form der Forderung nach einer Lostrennung Kroatiens, Slawoniens und Mazedoniens vom Staatskörper Jugoslawiens und nach der Bildung unabhängiger Republiken aus demselben zum Ausdruck gebracht werden.

In Bezug auf die kroatische und slowenische Bevölkerung des durch Italien okkupierten Gebietes muß die KP. Italiens im Kontakt mit der jugoslawischen Bruderpartei eine Propaganda und Agitation im Geiste der obrigen Losungen entfalten.

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X.

Albanische Frage

In Bezug auf Albanien, wegen dessen Aufteilung und Eroberung sich ein Wettkampf zwischen Italien, Jugoslawien und Griechenland abspielt, ist es notwendig, den Unabhängigkeitskampf der albanischen Bevölkerung mit allen Mitteln zu unterstützen.