Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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19.07.2019
Auszüge aus einem Interview von Koha Ditore mit Fatmir Humolli ( LKCK ), Vositzender der LKCK sowie Anmerkungen zur Lage in Kosova.

Die LKCK ( Nationale Bewegung für die Befreiung Kosovas) wurde 1993 in Kosova gegründet. Die LKCK ging aus der LPK (Volksbewegung Kosovas) hervor. Ursprünglich wollte die LKCK an der politischen Linie von Enver Hoxha festhalten. Enver Hoxha war bis zu seinem Tod im Jahr 1985 Generalsekretär der „Partei der Arbeit Albaniens“. Danach hat die LKCK ihre Linie weiterentwickelt. Heute gilt die LKCK als „linksnationale Kraft“ die im scharfen Widerspruch zur UNMIK steht.

Einige politische Organisationen und internationale Institutionen versuchen der LKCK die Verantwortung für die dramatischen Ereignisse in Kosova am 17. und 18. März in die Schuhe zu schieben. Dagegen verwehrte sich der Vorsitzende der LKCK Fatmir Humolli in einem Gespräch mit der Tageszeitung „Koha Ditore“ am 26 März. Es ist sinnvoll Auszüge dieses Gespräches dem deutschen Publikum zu übermitteln. Denn Kenntnisse über Kosova sind nötig, steht doch die KFOR momentan unter deutschem Kommando, zudem hat das deutsche Militär einen eigenen militärischen Sektor in Kosova mit Sitz in Prizeren. Kürzlich wurde das deutsche Truppenkontingent um 600 Mann erhöht, ohne dass die deutsche Öffentlichkeit dagegen protestierte.


Interview mit Fatmir Humolli (Auszüge - Koha Ditore 26.März 04)

Koha Ditore KD: Auch die LKCK wird beschuldigt die Proteste und Ausschreitungen am 17/18 März organisiert zu haben. Ist das wahr?

Humolli: Die Proteste waren spontan und wurden von keiner politischen Organisation gesteuert. Die Situation ist entstanden nach dem Mord an den Kindern, die sich auf die „falsche Seite“ des Flusses Iber in Mitrovica begaben, um zu spielen. Wir haben uns bemüht, die Proteste gegen die UNMIK und KFOR zu lenken.

KD: Sie haben gesagt die Aktionen waren spontan, haben Teile der LKCK an ihnen teilgenommen ?

Humolli: Auch die Mitglieder der LKCK sind Teil unseres Volkes auch Teile der Mitglieder der LKCK waren nicht immun gegen bestimmte negative Erscheinungen. Die Proteste waren spontan ohne klare politische Zielrichtung. Einige Erscheinungen waren negativer Art.

KD: In welche Richtung möchten Sie den Proteste entwickeln ?

Humolli: Wir haben politische Aufgaben und politische Ziele. Wir kämpfen nicht gegen einfache Menschen anderer Nationalitäten.

KD: Wie schätzen Sie die Angriffe gegen Angehörige der serbischen Minderheit in Cagllavice, Fushe-Kosova und an anderen Orten ein ?

Humolli: Nach unserer Einschätzung hat die UNMIK ein Interesse daran, dass es einen fortgesetzten Konflikt zwischen den Albanern und Serben gibt. Dadurch versucht die UNMIK ihre Herrschaft über Kosova zu garantieren und zu rechtfertigen. Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben: Tagelang tolerierte die KFOR eine Straßenblockade durch 30 Serben auf dem wichtigsten Verbindungsweg unseres Landes. Angeblich waren sie nicht in der Lage die Blockade aufzulösen. Aber die UNMIK ist jederzeit dazu imstande eine große albanische Kundgebung aufzulösen. Das Ganze ist eine Provokation in der Erwartung, dass albanische Menschen sich hinreißen lassen.

KD: Meinen Sie dass die Angriffe gegen die serbische Minderheit den albanischen Anliegen geschadet haben?

Humolli: In der momentanen Situation wird jeder Protest ob friedlich oder gewaltsam für eigene politische Absichten ausgeschlachtet. Die UNMIK wird jede Aktion gegen uns wenden, denn die UNMIK vertritt politisch den serbischen Staat in Kosova.

KD: Sie meinen die Strategie der UNMIK und der KFOR besteht darin Albaner und Serben in einem latenten individuellen Konflikt zu halten ?

Humolli: Genau das ist es.

KD: Nochmals zu den Ereignissen in welche Richtung müssen Proteste ablaufen.

Humolli: Die Proteste müssen sich stärker gegen die UNMIK und die KFOR richten

KD: Wie bewerten Sie grundsätzlich die Rolle der UNMIK ?

Humolli: Die UNMIK ist eine Okkupationsmacht und sie vertritt bei all ihren inneren Differenzen die Interessen der serbischen Staatsmacht in Kosova.

KD: Welchen Status haben für Sie die Truppen der KFOR ?

Humolli: Die KFOR spielt die Rolle der alten jugoslawischen Armee. Es sind koloniale Besatzertruppen.

KD: Was sagen Sie zum fünften Jahrestag der NATO Aktion gegen Jugoslawien ?

Humolli: Ich habe niemals geglaubt dass die NATO gegen Jugoslawien militärisch vorgeht, um dem Volk von Kosova zu helfen. Sie haben mit ihrer damaligen Intervention nicht die ethnischen Säuberungen gegen unser Volk verhindert. Im Gegenteil, wenn sie uns helfen wollten, dann hätten sie unseren Kämpfern Waffen geben sollen, was nicht geschehen ist. Die ethnischen Säuberungen die 1999 stattfanden waren der NATO seit 1996 bekannt. In diesem Jahr wurde öffentlich von Herrn Gligorovci verkündet: „ Wenn es einen Krieg geben sollte wird eine Million Albaner vertrieben“. Die NATO vertrat immer ihre eigenen Interessen. Dabei werden auch die Interessen des serbischen Staates berücksichtigt. In der UN Resolution 1244 steht dass „Kosova ein Teil Serbiens ist“. Diese Festlegung steht im Widerspruch zum Willen der Bevölkerung und ist gegen das Selbstbestimmungsrecht gerichtet.

KD: Gefällt es Ihnen wenn Ihre Gruppierung extrem genannt wird ?

Humolli: Extrem sind die Probleme die existieren. Wir sind gegen einen Krieg in Kosova aber andere treten für gewaltsame Lösungen ein. Wir riskieren mit unseren Erklärungen und Aktivitäten Gefängnis und Tod. Wir erhalten jeden Tag Drohungen von der KFOR und von anderen politischen Kräften. Uns droht obwohl wir im Parlament vertreten sind die Illegalität.

KD: Fürchten Sie die Illegalität ?

Humolli: Nein nicht im geringsten, wir haben gelernt illegal zu arbeiten. Natürlich würden wir lieber offen und demokratisch weiterarbeiten. Ob es uns ermöglicht wird wird die Zukunft zeigen. Die Ursache für die Probleme die man uns macht ist, dass wir einen eigenen politischen Kopf haben. Wir betrachten die UNMIK nicht einfach als eine Instanz der wir uns unterordnen, sondern wir würden mit der UNMIK am liebsten über ihren Abzug reden. Das unterscheidet uns von anderen Kräften in Kosova.

KH: Hat in einem Kosova dass Sie wünschen die serbische Minderheit Platz.

Humolli: Die Serben sind Bewohner Kosovas, wir haben nicht gegen sie, sondern gegen die serbische Staatsmacht gekämpft. Für mich ist es sehr wichtig, dass jeder Bewohner Kosovas ohne Repression leben kann. Die Sicherheit aller Bewohner Kosovas kann in Kosova nur von örtlichen Organen gewährleistet werden. Während des Krieges gab es keine Übergriffe gegen serbische Zivilisten in den Regionen die wir beherrschten.


Anmerkungen

Das Gespräch mit Fatmir Humolli dient der Information. Er spricht einige wichtige Fragen an, vor allem die Frage wer die Zukunft Kosovas gestalten kann. Nach Hummoli kann die realen Probleme nur die Bevölkerung in Kosova selbst lösen. Die UNMIK hat in jeder Hinsicht versagt, sie bietet weder eine politische noch ökonomische Perspektive. Die UNMIK Herrschaft beruht auf Arroganz und militärischer Macht. Zustimmung in der Bevölkerung hat sie kaum.

Die Bevölkerung in Kosova ist laut OSZE die ärmste in Europa und sie hat keinerlei Befugnisse. Die gewaltsamen Aktionen gegen serbische Zivilisten und Kirchen wurden von der KFOR toleriert. Gleichzeitig toleriert die UNMIK serbische Paralellstrukturen vor allem im ökonomisch reichen Norden Kosovas. Immer deutlicher wird, dass die UNMIK mit der Methode „teile und herrsche“ sowohl ihre eigenen Interessen als auch die Interessen des serbischen Staates bedient. In Kosova gibt es eine „ Regierung“ ohne Justiz und Polizeigewalt. Dennoch gibt die UNMIK der Bevölkerung Kosovas und der albanischen Parteienlandschaft die Schuld für die dramatischen und zum Teil barbarischen Aktionen vom 17. bis 18. März. Das ist irrational, der Dieb (die UNMIK) schreit "haltet den Dieb!".

Quellen: Koha Ditore 26.3.04 und http://www.a-i-z.net/maxbrym