Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
13:39
13.11.2019
Keinem normalen Menschen fällt es im Jahr 2005 ein, die Unabhängigkeit Algeriens in Frage zu stellen. Wenn dagegen ein internationaler Spitzendiplomat aktuell zu Kosova befragt wird, verneint er vehement das Selbstbestimmungsrecht Kosovas. Mächtige Staaten sind in bestimmter Konkurrenz zueinander angetreten, um in unterschiedlicher Form, den Willen der Menschen in Kosova zu ignorieren. Der deutsche Philosoph Hegel bemerkt an einer Stelle, „dass sich Geschichte sozusagen zweimal wiederholt“. Von Karl Marx gibt es das Zitat," dass sich Geschichte einmal als Tragödie und das andere Mal als Farce“ abspielt.

In der Reihe Geschichte bietet die Redaktion von Kosova-Aktuell ihren Lesern den kompletten Text des Wiener jüdischen Schriftstellers Leo Freundlich zu Kosova, aus dem Jahr 1913 an. Leo Freundlich beschrieb 1913 eindringlich die serbischen Massacker an den Albanern, in den beiden Balkankriegen. Wer über die damaligen Verbrechen des serbischen Chauvinismus noch mehr erfahren will, dem empfehlen wir zusätzlich das Buch von Leo Trotzki „ Die Balkankriege“. Das Werk erschien vor einigen Jahren im Verlag „Arbeiterpresse“ und ist im Buchhandel erhältlich. Das Werk von Leo Trotzki schildert mehr noch als das Buch von Leo Freundlich, die ökonomischen und politischen Hintergründe der damaligen Ereignisse. Beide Schriften sind hochaktuell.

Kosova-Aktuell publiziert zum Zerfall Jugoslawiens und zur chauvinistischen Unterdrückung der Albaner durch den serbischen Nationalismus einige Artikel aus „ZERI I POPULLIT“, dem ehemaligen Organ der Partei der Arbeit Albaniens. Die Artikel sind historische Dokumente, die Veröffentlichung dieser Dokumente signalisiert keineswegs „enveristische“ Neigungen in der Redaktion von Kosova-Aktuell. Allerdings haben die publizierten Artikel den Vorteil dem deutschen Lesepublikum die Geschichte Kosovas nahezubringen. Gerade in dieser Frage herrscht bei weiten Teilen der aktuellen deutschen „Linken“ die allergrößte Verwirrung. Aus Unkenntnis über die Geschichte der Region oder durch das Abgleiten in esoterische Verdrängungstheorien, wird in Übereinstimmung mit den imperialen Mächten das Selbstbestimmungsrecht Kosovas abgelehnt. Die abgedruckten Artikel haben den Vorteil, die Debatte zu versachlichen und dem geneigtem Leser historische Fakten an die Hand zu geben.

Zwischen allen Stühlen befindet sich gegenwärtig der deutsche UNMIK Protektoratsleiter Michael Steiner. Seine von ihm ins Leben gerufene Kosova-Treuhand-Agentur stößt auf breiten Widerstand sämtlicher nationaler Gruppen in Kosova. Die vom Erfinder Jürgen Voss geschaffene (KTA) Treuhand-Agentur hat die Aufgabe, die Wirtschaft in Kosova zu privatisieren. Der bereits als Reformberater in Moskau und Kiew tätige Voss versucht nun in der ökonomischen Ruine Kosova herumzufuhrwerken. Die Privatisierung ist nach Steiner notwendig, da "über die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung des Kosovo ohne Job ist". Nach Steiner könne "der Rückgang der Hilfe aus dem Ausland nur durch Investitionen wettgemacht werden".

In Kosova gab es in den letzten Wochen und Monaten unzählige gewerkschaftlich organisierte Arbeiterproteste. Im Mittelpunkt stand der Widerstand gegen eine Einkommenssteuer, die der UNMIK-Protektoratsleiter Steiner vorschlug. Nach diesem Vorschlag sollte ein Einkommenssteuersatz von 20 Prozent erhoben werden. Das durchschnittliche Einkommen in Kosova liegt bei 135 Euro im Monat. Die Preise in Prishtina lassen sich mit den Preisen in Deutschland vergleichen.

Gegen einen hohen Ex-Mitarbeiter (36) der UN-Verwaltung im Kosovo, einen Essener, hat die Bochumer Staatsanwaltschaft Anklage erhoben, wegen Veruntreuung von EU-Hilfsgeldern in Höhe von fast 4,2 Millionen US-Dollar. Der 36-jährige war in Kosova mit der Aufsicht über den Energieversorger des Kosovo ( KEK ) beauftragt. Laut Anklage soll der Essener insgesamt 4,3 MIO Dollar auf versteckte Konten nach Gibraltar geschafft haben und dort das Geld in einen Pensionsfond angelegt haben. Die Erlöse stammten aus Stromgeschäften auf dem Balkan. Das Basislager für die illegalen Geschäfte war Kosova.

In Kosova/Kosovo gibt es momentan eine Streikwelle. Seit Tagen streiken die Lehrkräfte im öffentlichen Dienst, für mehr Gehalt und Personal. Ihr Durchschnittsverdienst liegt bei 135 Euro im Monat. Die Preise sind zu 80% mit den Preisen in Deutschland vergleichbar. Viele Streiks gibt es gegen die angelaufene Privatisierungswelle in Kosova. Unter Leitung der UNMIK, werden gegenwärtig viele Betriebe mit einigen hundert Beschäftigten privatisiert. Meist wird dabei Personal abgebaut und den Entlassenen keinerlei Abfindung bezahlt. Dies stößt auf den Widerstand der Arbeiter. In Prishtina haben die Arbeiter eine Montagefabrik besetzt.