Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
03:39
22.05.2019
Der Begriff Balkankonflikt bezeichnet das großenteils gewaltsame Zerbrechen des Staates Jugoslawien in den 1990er Jahren. Verursacht wurde er unter anderem durch die schweren ökonomischen Probleme, denen sich das Land in den 1980er Jahren ausgesetzt sah, verbunden mit einer nationalistischen Politik und Propaganda, die vor allem von der damaligen serbischen Macht-Elite, aber auch von Politikern anderer Teilrepubliken ausging. Eine wesentliche Ursache des Streits zwischen den Republiken lag in der Verteilung der finanziellen Mittel zwischen den Teilrepubliken (ähnlich dem deutschen Länderfinanzausgleich).

Angesichts der auf Grund der Hyperinflation immer geringeren zur Verfügung stehenden Mittel beanspruchten Kroatien und Slowenien als die reichsten Republiken größere Teile der bei ihnen erwirtschafteten Mittel für sich, während die ärmeren Republiken Serbien und Mazedonien einen höheren Anteil als Ausgleich für die schlechte Wirtschaftslage für sich verlangten. Dieser Konflikt konnte, auch aufgrund eines nicht klar etablierten Regierungssystems nach Titos Tod 1980 nicht politisch gelöst werden.

In dieser bereits aufgeheizten Atmosphäre veröffentlichte 1986 die Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste das Sanu-Memorandum, in dem das politische System Jugoslawiens angegriffen wird und von einer systematischen Benachteiligung des serbischen Volkes die Rede ist. Es ging soweit, von einem Genozid an den Serben im Kosovo zu schreiben. Dieses Memorandum war eine der Initialzündungen für einen immer stärker aufkommenden Nationalismus innerhalb der serbischen Volksgruppe, aber auch der anderen. Besonders durch die Politik von Slobodan Milošević, der seit 1984 Leiter der Belgrader Regionalgruppe und seit September 1987 Parteisekretär des Bundes der Kommunisten Serbiens war, wurden diese nationalistischen Spannungen verschärft. Einen weiteren Auftrieb erhielten diese, als 1989 unter Miloševics Anleitung und mit dem Ziel seiner Machterweiterung durch eine Änderung der serbischen Verfassung die seit 1974 bestehende Autonomie des Kosovo und der Vojvodina aufgehoben wurde.

Im Sog der politischen Umwälzungen in den anderen sozialistischen Staaten Osteuropas 1989/90 bildeten sich auch in Jugoslawien neue Parteien, und es kam 1990 zu ersten freien Wahlen in einigen Republiken, die mehrheitlich von nationalistisch agierenden Parteien gewonnen wurden. Daraufhin proklamierten am 25. Juni 1991 zunächst Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit, was von Teilen der jugoslawischen Führung als Verfassungsbruch angesehen wurde. Dies war aufgrund unklarer Formulierungen in der Verfassung von 1974 möglich, in der zwar das Selbstbestimmungsrecht der Völker Jugoslawiens festgeschrieben war, aber Modalitäten für einen Austritt der einzelnen Republiken aus der Föderation nicht einmal in Erwägung gezogen worden waren. Die Belgrader Führung versuchte unter maßgeblichem Einfluss von Milošević, die Unabhängigkeit mit Hilfe der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) zu verhindern. So kam es im Juni 1991 in Slowenien zu ersten Kämpfen zwischen der jugoslawischen Armee und den slowenischen Streitkräften. Die woanders in Jugoslawien ebenso vorhandene Konflikte entwickelten sich zum offenen Krieg. Insbesondere in den Republiken mit nicht ethnisch weitgehend homogener Bevölkerung (Bosnien-Herzegowina, Kroatien) wurden die Kämpfe hart und lang andauernd geführt. So forderte dieser Balkankrieg etwa 250.000 Todesopfer. Es kam zu Massenfluchten und Vertreibungen, Vernichtungen und Zerstörungen.

Da die Bundesarmee von Serben dominiert war und der serbischen Führung unter Slobodan Milošević nahestand, mussten die Republiken Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina eigene Armeen aus Polizei und Territorialverteidigung improvisieren. Bei der Territorialverteidigung handelte es sich um eine parallel zur Armee existierende Institution, welche mit einer der Feuerwehr ähnlichen Organisationsform im Falle eines Angriffes schnell und unbürokratisch die Verteidigung bis zum Eintreffen der Armee organisieren sollte und dem Befehl der Gemeindeverwaltung unterstand. Die Waffen der kroatischen Territorialverteidigung wurden bereits im Mai 1990 von der JNA beschlagnahmt, die der bosniakischen wenig später. Lediglich die Polizei behielt ihre leichte Bewaffnung. Das kroatische Militär wurde seit 1990 jedoch erfolgreich schrittweise verstärkt und aufgerüstet. Die westlichen Staaten waren im Jahr 1991 noch fest entschlossen Jugoslawien als Staat zu erhalten.

Kriegsopfer

Obwohl zu den Zahlen der Kriegsopfer unterschiedliche Angaben existieren (so wird die Zahl der Opfer in Bosnien und Herzegowina mit 150.000 bis 250.000 angegeben) und diese mitunter auch interessengeleitet sind, lässt sich mit einiger Gewissheit schätzen, dass die Kämpfe beim Zerfall Jugoslawiens etwa 350.000 Menschen das Leben kosteten und mehr als 3,5 Millionen Menschen zur Flucht zwangen.

Folgende offizielle Zahlen der Republiken zu den Kriegsopfern sind bekannt:

Bosnien und Herzegowina: 242.330 Tote, 175.286 Verwundete, 36.470 Vermisste, ca. 40.000 vergewaltigte Frauen, von denen 10.000 minderjährig (Statistisches Amt der Föderation von Bosnien-Herzegowina)

Kroatien: 12.131 Tote, darunter 8.100 Zivilisten, 33.043 Verwundete, 2.251 Verschollene (kroatische Regierung aus dem Jahr 1995)

Slowenien: bei den slowenischen Truppen 19 Tote und 182 Verletzte, bei der jugoslawischen Volksarmee 44 Tote und 146 Verletzte (Schätzungen)

Kosovo: 4.000 Leichen oder Leichenteile bis 2002 ausgegraben, etwa 800 albanische Tote wurden bislang in Serbien gefunden (da es bis heute keine genauen offiziellen Zahlen gibt, beruhen die Opferzahlen auf Flüchtlingsberichten und Massengrabfunden).

Serbien: 2.800 vermisste und bisher 1.000 identifizierte getötete serbische Zivilisten in Bosnien-Herzegowina 1991–1992; 6780 getötete Serben in Kroatien, laut ICTY 150.00 bis 200.000 Vertriebene in der Krajina; 142 getötete serbische Polizei- und Armeeangehörige im Kosovo; die NATO-Operation 1999 führte zu etwa 5.000 Todesopfern in der Bundesrepublik Jugoslawien (NATO-Angaben); nach jugoslawischen Angaben kamen 462 Soldaten, 114 Polizisten und etwa 2.000 Zivilisten ums Leben (Angaben der Jugoslawischen Volksarmee).


Chronologie


1980

4. Mai: Josip Broz Tito stirbt im Alter von 88 Jahren. Ein kollektives Staatspräsidium mit jährlich wechselndem Vorsitz übernimmt die Führung in Jugoslawien.


1981

In der serbischen Provinz Kosovo kommt es zu Unruhen. Albaner (90 % Bevölkerungsanteil) verlangen die Lösung von Serbien und den Status eines Staatsvolks. Dies wird von allen Teilrepubliken sowie der jugoslawischen Bundesregierung verweigert; Proteste werden blutig niedergeschlagen.


1986

Serbische Intellektuelle fordern im Sanu Memorandum ein Ende der so genannten „Diskriminierungen des serbischen Volkes“. Das Memorandum behauptet unter anderem einen „Genozid“ am serbischen Volk im Kosovo und eine antiserbische Verschwörung Kroatiens und Sloweniens gegen Serbien. Eine Revision der jugoslawischen Verfassung wird gefordert.

Andererseits wird routinemäßig der Albaner Sinan Hasani zum jugoslawischen Staatsoberhaupt gewählt.


1987

Im April 1987 bereist Slobodan Milošević den Kosovo und horcht auf verschiedenen Veranstaltungen den Sorgen der Serben und Montenegriner. Die orthodoxe Bevölkerung berichtet von einem massiven wirtschaftlichen, politischen und psychischen Druck durch die Albaner. Nach einer Rede im Kulturhaus von Kosovo Polje (alban. Fushë Kosovë) wird die Stimmung endgültig angeheizt: Einer aufgebrachten serbischen Menschenmenge verweigert die mehrheitlich albanische Provinzpolizei den Zutritt zum Gebäude. Als Milošević vor das Gebäude tritt und die Menschen rufen „Sie schlagen uns!“, antwortet er: „Niemand soll es jemals wieder wagen, euch zu schlagen!“ („nitko nesme da vas bije“ – wörtlich: „niemandem ist es erlaubt, euch zu schlagen“. Die angebotene Übersetzung im Text ist aber deutlich besser, da sie sehr gut die tatsächliche Tragweite dieses „niemand“ in dieser besonderen Situation hervorhebt). In den kommenden Monaten knüpft Milošević engere Beziehungen zur orthodoxen Kirche und nutzt seine Kontakte zu den Medien zu einer zunehmend nationalistischeren Kampagne.

Slobodan Milošević wird Vorsitzender der serbischen Kommunistischen Partei.


1988

Slobodan Milošević wird Präsident Serbiens.

Im Oktober 1988 werden die Regierungen der Vojvodina und Montenegros durch Gefolgsleute Miloševićs ersetzt.


1989

Im Februar 1989 stimmt das Parlament der SR Serbien einer Verfassungsänderung zu. Damit wird die Autonomie der Sozialistischen Autonomen Provinz Kosovo und der Sozialistischen Autonomen Provinz Vojvodina faktisch aufgehoben. Darauf flammen im Kosovo Unruhen auf, der Ausnahmezustand wird verhängt. In der Folgezeit werden die Albaner aus nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens von Serben verdrängt. Die Verfassungsänderung markiert den Anfang vom Ende des Jugoslawiens Titos.

Am „Vidovdan“ (St.-Veits-Tag) findet eine von hundertausenden Serben besuchte nationalistische Kundgebung in Gazimestan auf dem Amselfeld statt. Slobodan Milošević verlangt auf dieser Veranstaltung mehr Rechte und Einfluss für die Serben im jugoslawischen Staatsverband.

:(Nachzulesen ist die Amselfeld-Rede in einer deutschen Fassung hier: http://www.friwe.at/jugoslawien/archiv/milosevic.rtf)

Viele Slowenen und Kroaten fühlen sich durch den serbischen Machtanspruch bedroht. Bei ihnen wächst der Wunsch, den jugoslawischen Staat zu verlassen. Slowenien diskutiert die „asymmetrische Föderation“ (nicht jede Republik soll auf gleicher Art in die jugoslawische Föderation eingebunden sein) und schafft als erste Teilrepublik das Parteimonopol ab und setzt freie Wahlen an.

Die Hyperinflation verschärft 1989 die wirtschaftlichen Probleme. Der Staatsbankrott kann nur durch eine Intervention des Internationalen Währungsfonds abgewendet werden. Im Dezember 1989 wird der Dinar, der mittlerweile als wertloses Papiergeld in dicken Bündeln kursiert (am 19. Dezember 1989 bekam man für 1 DM (umgerechnet 0,51 €) immerhin 70.000 Dinar), im festen Verhältnis 7:1 an die Deutsche Mark gekoppelt, und es werden vier Nullen gestrichen.


1990

Die wirtschaftliche Talfahrt geht weiter. Die Inflation kann auf einen noch knapp zweistelligen Wert gedrückt werden. Aber der feste, realitätsfremde Wechselkurs zur Deutschen Mark erschüttert die bisher weitgehend stabile Wirtschaft in der SR Slowenien und der SR Kroatien, die bisher sehr exportorientiert waren und erhebliche Deviseneinnahmen aus dem Tourismus erzielen konnte.

Die Republiken Slowenien und Kroatien beginnen 1990, zunächst nicht mehr die vollen Steuern und Zölle an die Bundeskasse abzuführen und stellen ihre Zahlungen, auch die in den Republikenausgleichsfonds, dann ganz ein. Die Sparer, die seit jeher ihre Ersparnisse überwiegend in Devisen angelegt haben, verlieren ab Mitte 1990 immer mehr das Vertrauen in das marode System. Immer mehr Sparer ziehen ihre Deviseneinlagen von den Banken ab. Im Oktober 1990 wird die Situation kritisch, innerhalb weniger Tage fließen umgerechnet über 3 Milliarden Dollar ab. Als damit die Devisenreserven des Bundesstaates immer schneller dahinschmelzen und der Staatsbankrott nun nicht mehr abwendbar scheint, bleibt der Regierung Marković nichts anderes übrig, als sämtliche Devisenkonten zu sperren. Damit werden sämtliche Sparer, die sich ihre Einlagen noch nicht haben auszahlen lassen, faktisch enteignet.

In Slowenien wird der Reformkommunist Milan Kučan zum Staatspräsidenten gewählt.

In Kroatien geht die HDZ unter Vorsitz von Franjo Tudjman als Sieger aus den Wahlen hervor.

Slowenien und Kroatien legen einen Verfassungsentwurf für eine Umwandlung der jugoslawischen Föderation in die losere Form einer Konföderation vor.

Das kroatische Parlament führt in Kroatien Kroatisch als Amtssprache ein und schränkt den administrativen Gebrauch der kyrillischen Schrift ein. In einer geplanten Verfassungsrevision wird das serbische Staatsvolk zur Minderheit herabgestuft. Diese „Kroatisierungsmaßnahmen“ führen zu Unruhen in den Gebieten der sog. Krajina, in denen eine große serbische Minderheit lebt. Ein Großteil dieser Serben spricht sich für ihre Unabhängigkeit aus. Es kommt zu gewalttätigen Aufständen und Blockaden gegen Kroatien.

In Bosnien-Herzegowina wird Alija Izetbegović Staatspräsident. Slowenien und Kroatien kündigen für Juni 1991 ihre Unabhängigkeit an, falls es bis dahin nicht zu einer politischen Neuordnung Jugoslawiens kommt. In Slowenien stimmen am 23. Dezember bei einer Volksabstimmung 88,5 % für die staatliche Souveränität Sloweniens und ein endgültiges Ausscheiden, falls die politische Neuordnung nicht erfolgt.


1991

Anfang 1991 proklamieren Kosovo-Albaner die unabhängige „Republik Kosova“, die aber weder von Serbien noch international (mit Ausnahme von Albanien) anerkannt wird.

Am 28. Februar wird in Knin (Kroatien) die „Serbische Autonome Provinz Krajina“ ausgerufen. Kroatische Familien werden vertrieben.

Ab März 1991 kommt es in Kroatien zu Zusammenstößen zwischen der kroatischen Polizei, der kroatischen Nationalgarde und autonomen Freischärlerverbänden auf der einen und Milizen der in Kroatien lebenden Serben, serbischen Freiwilligen und Tschetniks aus Bosnien und Serbien sowie der Jugoslawischen Volksarmee, welche die Aufstellung einer republikseigenen kroatischen Armee zu verhindern sucht, auf der anderen Seite.

In Serbien stößt die harte nationalistische Linie von Slobodan Milošević noch auf entschiedenen Widerstand der Opposition und großer Teile der Bevölkerung. So kommt es im März in Belgrad zu ernsten Unruhen und Straßenkämpfen.

Am 1. April versucht die Bundesarmee noch, die kämpfenden Parteien in Kroatien zu trennen; später ergreift sie offen Partei für die serbischen Extremisten.

Am 15. Mai scheitert die turnusgemäße Wahl des Kroaten Stipe Mesic zum Vorsitzenden des jugoslawischen Staatenbundes an Serbien.

Am 19. Mai entscheidet sich bei einem Referendum in Kroatien die kroatische Bevölkerung mit 93 % der Stimmen für die Trennung vom jugoslawischen Bund. Die serbische Minderheit boykottiert die Abstimmung.

In einem Fait accompli proklamieren Slowenien und Kroatien am 25. Juni 1991 ihre Unabhängigkeit. Slowenien übernimmt noch am selben Tag die Gewalt über seine Grenztruppen (wo aber die Überwachung der Grenzübergänge außer der so genannten „Grünen Grenze“ schon laut jugoslawischer Verfassung zur Kompetenz der jeweiligen Republiken gehörte). Am 26. Juni 1991 greift die Jugoslawische Volksarmee in Slowenien ein, um die Unabhängigkeit zu verhindern. Von Belgrad aus starten MiG-29-Jagdflugzeuge und beschießen den Ljubljaner Flughafen. Nach zehn Tagen wird unter Vermittlung der EG ein Waffenstillstand geschlossen. Die Bundesregierung in Belgrad erkennt, dass die Unabhängigkeit nicht mehr aufzuhalten ist. Da in Slowenien keine bedeutende serbische Minderheit lebt, die militärisch aktiv werden könnte, zieht der letzte JNA-Soldat im Oktober 1991 aus Slowenien ab. So verschiebt sich der Krieg nach Kroatien.

Besetzung des Nationalparks Plitvicer Seen durch die Jugoslawische Volkarmee. Dort stirbt das erste Opfer des Krieges. Die Plitvitzer Seen gehören heute zum UNESCO-Weltnaturerbe. Weite Teile dieses einzigartigen Naturparkes werden von den serbischen Soldaten vermint und verunreinigt. In den folgenden Monaten kommt es zu schweren Konfrontationen zwischen der JNA und kroatischen Verbänden, hauptsächlich in der Lika, Kordun, Banija, Norddalmatien und in Ostslawonien (Osijek, Vukovar).

5. Juli: Die EG verhängt ein Waffenembargo gegen Jugoslawien.

Mitte Juli eskalieren die Zwischenfälle in Kroatien zum offenen Krieg. Er wird vor allem um das mehrheitlich von Serben bewohnte Gebiet der Lika, Banija, Kordun und Norddalmatien geführt. Aber auch größere kroatische Städte sowie Slawonien und West-Dalmatien, wo Serben eine Minderheit darstellen, sind betroffen. Ziel Serbiens ist, die Kontrolle über ein zusammenhängendes Territorium zu bekommen, um so den Anschluss der serbisch besiedelten Gebiete an die später gegründete Bundesrepublik Jugoslawien („Rest-Jugoslawien“) zu vollziehen. Die JNA beteiligt sich zunächst nicht direkt an den Kämpfen, unterstützt aber serbische Freischärlerverbände. Als sich Kroatien zur Blockade der Kasernen der JNA auf ihrem Territorium entschließt, tritt die Armee offen als kriegführende Partei in Erscheinung. Sie beteiligt sich an dem Beschuss kroatischer Städte wie Vukovar und Dubrovnik und blockiert kroatische Adriahäfen.

25. Juli: Der serbischstämmige Bevölkerungsteil Kroatiens erklärt aufgrund der sich abzeichnenden Verfassungsänderung die „Souveränität des serbischen Volkes in Kroatien“ und gründet einen Nationalrat.

Die deutsche Bundesregierung erwägt die völkerrechtliche Anerkennung von Kroatien und Slowenien, was bisher von der EG abgelehnt wurde.

am 26. Juli wird die kroatische Verfassung geändert, die keine speziellen Gruppenrechte für die serbische Minderheit vorsieht.

23. August: Die kroatische Stadt Vukovar wird von serbischen Streitkräften angegriffen.

24. August: Gewaltsame Unruhen greifen erstmals auf Bosnien-Herzegowina über. Die bosnisch-muslimischen Truppen mit dem Kommandanten Naser Oric verüben bis 1992 Massaker und Verbrechen in und um Sarajevo, bei denen 192 serbische Dörfer zerstört werden und 2.800 serbische Zivilisten getötet werden, 1.000 Opfer sind mittlerweile identifiziert.

30./31. August: Mehrere zehntausend Mütter demonstrieren in Belgrad für die Entlassung ihrer Söhne aus dem Militär.

Im September 1991 haben serbische Milizen ein Drittel von Kroatien erobert. Wichtige Verbindungen nach Dalmatien sind unterbrochen.

Mazedonien erklärt seine Unabhängigkeit.

25. September: Der UN-Sicherheitsrat verhängt ein Waffenembargo gegen Jugoslawien.

26. September: Aus Kräften der kroatischen Polizei und der Nationalgarde wird die kroatische Armee (HV) gebildet.

1. Oktober: Die Altstadt von Dubrovnik wird angegriffen und teilweise zerstört. Sie zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe und wurde ohne Rücksicht auf Verluste von serbischer Seite aus beschossen.

15. Oktober: Das Parlament Bosnien-Herzegowinas verabschiedet gegen die Stimmen der serbischen Vertreter ein Memorandum zur Unabhängigkeit.

24. Oktober: Die serbische Regierung erklärt, sie wolle ein Jugoslawien unter Einschluss der serbischen Gebiete in Kroatien und Bosnien-Herzegowina schaffen. Bosnische Serben gründen ein eigenes „Parlament“.

12. November: In Sarajevo demonstrieren 100.000 Menschen für ein friedliches Zusammenleben aller drei Volksgruppen in Bosnien-Herzegowina.

18. November: Nach 87 Tagen Belagerung fällt die völlig zerstörte kroatische Stadt Vukovar in serbische Hand. In der Stadt werden ethnische Säuberungen an Kroaten und andere Kriegsverbrechen begangen. Ein Internationslager wird auf einem Feld nahe Vukovar errichtet, in dem viele Kroaten (auch Frauen und Kinder) getötet werden.

Es tritt eine weitgehende militärische Waffenruhe ein, allerdings nicht als Ergebnis des Waffenembargos und der Wirtschaftssanktionen. Vielmehr haben die serbischen Verbände fast überall rein kroatische Gebiete erreicht, wo sie nicht mehr mit lokaler Unterstützung rechnen können. Außerdem hat die kroatische Armee ihre Verteidigungslinien konsolidiert. Schließlich befindet sich die JNA in einer Umbruchphase von einer jugoslawischen zu einer rein serbisch dominierten Armee, nachdem das Personal der anderen Republiken aus der Bundesarmee zurückberufen oder entlassen wurde. Die JNA muss verstärkt serbische Reservisten mobilisieren.

19. November: Mazedonien erklärt seine Unabhängigkeit.

Ende November: Im Kosovo stimmen bei einer geheimen Abstimmung mehr als 90 % der teilnehmenden Albaner für ihre Unabhängigkeit.

3./5. Dezember: Bundeskanzler Kohl verspricht Slowenien und Kroatien die Anerkennung noch im Jahr 1991. Sie erfolgt am 23. Dezember, ohne dass manche von der EG verlangten Bedingungen (z. B. ausreichender Minderheitenschutz in Kroatien) erfüllt sind.

22. Dezember: Kroatien verabschiedet eine neue Verfassung als einheitlicher und souveräner Staat, die Krajina-Serben erklären sich für autonom und rufen ihrerseits die sogenannte Republik Serbische Krajina aus. Ziel ist die Vereinigung mit den bosnischen Serben und Serbien zu einem gemeinsamen serbischen Staat.

23. Dezember: Bosnien-Herzegowina beantragt bei der EG seine Anerkennung.


1992

2. Januar: Der UN-Sonderbeauftragte Cyrus Vance vereinbart mit der Führung in Belgrad und Zagreb einen Friedensplan, der die Stationierung von UN-Truppen (United Nations Protection Forces, UNPROFOR) ermöglicht.

9. Januar: Bosnische Serben proklamieren in ihrem selbsternannten Parlament die „Serbische Republik in Bosnien-Herzegowina“

15. Januar: Anerkennung Kroatiens und Sloweniens durch die EG

3. März: Verkündung der Unabhängigkeit von Bosnien-Herzegowina, Beginn der militärischen Auseinandersetzungen zwischen bosnischen Serben auf der einen und bosnischen Kroaten und Muslimen auf der anderen Seite.

5. April: Beginn der Belagerung Sarajevos mit der Einnahme des Flughafens durch die Jugoslawische Volksarmee.

6. April: Die EG beschließt die Anerkennung Bosnien-Herzegowinas. Daraufhin brechen in ganz Bosnien schwere Kämpfe aus.

27. April: Serbien schließt sich mit Montenegro zur „Bundesrepublik Jugoslawien“ zusammen.

2. Mai: Vollständige Belagerung Sarajevos für 1.425 Tage.

5. Mai: Das Staatspräsidium der Bundesrepublik Jugoslawien gibt den Oberbefehl über die Jugoslawischen Streitkräfte in Bosnien-Herzegowina ab. Militärische Infrastruktur, die der bosnischen Territorialverteidigung oder kroatischen Verbänden in die Hände fallen könnte, wird vernichtet. Den bosnischen Serben wird dagegen militärisches Großgerät überlassen.

30. Mai: Der UN-Sicherheitsrat verhängt Sanktionen gegen Serbien und Montenegro.

3. Juli: Proklamation der Kroatischen Gemeinschaft Herceg-Bosna durch die „Kroatische Demokratische Gemeinschaft“ (HDZ) unter Führung von Mate Boban. Zur Hauptstadt wird Mostar erklärt.

2. August: Der Reporter Roy Gutman berichtet in der amerikanischen Zeitung „Newsday“ erstmals über Massenmorde in von bosnischen Serben betriebenen Internierungslagern, insbesondere Omarska. Der Sprecher des internationalen Komitees vom Roten Kreuz lässt verlauten, dass alle drei Konfliktparteien in Bosnien-Herzegowina Internierungslager eingerichtet hätten. Die Größenangaben divergieren stark.

25. August: In der Nacht wird die Universität von Bosnien-Herzegowina in Sarajevo in Trümmer geschossen. Serbische Artilleristen aus den umliegenden Hügeln beschießen absichtlich das historische Gebäude mit Granaten, und die Bibliothek geht in Flammen auf. Ihr gesamter Bestand – eineinhalb bis zwei Millionen Bücher – verbrennt. Die Asche geht stundenlang auf die Stadt nieder. Die Bibliothek galt als eine der bestausgestattetsten Südeuropas.

26./27. August: Jugoslawien-Konferenz in London unter Vorsitz von EG und UNO. Alle Kriegsparteien einigen sich auf 13 Grundsätze zur Konfliktlösung, u. a. Beendigung der Kämpfe, Einhaltung von Menschen- und Minderheitenrechten, Auflösung der Internierungslager, Respektierung der territorialen Integrität aller Staaten der Region. Nachfolgeprobleme der neuen Staaten Ex-Jugoslawiens sollen durch Konsens oder in einem Schiedsverfahren geregelt werden. Ein Lenkungsausschuss unter Vorsitz der beiden Sonderbeauftragten Vance und Owen soll den Verhandlungsprozess zwischen den Kriegsparteien institutionalisieren.

9. Oktober: Der UN-Sicherheitsrat verhängt ein Verbot für militärische Flüge über Bosnien-Herzegowina.


1993

Zerstörte Häuser in der Nähe des Sarajevoer Flughafens.2. bis 5. Januar: Die beiden Vorsitzenden der Genfer Jugoslawienkonferenz, Owen und Vance, legen einen „Verfassungsrahmen für Bosnien und Herzegowina“ (Vance-Owen-Plan) mit beigefügter Landkarte vor.

Ende Januar, kurz vor Ablauf des UN-Mandats, beginnen die Kämpfe in Kroatien von neuem. Kroatien startete eine Offensive in die serbisch besetzten Gebiete Kroatiens mit dem Ziel, das strategisch wichtige Hinterland von Zadar zurückzuerobern. Anfang Februar weiten sich die Kämpfe auch auf das Hinterland von Split aus.

25. März: Der bosnische Präsident Izetbegović unterschreibt den Vance-Owen-Plan. Damit lehnt nur noch der Serbenführer Karadžić den Gesamtplan ab.

1. April: Der UN-Sicherheitsrat beschließt die militärische Durchsetzung des Flugverbots über Bosnien-Herzegowina. Dazu wird der NATO eine führende Rolle zugewiesen.

April: Kroatische Streitkräfte unter Tihomir Blaškić greifen zahlreiche muslimische Gemeinden im zentralbosnischen La Lasva-Tal an und vertreiben und ermorden große Teile der Zivilbevölkerung.

6. Mai: Der UN-Sicherheitsrat erklärt Sarajevo und fünf weitere belagerte Städte zu UN-Schutzzonen. Das „Parlament“ der bosnischen Serben lehnt den Vance-Owen-Plan ab.

Anfang Juni: Der Leiter des UNPROFOR-Zivilsektors befürchtet eine Ausweitung des Krieges auf Kosovo und Mazedonien. Die Lage in Bosnien-Herzegowina beschreibt er als chaotisch: „Die Bündnisse zwischen den kriegführenden Seiten wechseln von Woche zu Woche.“

16. Juni: Die Präsidenten Serbiens und Kroatiens, Milošević und Tudjman, einigen sich unter Vermittlung von Owen und Stoltenberg, dem Nachfolger von Vance als UNO-Sonderbeauftragter, über die Aufteilung Bosnien-Herzegowinas: In einer losen Konföderation sollen drei auf ethnischen Gesichtspunkten beruhende Staaten miteinander verbunden sein. Nach einer Erklärung Tudjmans soll der muslimische Staat aus zwei Teilen bestehen, einem im Zentrum des Landes und einem in der Region Bihać. Die kroatische Seite sei bereit, den Muslimen Zugang zum Adria-Hafen Ploce zu gewähren.

23. Juli: Der UN-Sicherheitsrat verurteilt die Offensive der bosnischen Serben zur Isolierung Sarajevos.

Die Machthaber der bosnischen Serben lassen ethnisch gemischte Ehen gesetzlich verbieten.

17. August: Owen und Stoltenberg legen einen Teilungsplan für Bosnien-Herzegowina vor.

Herbst 1993: Heftige Kämpfe zwischen Truppen des „Kroatischen Verteidigungsrats“ HVO und bosnisch-muslimischen Einheiten in Zentralbosnien. Es kommt zu Massakern an der Zivilbevölkerung. Angriffe von bosnischen Serben in Nordbosnien und in den ostbosnischen Enklaven.

9. November: Kroatische Geschütze zerstören die Altstadt von Mostar, darunter die weltberühmte Brücke der Osmanen Stari Most. Sie sollte gerade zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt werden. (2002 wurde die Brücke, unter anderen von kroatischen Geldern finanziert, wiedererbaut.)


1994

28. Februar: Erste Kampfeinsätze der NATO: US-amerikanische Kampfflugzeuge schießen bei Banja Luka vier serbische Kampfflugzeuge ab.

Belagerung der Stadt Goražde. UN-Soldaten werden als Geiseln genommen.

März: Kroaten und Bosniaken beenden ihren Konflikt in der Herzegowina und vereinbaren unter US-Vermittlung eine Föderation.

Im März wird auch ein erneuter Waffenstillstand zwischen den Krajina-Serben und Kroatien vereinbart, der sich aber wieder als brüchig erweist.

10./11. April: amerikanische Flugzeuge bombardieren serbische Stellungen bei Goražde.

22. April: Der NATO-Rat erklärt Goražde zur militärischen Ausschluss-Zone, aus der alle schweren Waffen der bosnischen Serben abzuziehen seien. Auch Bihać, Srebrenica, Tuzla und Žepa sollen zu solchen Ausschluss-Zonen erklärt werden, falls sie mit schweren Waffen angegriffen werden. In den folgenden Tagen ziehen sich die bosnischen Serben aus der 3-km-Zone um Goražde zurück.

26. April: Die internationale Kontaktgruppe für Bosnien-Herzegowina, der Vertreter der UN, der EU, der USA, Russlands, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands angehören, kommt in London zu ihrer ersten Sitzung zusammen.

27. April: Der UN-Sicherheitsrat beschließt, die UNPROFOR um fast 7.000 Soldaten zu verstärken.

11. Mai: Vertreter der bosnischen Kroaten und Muslime einigen sich in der US-Botschaft in Wien über die politische Führung und die Grenzen einer künftigen Konföderation: Der Bundesstaat soll 58 % des Territoriums Bosnien-Herzegowinas umfassen und aus acht Kantonen bestehen. Von diesen sollen vier von den Muslimen, zwei von den Kroaten und zwei gemischt verwaltet werden. Die Region um Sarajevo soll mindestens zwei Jahre lang von den UN kontrolliert werden. Repräsentanten der bosnischen Serben, die ca. 70 % des Territoriums besetzt halten, weisen diese Aufteilung zurück.

12. Mai: der US-Senat fordert Präsident Clinton auf, das Waffenembargo gegen Bosnien-Herzegowina einseitig aufzuheben. Diese Forderung wird am 8. Juni auch vom Repräsentantenhaus gestellt.

15. Mai: Ein aus Kroaten und Muslimen bestehendes gemeinsames Oberkommando wird eingesetzt.

30. und 31. Mai: In Sarajevo findet die konstituierende Sitzung des muslimisch-kroatischen Parlaments statt. Der Kroate Zubak wird zum Präsidenten der Föderation Bosnien-Herzegowina gewählt.

8. Juni: Unter Vermittlung der UN einigen sich die Führung der bosnischen Serben und der muslimisch-kroatischen Föderation darauf, einen Monat lang „keine offensiven Operationen“ zu unternehmen. Trotzdem kommt es zu heftigen Kämpfen in Zentralbosnien und Sarajevo.

23. Juni: Der bosnische Ministerpräsdent Silaidzić stellt eine „gemeinsame Regierung“ vor, der zehn Muslime, sechs Kroaten und ein Serbe angehören.

5. Juli: Die internationale Kontaktgruppe legt gemeinsam mit Griechenland und Belgien einen neuen Teilungsplan für Bosnien-Herzegowina vor: 49 % des Territoriums werden den bosnischen Serben, 51 % der muslimisch-kroatischen Föderation zugeteilt. Das selbsternannte Parlament der bosnischen Kroaten und das bosnische Parlament stimmen zu, das selbsternannte „Parlament“ der bosnischen Serben lehnt den Plan ab (trotz der Drohung der serbischen Regierung, im Falle der Ablehnung alle Beziehungen mit den bosnischen Serben abzubrechen).

23. Juli: Der ehemalige Bremer Bürgermeister Hans Koschnick tritt sein Amt als EU-Administrator von Mostar an. Die WEU stellt eine 200 Mann starke Polizeitruppe.

4. August: Die Regierung der Bundesrepublik Jugoslawien gibt den Abbruch der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den bosnischen Serben sowie die Schließung der gemeinsamen Grenze bekannt.

5. August: Einheiten der bosnischen Serben überfallen ein UN-Lager bei Sarajevo und entwenden schwere Waffen. Nachdem daraufhin NATO-Flugzeuge serbische Stellungen angreifen, geben die bosnischen Serben die Waffen zurück.

10. August: Die UN drohen erstmals auch den bosnischen Regierungstruppen mit Luftangriffen, falls sie ihre schweren Waffen nicht aus der 20-km-Zone um Sarajevo abzögen und ihre Vorstöße bei Bihać nicht einstellten.

20. August: Bosnische Regierungstruppen nehmen die zuvor von muslimischen Separatisten kontrollierte Hochburg Velika Kladuša ein.

27. und 28. August: In den von den bosnischen Serben kontrollierten Gebieten wird ein Referendum über den Friedensplan abgehalten, bei dem angeblich 96 % der Wähler den Plan ablehnen.

8. September: Der serbische Präsident Milošević stimmt der Überwachung der Grenze zwischen Serbien und Bosnien-Herzegowina durch eine „internationale humanitäre Mission“ zu. Die Kontaktgruppe entsendet dazu am 17. September 135 zivile Beobachter in das Grenzgebiet.

11. September: EU-Administrator Koschnick entgeht knapp einem Anschlag.

16. September: Der Führer der bosnischen Serben, Karadžić, kündigt Sanktionen gegen die muslimische Bevölkerung an, falls die von Jugoslawien verhängte Blockade gegen die bosnischen Serben andauern sollte.

22. September: NATO-Kampfflugzeuge zerstören nach einem serbischen Angriff auf ein UN-Fahrzeug einen leeren serbischen Panzer in der Sperrzone in Sarajevo.

24. September: Der UN-Sicherheitsrat beschließt in der Resolution 943, die Sanktionen gegen Jugoslawien zu lockern, falls die Einhaltung des jugoslawischen Embargos gegen die bosnischen Serben bestätigt werden kann. Aufrecht erhalten bleibt das Handelsembargo.

12. November: Die USA ziehen sich aus der Überwachung des UN-Waffenembargos zurück.

21. November: NATO-Kampfflugzeuge fliegen einen Angriff auf die Landebahn des Flughafens Udbina in der „serbischen Krajina“, von dem aus Serben Luftangriffe gegen Bihać gestartet hatten.

23. November: Kampfflugzeuge der NATO bombardieren Raketenstellungen der bosnischen Serben im Raum Bihać, nachdem zuvor ein britisches Flugzeug beschossen war. Als Reaktion blockieren serbische Verbände 350 UN-Soldaten bei Sarajevo und nehmen weitere 55 Blauhelme für mehrere Tage als Geiseln.

2. Dezember: Die kroatische Regierung und die Führung der Krajina-Serben einigen sich mit Hilfe der Vermittler Owen und Stoltenberg auf ein Abkommen, nach dem die Ölpipeline sowie mehrere Straßen und Bahnstrecken, die durch die Krajina verlaufen, wieder in Betrieb genommen werden.

17. Dezember: Verbände der von Fikret Abdić geleiteten „aufständischen“ Muslime erobern Velika Kladuša zurück.

20. Dezember: Der ehemalige US-Präsident Carter vermittelt eine siebentägige Waffenruhe zwischen der bosnischen Regierung und der Führung der bosnischen Serben, die am 24. Dezember beginnen soll. Die Krajina-Serben und der muslimische „Rebellenführer“ Abdić beteiligen sich nicht an dem Abkommen, weshalb die Kämpfe um Bihać anhalten.

31. Dezember: Die bosnische Regierung und die Führung der bosnischen Serben schließen eine „Vereinbarung über die völlige Einstellung von Feindseligkeiten“. Trotzdem kommt es weiterhin zu schweren Kämpfen.


1995

UN-Hilfskonvoi.2. Januar: Auch die Führung der bosnischen Kroaten und Abdić unterzeichnen das Waffenstillstandsabkommen. Es kommt trotzdem weiterhin zu schweren Kämpfen.

11. Januar: Unter Vermittlung der UNPROFOR wird eine weitere Vereinbarung über die Umsetzung des Waffenstillstands getroffen. Die heftigen Gefechte gehen ungeachtet dessen weiter.

12. Januar: Der kroatische Präsident Tudjman kündigt die Beendigung des UN-Mandats zum 31. März 1995 an.

23. Januar: Die Führung der bosnischen Serben verpflichtet sich, die Versorgungswege nach Sarajevo freizugeben.

25. Januar: Die Kontaktgruppe bricht ihre Vermittlungsbemühungen ab.

5. Februar: Vertreter der muslimisch-kroatischen Föderation einigen sich auf einen Neun-Punkte-Plan zur Stabilisierung der Föderation. Ein internationaler Vermittler soll Differenzen zwischen den beiden Volksgruppen schlichten.

9. Februar: Die Führung der Krajina-Serben teilt die Gefechtsbereitschaft und den Abbruch des Dialogs mit der kroatischen Regierung mit.

In Mazedonien kommt es Mitte Februar zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der albanischen Minderheit und makedonischen Sicherheitskräften.

21. Februar: Russland erkennt Bosnien-Herzegowina an.

1. März: Die Verteidigungsminister Russlands und Jugoslawiens vereinbaren ein Abkommen über die bilaterale Zusammenarbeit.

6. März: Die Oberkommandierenden der Streitkräfte Bosnien-Herzegowinas und Kroatiens schließen ein Militärbündnis, das einen gemeinsamen Kommandostab vorsieht.

12. März: Die kroatische Regierung stimmt dem Verbleib eines um 10.000 auf 5.000 Soldaten verkleinerten UN-Kontingents zu unter der Voraussetzung, dessen künftige Hauptaufgabe bestünde in der strikten Kontrolle der Grenze zu Bosnien-Herzegowina und der BRJ.

31. März: Der UN-Sicherheitsrat beschließt eine neue Aufgabenbeschreibung der in Kroatien stationierten Blauhelme. Sie tragen zukünftig den Namen „UN Confidence Restoration Operation in Croatia“ (UNCRO).

Mai: Die kroatische Armee startet die „Operation Bljesak“ (kroat. „Blitz“) gegen die serbisch kontrollierten Gebiete in Westslawonien und erobert diese zurück. Serbische Einheiten beschießen daraufhin die kroatische Hauptstadt Zagreb mit Raketen, können die kroatische Offensive aber nicht aufhalten. Die serbische Bevölkerung flieht. (Siehe auch: Republik Serbische Krajina)

22. Mai: Einheiten der bosnischen Serben transportieren schwere Waffen aus einem Waffendepot der UNO ab. Das UNO-Kommando fordert die sofortige Zurückgabe. Die gesetzte Frist wird von den Serben ignoriert.

25. Mai: Die NATO bombardiert ein Munitionsdepot der bosnischen Serben in Pale, nachdem ein Ultimatum zur Rückgabe von aus einem UN-Depot gestohlenen Waffen verstrichen war. Die Serben antworten mit Artilleriebeschuss von Sarajevo und Tuzla und bringen eine Anzahl von Blauhelmen in ihre Gewalt. Die bosnischen Serben betrachten die Blauhelme als Kriegsgefangene und verlangen für ihre Freilassung die Einstellung der Luftangriffe.

Im Juni greifen kroatische Verbände von bosnischem Territorium aus Knin, die Hauptstadt der Krajina-Serben, an.

11. Juli: Eroberung der UN-Schutzzone Srebrenica durch serbische Truppen. Dabei kommt es zu dem Massaker von Srebrenica.

August: Die USA legen dem UNO-Sicherheitsrat Fotomaterial eines US-Aufklärers vor. Die Bilder lassen auf Massenexekutionen und -gräber in der Region schließen. Später wird sich herausstellen, dass mehr als 7.500 Zivilisten, bei denen es sich überwiegend um bosnische Moslems handelt, exekutiert wurden.

4. August bis 7. August: Die kroatische Polizei und Armee beendet mit der Militäroperation Oluja (kroat. „Sturm“) den Krieg in Kroatien und stellt die territoriale Einheit des international und völkerrechtlich anerkannten Staates her. Als unmittelbare Folge fliehen ca. 120.000 Serben in Richtung Bosnien-Herzegowina und Serbien.

21. November: Vertrag von Dayton. Friedensvertrag unter Vermittlung von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und den USA. Bosnien-Herzegowina werden dadurch zu einem föderativen Staat mit zwei Entitäten. Daneben sieht der Vertrag die Beendigung des serbisch-kroatischen Konflikts vor. Dem Abschlussdokument war unter starkem amerikanischem Vermittlungsdruck am 12. November ein Abkommen zwischen der Serbenführung in Ostslawonien und der kroatischen Regierung vorangegangen, das die Wiedereingliederung Ostslawoniens in das kroatische Staatsgebiet vorsah. Die Demilitarisierung des Gebietes und die Rückkehr der Flüchtlinge sollte für die Dauer eines Jahres von einer eigens aufgestellten „Implementation Force“ (IFOR) der NATO im Auftrag der UN geleistet werden. Der Vertrag wird am 14. Dezember in Paris von den drei Präsidenten Izetbegović, Milošević und Tudjman unterzeichnet.


seit 1996

Im Dezember 1996 wird die IFOR durch die SFOR („Stabilization Force“) abgelöst. Sie übernimmt die Funktion einer internationalen Schutztruppe in Bosnien-Herzegowina mit dem Ziel der Stabilisierung des Landes.


1999

Kosovo-Krieg.

24. März: Beginn der NATO-Bombardierung der serbischen Teilrepublik Ex-Jugoslawiens