Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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23.09.2020
Vollbild anzeigen Die „Gruppe für Soziologische und philosophische Studien“ in Prishtina, präsentiert am kommenden Samstag das Buch "Serbien und Albanien", geschrieben von Dimitrije Tucovic. Tucovic war der historische Führer der serbischen Sozialisten vor dem ersten Weltkrieg. Im Januar 1914 erschien das Buch zum ersten mal in serbischer Sprache in Belgrad. Im Vorwort des Buches schrieb Tucovic die geradezu prophetischen Sätze :

„Ein kritischer Beitrag zur Unterdrückungspolitik der serbischen Bourgeoisie-Die Unterdrückungspolitik der ser-bischen Regierung gegenüber dem albanischen Volk schuf an der Westgrenze Serbiens Bedingungen, die in baldiger Zukunft weder Frieden noch einen normalen Zustand erlauben werden. Gleichzeitig wurde Albanien damit in die Arme zweier Großmächte gestoßen, die am westlichen Balkan die größten Interessen haben, und jede Stärkung des Einflusses, egal welches kapitalistischen Staates auf der Balkan-halbinsel, bedeutet eine echte Gefahr für Serbien und die normale Entwicklung aller Balkanvölker.“ Diese Ausführungen sind aktueller den je. Notwendig ist die Akzeptanz des Rechtes auf Selbstbestimmung der Menschen in Kosova, gerade auch für die einfachen Menschen in Serbien. Solange der Amselfeld- Mythos, die Gehirne der Massen in Serbien vernebelt kann die soziale Frage in Serbien nicht gelöst werden. Tucovic war ein wahrer Sozialist und Internationalist. Die Tatsache dass das Buch „Serben und Albanien“ jetzt in Kosova in albanisch herausgebracht wurde ist ein ungeheures Verdienst der Herausgeber. Oft gibt es in den Köpfen vieler Menschen in Kosova folgende Vorstellung – Die Albaner- die Serben- die Deutschen sind so oder so.In Wahrheit teilt sich die Gesellschaft in Klassen und es gibt die nationale Unterdrückung von bestimmten Völkern. Die Herausgeber des Buches haben das Verdienst darzustellen , wie ein wirklicher serbischer Sozialist, sowohl gegen Klassenunterdrückung, wie gegen nationale Unterdrückung anschrieb . Anbei bringen wir den kompletten Buchtext auf Deutsch. Ursprünglich brachte die Arbeitsgruppe Marxismus das Buch in Deutsch heraus. Internetadresse http://www.agmarxismus.net. Wir bedanken uns für die Genehmigung aus dem Jahr 2007, das Buch komplett zu veröffentlichen. Die Übersetzung stammt von Amela Mirkovic.

 



Veranstaltung in Prishtina Leximi i "Serbia dhe Shqipëria", nga Dimitrije Tucović

Samstag 31. Juli 2010 · 19:30 - 21:00 ORT Libraria Dit' e Nat' Prishtina Veranstalter Grupi për Hulumtime në Sociologji dhe Filozofi Genaue Infos unter http://www.facebook.com/event.php?eid=135593176475908#!/event.php?eid=114009521983955

Serbien und Albanien
Ein kritischer Beitrag zur Unterdrückungspolitik der serbischen Bourgeoisie

von Dimitrije Tucovic, Belgrad 1914


Vorwort

Wir werden uns hier etwas genauer mit der albanischen Frage befassen, mehr noch aus praktischen Bedürfnissen heraus als aus theoretischen Interessen. Die Albanien-politik unserer Regierung endete mit einer Niederlage, die große Opfer forderte. Noch größere Opfer wird die Zukunft fordern. Die Unterdrückungspolitik der ser-bischen Regierung gegenüber dem albanischen Volk schuf an der Westgrenze Serbiens Bedingungen, die in baldiger Zukunft weder Frieden noch einen normalen Zustand erlauben werden. Gleichzeitig wurde Albanien damit in die Arme zweier Großmächte gestoßen, die am westlichen Balkan die größten Interessen haben, und jede Stärkung des Einflusses, egal welches kapitalistischen Staates auf der Balkan-halbinsel, bedeutet eine echte Gefahr für Serbien und die normale Entwicklung aller Balkanvölker.

Aber um dem praktischen Ziel zu entsprechen, müssen wir uns mit den Umständen in Albanien befassen. Das scheint um so notwendiger, als erstens unsere Presse in einem vernichtenden Wettkampf versuchte, eine schlecht informierte und schlecht ausgeführte Politik zu unterstützen und somit monate-, ja jahrelang über das alba-nische Volk tendenziöse Meinungen verbreitete, und zweitens durch solche Mei-nungen auch die Regierung ihre Unterjochungspolitik in Albanien zu rechtfertigen versuchte.

Mehr Information über die Interessenskonflikte in dieser Gegend des Balkan sollte einer richtigeren Auffassung der Umstände in Albanien und einer besseren Be-ziehung zwischen dem serbischen und dem albanischen Volk dienen. Besonders das Proletariat bedarf einer besseren Information, dessen wichtigste Aufgabe es ist, entschieden gegen die Unterdrückungspolitik der Bourgeoisie aufzutreten und somit in einer aktuellen, praktischen Frage zu zeigen, wie gut und heilsam die Arbeit der Sozialdemokratie am Balkan in Bezug auf die Freundschaft, das Bündnis und die wahre Gemeinschaft aller Balkanvölker ist.

Wenn dieses Büchlein der historischen Aufgabe der Sozialdemokratischen Parteien am Balkan als Zugabe diente, wären unsere bescheidenen Erwartungen bereits erfüllt.

D. T.

1. Januar 1914, Belgrad



Kompletter Text unter

http://kosova-aktuell.de/index.php?option=com_content&task=view&id=108&Itemid=40