Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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23.09.2020
Tränengas Knüppel und Wasserwerfer musste die serbische Polizei gestern in Belgrad gegen offen faschistische Gruppen anwenden. Am Sonntag sollte eine friedliche Parade grell, bunt, schrill, in Anlehnung an die Christopher Street Day-Paraden in Europa und den USA durch einen Randbezirk von Belgrad führen. Doch der Umzug von Homosexuellen und Lesben mündete in Chaos und Gewalt. Das Motto der Parade war "Parade des Stolzes". Die rund

1000 Schwulen und Lesben, wurden von tausenden faschistoiden Randalierern angegriffen. Viele Schlägergruppen wurden von Geistlichen angeführt. Die Randalierer trugen Heiligenbilder, Ikonen und Kreuze und lieferten sich stundenlange Straßenschlachten mit der Polizei. Die Polizei sollte offiziell den Umzug beschützen. Dies gelang den eingesetzten Polizisten in der Stärke von 5000 Mann nur sehr unzureichend. Die meist jugendlichen Rechtsextremisten verwüsteten zwei Linienbusse, demolierten mehrere Autos, plünderten Geschäfte, rissen Verkehrszeichen aus der Verankerung und setzten Müllcontainer in Brand. Verteidigungsminister Dragan Sutanovac musste zugeben: „Das ist ein sehr trauriger Tag für Serbien“. In der Tat, die Unruhen waren ein unerhörter Ausbruch von Hass. Mit Tränengas versuchten die Polizisten, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Offiziell sind mehr als 120 Menschen, zumeist Sicherheitskräfte, laut Gesundheitsministerium verletzt. Die Polizei nahm mehr als 100 Randalierer fest. Der Bürgermeister von Belgrad sagte, „die Aufräumarbeiten nach den Verwüstungen würden rund eine Million Euro kosten.“ Dennoch konnte die Parade des Stolzes durchgeführt werden. Das Hamburger Abendblatt schreibt heute:“Vor neun Jahren war der erste Umzug gescheitert, nachdem Extremisten die Teilnehmer angegriffen hatten. Im letzten Jahr war die Demonstration nach Drohungen abgesagt worden. Verschiedene extremistische Organisationen hatten auch in diesem Jahr offen oder indirekt zu einem Angriff der Parade aufgerufen. Bischöfe der serbisch-orthodoxen Kirche und nationalistische Zeitungen hatte die Veranstaltung verhindern wollen.“ Die Diplomaten und Parlamentarier der EU, des Europaparlamentes, des Europarates und der OSZE hatten die Parade als "Test für die Achtung der Menschenrechte" in Serbien bezeichnet. Ohne diese Vorgabe hätte die Parade sicher nicht durchgeführt werden können. Serbien will mit allen Mitteln in die EU. Ohne diesen Druck hätte sich wahrscheinlich jede serbische Regierung gegen die Love Parade gestellt. Die Homophobie die Romafeindlichkeit und der Rassismus gegen die Albaner in Kosovo stellt das Bewusstsein der Mitte der serbischen Gesellschaft dar. Allerdings ist das Auftauchen von offen faschistischen Gruppen in Serbien kein Sonderfall, im Gegenteil in vielen Staaten des ehemaligen Ostblocks kann dies diagnostiziert werden. Es gibt oftmals keine glaubwürdige Linke und in diese Lücke stoßen angesichts der enormen sozialen Verwerfungen, offen faschistische Gruppierungen hinein.