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05:50
23.09.2020

In Serbien ist der lange verteufelte Ex-Präsident Milosevic wieder salonfähig. Viele Getreue des Autokraten besetzen erneut Spitzenämter. Jetzt wollten auch seine Frau und sein Sohn aus dem Exil zurückkehren - doch der Staatsanwalt zog die Notbremse.«Slobo» Milosevic im Jahr 2000. Der ehemalige Präsident Jugoslawiens starb sechs Jahre später an einem Herzinfarkt in der Den Haager Untersuchungschaft. Pünktlich zum 10. Jahrestag des Volksaufstandes gegen den damaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic am 5. Oktober ist

der Autokrat wieder auferstanden. Zwar war der Drahtzieher der Bürgerkriege im ehemaligen Jugoslawien schon 2006 im UN-Kriegsverbrechertribunal einem Herzinfarkt erlegen, doch Dutzende seiner ehemals Getreuen sind wieder ganz oben in Staat und Wirtschaft angekommen. Als letzter Schritt der Rehabilitierung sollten jetzt seine Ehefrau Mirjana Markovic und sein Sohn Marko nach Verjährung ihrer Strafanklagen frei in ihre alte Heimat zurückkehren. Doch der Staatsanwalt zog die Notbremse.

Offenbar wegen des äußerst schlechten Eindrucks vor allem im Ausland hat die Justiz kurzerhand eine Anklage aus dem Jahr 2002 so verschärft, dass die Verjährung am 13. Oktober nicht in Kraft treten kann. Schließlich hofft Serbien, dass die EU-Außenminister Ende Oktober seinen Beitrittsantrag an die Kommission weiterleiten. Die weitere Annäherung an Brüssel ist das wichtigste außenpolitische Ziel des Balkanlandes.

Die Gattin Mirjana Markovic war in den eineinhalb Milosevic-Jahrzehnten beim Volk verhasst. Die heute 68 Jahre alte Soziologieprofessorin galt als eigentliches Gehirn der Politik ihres diktatorisch regierenden Mannes. Erst war sie Kommunistin, dann Nationalistin, dann wieder Jugoslawin. Ihre philosophischen und poetischen Texte wurden von den gleichgeschalteten Medien hochgejubelt. Ihr angeblich bahnbrechendes wissenschaftliches Werk, mit den Lehren von Marx, Lenin oder Mao verglichen, wurde auf Staatskosten selbst ins Chinesische übersetzt.

Milosevics Getreue sitzen weiterhin auf Serbiens Geld

Der nun 36-jährige Sohn genoss das Leben derweil in vollen Zügen: Teuerste Autos, wertvoller Schmuck, Luxusreisen - alles bezahlt mit fremden Kreditkarten. Doch das ganz große Geld machten Mutter und Sohn in den 1990er Jahren mit Zigarettenschmuggel. Mit Hilfe des Zolls und der Geheimpolizei sollen sie laut Behördenuntersuchung Hunderte Millionen Euro in die eigenen Taschen gewirtschaftet haben. Das Familienoberhaupt «Slobo» hatte es ihnen vorgemacht. Als Nato-Bomben Serbien in Schutt und Asche legten, kaufte er 1999 klammheimlich eine Villa im Belgrader Prominentenviertel Dedinje für den Spottpreis von damals 4000 Mark.

 

Die auf Eis gelegten staatsanwaltlichen Untersuchungen zum Schmuggel, die sich auf detaillierte Angaben der Polizei stützten, sollen jetzt weitergehen, kündigten die aufgeschreckten Justizbehörden an. Mutter und Sohn wird vorgeworfen, große Summen außer Landes geschafft zu haben, bevor sie in Russland politisches Asyl erhielten. Doch nicht nur Milosevics Familie bleibt frei von Strafverfolgung wegen ihrer Rolle während der internationalen Isolation Serbiens, wegen Wirtschaftssanktionen, Kriegen, politischen Morden und wegen des Zusammenschlusses von Staat und Mafia. Viele seiner engsten Mitarbeiter sind heute wieder Minister oder leiten die großen Staatsunternehmen.

Die Milosevic-Getreuen, von denen einige ihn offen weiter als «Volkshelden» feiern, sind überall dort in Führungspositionen, wo besonders viel Geld im Umlauf ist: In den Sektoren Energie, Infrastruktur oder Verkehr. Innenminister Ivica Dacic war lange Sprecher der Sozialisten. Diese sind heute Juniorpartner in der Regierung der Demokraten, deren Vorsitzender Zoran Djindjic als Regierungschef von einer immer noch nicht aufgeklärten Verbindung der alten Kader ermordet wurde. Für die Wiederauferstehung von Milosevic seien die Demokraten als seine einstigen schärfsten Gegner verantwortlich, schreibt die größte Zeitung Blic: «Als echte Pioniere von Slobo».

Geschrieben von Von Thomas Breymac Entnommen aus /cvd/news.de/dpa

 

Bild des Chauvinisten Milosevic

Slobo Milosevic im Jahr 2000. Der ehemalige Präsident Jugoslawiens starb sechs Jahre später an einem Herzinfarkt in der Den Haager Untersuchungschaft.