Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
23:35
24.10.2020
In der serbisch orthodoxen Kirche ist ein offener Machtkampf ausgebrochen.. Dem berühmt berüchtigten Bischof Artemije droht Kirchengericht und Exkommunikation.

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 Seit Jahrzehnten ist Bischof Artemije Hauptdogmatiker, extremer Nationalist und politischer Rechtsaußen.. Bischof Artemije gilt als der «Haupt-Aufrührer» der Serbisch-Orthodoxen Kirche, schrieb die Belgrader Zeitung «Danas» am Dienstag. Der 74-Jährige Bischof mit dem wallenden weißen Bart und den dicken Brillengläsern schert sich seit Jahren  um keine Anordnung der Kirchenführung.

Der chauvinistische Würdenträger hat jetzt offensichtlich den Bogen überspannt: Die Amtsbrüder drohen erstmals mit dem Kirchengericht – ein beispielloser Fall in der Geschichte der Glaubensgemeinschaft. Allerdings bleibt die Frage offen, wie der widerspenstige Bischof kirchenrechtlich diszipliniert werden kann,. Niemand will bestätigen, ob ihm als letzte Konsequenz sogar die Exkommunikation droht.


Kranke mit roher Gewalt geheilt

Die Zeitung Nürnberger Nachrichten schrieb am 26.5 über Artemije: „ Das Fass zum Überlaufen gebracht hat ein «Heilungszentrum» in seinem Bistum, in dem Drogenabhängige brutal gequält und verprügelt wurden. In der vergangenen Woche wurde ein Video veröffentlicht, in dem ein Kranker mit dem Spaten «geheilt» wird. Artemije hat sich öffentlich gegen die Anweisung der Kirchenführung (Heiliger Synod) gestellt, das «geistlich-missionarische Rehabilitationszentrum» zu schließen.

Zuvor hatte Artemije US-Vizepräsidenten Joe Biden einen Antichristen und Serbenhasser genannt. Folgerichtig untersagte er dem hohen Gast, das weltberühmte Kloster Decani im Kosovo zu besuchen. Die Kirchenspitze erklärte dieses Verbot postwendend für null und nichtig. Artemije hatte die mittelalterlichen serbischen Klöster im Kosovo wie sein Eigentum behandelt: Im Kloster Gracanica vor den Toren Pristinas ließ er ohne Rücksicht auf den Denkmalschutz für sich Wohnanlagen bauen. Das alt-ehrwürdige Patriarchat in der Stadt Pec im Westen Kosovos ließ er zum Entsetzen der Fachwelt rot anstreichen.

Die Verfügung der Kirchenspitze, sein zweifelhaftes Privatvermögen zu ordnen und seine windige Baufirma aufzulösen, schlug Artemije im vergangenen Jahr in den Wind. Stattdessen jagte er Bischof Teodosije als seinen Stellvertreter aus dem Amt. Der Heilige Synod machte diesen Beschluss allerdings sofort rückgängig. Artemije nutzt das Machtvakuum an der Spitze der Serbischen Orthodoxie aus, weil der hochbetagte Patriarch Pavle I. seit eineinhalb Jahren amtsunfähig im Krankenhaus liegt. Das dogmatische Artemije-Lager und die «Reformisten» können sich nicht auf eine Nachfolge einigen, so dass einige bereits von einer drohenden Kirchenspaltung sprechen.“

Ursache des Konflikts

Der Streit hat keinen metaphysisch religiösen Hintergrund. Die Konfliktparteien eint der Anspruch auf Kosova. Die Ursache des Konflikts ist -neben persönlichen Konflikten- wie die dominierende Rolle der serbisch orthodoxen Kirche gewahrt bleiben kann. Prügelheilanstalten schaden der Kirche in Serbien. Das Patriarchat in Peja rot zu bemalen hat nicht den Geschmack anderer Geistlicher getroffen. Das Kloster Decan für den amerikanischen Vizepräsidenten zu sperren wurde von vielen Bischöfen als unklug empfunden. Der etwas modernere Chauvinismus der anderen Kirchenführer scheint im Widerspruch zur Taktik von Artemije zu stehen. In der Tat, es war für die serbischen Chauvinisten besser Joe Biden nach Decan einzuladen. Dort wurde ihm das Märchen von einem friedlichen Kloster erzählt. Gleichzeitig beanspruchten die alternativen Kirchenführer das Kloster Decan genauso wie andere Baudenkmäler in Kosova für sich. Die Taktik der „alternativen serbischen Würdenträger“ ist geschickter als der Holzhammer von Artemije. Die albanische politische Führung hat es versäumt gegenüber Biden darauf hinzuweisen, dass alle Bauten und Kirchenmonumente den Menschen in Kosova gehören müssen. Der serbische Kirchenstreit betrifft Kosova direkt, da durch die Akzeptanz des Athisaari Planes das Land ethnisch und religiös gespalten wurde.