Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
23:05
24.10.2020
Rund 3. Milliarden Euro erhielt der serbische Staat vom IWF, um die Zahlungsfähigkeit des Staates zu garantieren. Serbien ist von der Weltwirtschaftskrise härter betroffen als viele andere Staaten, welche vor dem Crash einen Boom hatten. Die Gelder des IWF werden nicht dazu benützt, um die Armut in Serbien zu bekämpfen. Weitgehend fließt das Geld in die Schuldentilgung und in den defizitären Außenhandel. Gleichzeitig gibt es einen Generalangriff gegen noch bestehende Arbeiterrechte in diesem Land. Nur 50 bis 55 Prozent der aktiven Bevölkerung hat eine Beschäftigung. Die Gewerkschaften in Serbien sind angeschlagen und zersplittert. In der Krise sehen viele Arbeiter keine andere Möglichkeit mehr, als zu radikalen Methoden des Protestes zu greifen. International bekannt wurde ein Arbeiter aus Novi Pazar der sich den Finger abhackte und ihn öffentlich verspeiste. Dramatisch wies er damit auf das soziale Elend in Serbien hin. Radio DW berichtete über diese Aktion:“ Auch die Textilarbeiter aus Novi Pazar in Süd-Serbien waren im Hungerstreik. Sie verlangten die Auszahlung von Gehältern, die sie teilweise seit 1993 nicht mehr bekommen haben. Nach ein paar Tagen Hungerstreik und dem Ausbleiben einer Reaktion von offizieller Seite, drohten sie mit einer Radikalisierung der Proteste. Aber die serbische Regierung hatte wieder kein Ohr für ihre Interessen. Bis sich der Vorsitzende des Textilarbeiter-Verbandes Zoran Bulatovic für eine ungewöhnliche Aktion entschied: Ab heute esse ich wieder. Ich brauche die Nahrung. Ab heute ist das meine Nahrung. Vor laufender Kamera nahm er seinen eigenen Finger, den er zuvor abgeschnitten hatte, und steckte ihn in den Mund. Eine spektakuläre Aktion, die Millionen im Fernsehen sahen und die nicht nur für die Regierung, sondern auch für die großen Gewerkschaften in Belgrad überraschend kam. Vielleicht deswegen, weil sie keinen Kontakt zu ihren Genossen in der Provinz haben.“ Die serbische Regierung hatte natürlich ebenfalls kein Ohr für die Interessen der Textilarbeiter
Lederfabrik Partizan

Eine Frau weint ÖFFENTLICH.. Sie gehört zu einer Gruppe von 13 Angestellten der Lederfabrik „Partizan“, die zweieinhalb Wochen im Hungerstreik war. Diese Aktion war für einige von ihnen lebensgefährlich . Das Ziel der Proteste war es, die Nachzahlung ihrer Brutto-Gehälter seit 2006 zu erreichen. Häufig protestieren auch die Arbeiter aus Kragujevac, einer Arbeiterstadt 100 Kilometer südlich von der Hauptstadt Belgrad.


Verrufene Gewerkschaften


Die Gewerkschaften in Serbien sind zurecht verrufen.. Sie sind die Nachfolger der alten pseudosozialistischen Gewerkschaften und die Arbeiter haben kein Vertrauen in sie. Besonders nicht in die Gewerkschaftsbosse, die nur die eigenen Interessen vertreten. In Serbien gibt es keine Gewerkschaftsführer, die sich ernsthaft für die Arbeiter einsetzen. „Stattdessen kümmern sie sich um sich selbst, denken nur daran, ihre Taschen voll und schöne Reisen zu Gewerkschaftsseminaren zu machen.“ bemerkte eine serbische Journalistin. An einen richtigen Kampf der Arbeiter denken diese staatlich subventionierten Gewerkschaftsbosse nicht.


Schwierige Kampfperspektiven

Jetzt schlägt die Weltwirtschaftskrise voll zu und das in einem Land, dass seit 1990 von Krise zu Krise taumelt. Bereits vor der derzeitigen Weltwirtschaftskrise lag die offizielle Arbeitslosenrate bei fast 20 Prozent. Real waren es aber gut 25 Prozent, vor allem in den Regionen südlich von Belgrad. Radio „DW“ berichtet :“Die offizielle Differenz des wirtschaftlichen Wohlstandes zwischen Provinzstädten und der Hauptstadt Belgrad liegt bei 1 zu 15.“ Der größte Teil der Industrie im Lande ist marode und nicht in Betrieb. Dabei wurden viele von ihnen bereits in der Milosevic-Ära und danach privatisiert. Unter diesen Bedingungen zu kämpfen ist schwierig aber machbar. Was bleibt den Arbeitern auch anderes übrig. Nötig sind neue und kämpferische Gewerkschaften in Serbien. Entwickelt werden muss ein konkretes Arbeiterkampfprogramm. Der Kampf muss entschieden gegen jede Form der Privatisierung gerichtet werden Selbst die Präsidentin des Rates für die Bekämpfung der Korruption Verica Barac erklärte öffentlich: „Ich denke, dass bei der Privatisierung viele schmutzige Geschäfte gelaufen sind, wie zum Beispiel Geldwäsche, billiger Kauf von Immobilien und Grundstücken, um sie dann später teuer zu verkaufen“. Das ist auch die Ursache dafür, dass viele Unternehmer die Arbeiter Jahre lang nicht bezahlt haben. Ähnliche Erscheinungen gibt es auch in Kosovo. Gerade dieser Hinweis belegt, dass die Arbeiter in Serbien um für ihre Klasseninteressen kämpfen zu können, jeden „Kosovo Nationalismus“ ablehnen müssen. Nur die Akzeptanz des Selbstbestimmungsrecht es von Kosovo bietet die Möglichkeit, dass in beiden Ländern richtiges Klassenbewusstsein entsteht und die Arbeiterbewegung sich reaktiviert.


Erfolge sind möglich

Die serbische Regierung hat im Fall der Lederfabrik „Partizan“ reagiert. Offiziell hat sie einen Kompromiss zwischen Belegschaft und Firmenleitung ausgehandelt. Die Angestellten erhalten statt der Lohnnachzahlungen wenigstens Abfindungen. Außerdem werden zwei Jahre Sozialabgaben für die Rentenkasse nachbezahlt. Für die Textilarbeiter in Novi Pazar ist die Zukunft leider nicht klar. Die Regierung verspricht nur an einer Lösung zu arbeiten. Aber es werde ernsthaft daran gearbeitet, versichert die Regierung Die Hungerstreikenden haben Aufmerksamkeit für ihr Anliegen erreicht. In Serbien helfen nur radikale Methoden , um sich Gehör zu verschaffen.