Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
21:49
24.10.2020
Die Weltwirtschaftskrise hat Serbien voll erwischt.- Eine Therapie reiche nicht mehr aus, Serbien brauche eine Operation, erklärte Radovan Jelasic. Der serbische Notenbankgouverneur forderte die Regierung, auf, den Staatshaushalt radikal zu Gunsten der Investitionen umzuschichten und die Staatsausgaben radikal einzudämmen. Damit steht ein Programm

der weiteren sozialen Deregulierung in Serbien bevor.

Wie ist die Lage in Serbien ?

Der Dinar musste seit Oktober mit gut einer Milliarde Euro aus den Devisenreserven gestützt werden, um den Absturz der serbischen Währung aufzuhalten. Trotzdem hat der Dinar seit Oktober 2008 ein Viertel seines Wertes eingebüßt. Lange könne das so nicht mehr weitergehen, warnte Elastisch.

Während die bürgerlich nationalistische Koalitionsregierung in Belgrad bisher ergebnislos gegen die Wirtschaftskrise steuert, verbreitet sich in Serbien eine allgemeine Depression. Der Wiener Standard schreibt: „Gut 60.000 Firmen, die rund 1,3 Mio. Mitarbeiter beschäftigen, sind praktisch insolvent. Nach Einschätzung der Union der Arbeitgeber ist dafür teilweise der Staat verantwortlich, der serbischen Firmen 720 Mio. Euro schuldet. Die Union rechnet, dass heuer rund 120.000 Menschen ihren Job verlieren. Die Arbeitslosigkeit in Serbien liegt derzeit bei 23,7 Prozent. Eine halbe Million Menschen leben unter der Armutsgrenze. In Serbien heißt das, dass sein Haushalt mit monatlich rund 90 Euro über die Runden kommen muss. Ein Durchschnittseinkommen liegt bei gut 300 Euro - bei Preisen, die sich größtenteils nicht von denen in Österreich unterscheiden und oft sogar höher liegen.“

In Serbien gibt es eine galoppierende Inflation.Von den Strompreisen über Nahrungsmittel, Telefon und Kommunaldiensten bis zum Kabelfernsehen ist alles teurer geworden. Der Export ist seit Jahresbeginn um 37,5 Prozent gefallen, der Import um 24 Prozent, die Inflation wird zweistellig.

Geplant war ein Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent, jetzt ist von 0,5 Prozent die Rede. Aber selbst das spiegelt nur unzureichend die Realität wieder. Die Enttäuschung der Masse der Bevölkerung setzt die Regierung immer mehr unter Druck. Seit fast zwei Jahrzehnten leben die einfachen Menschen in Serbien in einem Zustand der Dauerkrise. Nach Kriegen, der internationalen Wirtschaftsblockade und einer Milliardeninflation ist acht Jahre nach der sogenannten Wende immer noch kein besseres Leben in Sicht.

Wieder einmal geht es ums nackte Überleben. Wegen mangelnder Auslandsinvestitionen und nach dem Abzug von gut einer Milliarde Euro aus einheimischen Banken wird in Serbien wieder auf die sehr eigennützige Hilfe internationaler Finanzorganisationen gesetzt. Das wirtschaftliches und soziales Desaster wird damit nicht bekämpft sondern nur der drohende Staatsbankrott aktuell verhindert. Der Wiener Standard schreibt zu den Plänen der bürgerlichen Klasse in Serbien: „ Das in Belgrad angedachte Rettungspaket beträgt mindestens drei Mrd. Dollar, davon sollten der Internationale Währungsfond (IWF), der Serbien Mitte Jänner bereits einen Kredit in Höhe von 530 Mio. Dollar (411 Mio. Euro) gewährt hat, soll nun zusätzlich bis zu zwei Mrd. Dollar locker machen. Die EU soll Serbien 400 Mio. Dollar, die Weltbank 300 Mio. Dollar zur Verfügung stellen.“ Die Gespräche mit dem IWF haben Anfang dieser Woche begonnen. Sollten die Verhandlungen scheitern, drohe Serbien ein Staatsbankrott, sagte Stojan Stamenkovic, Berater des serbischen Premiers. Die Regierung wolle das Haushaltsdefizit von geplanten 1,75 Prozent auf 3,0 Prozent erhöhen, das habe der IWF gar nicht gern, sagte Stamenkovic. Aus diesem Grund wird in Serbien wohl der letzte Rest an sozialen Leistungen gestrichen werden und der Druck auf die Löhne wird sich erhöhen. Die serbischen Massen hätten allen Grund sich gegen diese Politik zu erheben. Dazu muss aber jegliches nationalistisches Gift im politischen Diskurs elemeniert werden. Ergo wer als einfacher Mensch in Serbien die „ Kosovo-Politik“ der Regierung unterstützt wird niemals für seine sozialen Rechte kämpfen können.