Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
15:37
21.09.2019

Die „Jüdische Zeitung“ erscheint monatlich in Deutschland, sie leistet einiges in ihrer Berichterstattung um Antisemitismus und Rassismus zu bekämpfen. Dabei hat das sehr interessante Blatt nicht nur Deutschland im Visier, sondern vor allem auch die Staaten in Ost- und Südosteuropa. In der aktuellen Januarausgabe der Zeitung ist ein sehr wichtiges Gespräch mit Aleksander Lebl, Vorstandsmitglied der „Jüdischen Gemeinschaft Serbiens und Montenegros“ abgedruckt. Das Gespräch ist mit der Aussage überschrieben: „Leider gibt es auch in Serbien Antisemitismus“.

Direkt wird damit dem alten Belgrader Ammenmärchen widersprochen, dass der Antisemitismus eine „Spezialität“ von anderen Nationen sei. Der Antisemitismus ist in Serbien nicht neu, sondern ein altes Phänomen. Im Jahr 1941 zählte die jüdische Gemeinschaft in Beograd 11.870 Mitglieder. Davon wurden durch die deutschen Faschisten mit Hilfe ihrer serbischen Helfer 10.500 getötet. Im Frühjahr 1942 konnte der deutsche SD-Beauftragte für Serbien an das Reichssicherheitshauptamt in Berlin melden: „Serbien ist judenfrei“. Ohne massenhafte Kollaboration durch das von dem Nedic Regime geleitete Quisling Regime, wäre dies damals nicht möglich gewesen. Gegenwärtig erlebt der serbische Antisemitismus zusammen mit dem antialbanischen Chauvinismus eine neuerliche Renaissance.


Aktueller Antisemitismus in Serbien

Graffitis - „Jüdische Parasiten raus aus Serbien“-, neonazistische Organisationen wie - „Nationale Ordnung“-, Buchpublikationen mit Titeln wie - „Jüdische Verschwörung gegen Serbien“- oder - „Warum ich Adolf Hitler bewundere“- und ähnliches mehr findet sich allerorten in Serbien. Natürlich darf die Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“ nicht fehlen. Das historisch antisemitische Produkt der alten zaristischen Geheimpolizei Ochrana, ist in Belgrader Buchläden ein gefragtes Markenprodukt. Antisemitische Literatur wird bei allen Kundgebungen der serbischen Rechten, speziell bei der „Serbischen Radikalen Partei“ SRS angeboten. Der kurzzeitige serbische Philosemitismus aus den neunziger Jahren, ist weitgehend dem Antisemitismus gewichen. In den neunziger Jahren, als serbische Faschisten Massaker in Kroatien, Bosnien und Kosova veranstalteten, besaß der serbische Chauvinismus gleichzeitig die Unverfrorenheit, „sein Schicksal mit dem der Juden“ gleichzusetzen. Nachdem im Jahr 1999 Kosova geräumt werden mußte, wurde die Niederlage nicht mit dem albanischen Kampf verbunden (das widerspricht der chauvinistischen Überheblichkeit in Serbien), sondern es wurde nach gebürtigen Juden in der US-Administration gefahndet. Die Schlagworte: „Die Juden haben uns verraten“ und die „jüdische Verschwörung gegen Serbien“ machten die Runde. Auf der Basis des antialbanischen Rassismus und dem Amselfeld Mythos wurde die perfideste und umfassendste Form von Rassismus, der Antisemitismus in Serbien reaktiviert. Wie er sich konkret in Serbien ausdrückt, erklärt das Interview mit Aleksander Lebl in der „Jüdischen Zeitung ausgezeichnet.


Auszüge aus dem Interview

Zur eigenen Person erklärt Aleksander Lebl: „Ich bin als Jude dem Holocaust entkommen, weil ich rechtzeitig aus Beograd in die italienische Besatzungszone des okkupierten Jugoslawien geflohen bin, nach Dalmatien. Später war ich im „Jüdischen Batallion der Partisanen.“

Zum aktuellem Antisemitismus in Serbien und Montenegro stellt Lebl fest: „Wir beobachten alle Erscheinungsformen des Antisemitismus, also ganz praktisch Graffitis, Vandalismus gegen jüdische Friedhöfe und Gedenktafeln beispielsweise die Zerstörung des Denkmals in Novi Sad an der Donau, wo die Ungarn Anfang 1942 rund 800 Juden, Serben und andere erschlugen und sie unter das Eis des Flusses warfen. Wir beobachten Artikel und Sendungen in den Medien, auch Publikationen und Bücher mit antisemitischem Inhalt - und davon gibt es genug. Alles gibt es, was den klassischen Antisemitismus ausmacht, physische Gewalt ist bislang noch ausgenommen.“

Über die Reaktion des serbischen Staates auf den Antisemitismus zeigte sich Lebl sehr enttäuscht. Er sagte in dem Interview, dass dagegen „fast nichts unternommen wird“. Lebl formulierte: „Wir haben eine Ausweitung der Strafgesetze verlangt, auch gegen den Hitlerkult, sind aber damit nicht durchgekommen“.

Aleksander Lebl erzählte in dem Gespräch wie serbische Nazis die Adressen von jüdischen Bürgern im Internet bekannt geben und an öffentlichen Tafeln und Häuserwänden die Namen „von Juden schreiben würden“. Oftmals nennen sich die serbischen Faschisten „Rassionalisten“ um den Zusammenhang zwischen Rassismus und Nationalismus schon im Namen deutlich zu machen.


Resümee

Gegenwärtig gibt es in Serbien und Montenegro insgesamt zwischen 1.500 und 2.000 Juden. Der serbische Chauvinismus stellt eine konkrete Bedrohung für diese Menschen dar. Seine Basis ist wilder Nationalismus, verbunden mit sozialer Demagogie. Der serbische Chauvinist ist antialbanischer Rassist, aber die Niederlagen des serbischen Nationalismus will er in seiner Überheblichkeit nicht auf die „minderwertigen Albaner“ zurückführen. Ergo benötigt er den umfassenden antisemitischen Wahn um sein krudes Gleichgewicht zu bewahren.

Quellen: „ Jüdische Zeitung“ Januar 06, http://Kosovapress.com, http://www.Kosova-Aktuell.de - Rubrik Serbien und Rubrik Geschichte.