Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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23.03.2019

Der geniale Literaturkritiker, Marcel Reich-Ranicki ist gestorben. Damit verliert die progressive Öffentlichkeit in Deutschland einen Menschen, der stets eine eigene und unkäufliche Meinung hatte. Marcel Reich-Ranicki war wie kein zweiter in der deutschen und internationalen Literatur zuhause. Als junger Mann überlebte der 1920 geborene Jude Reich-Ranicki, nur mit viel Glück den Holocaust. Seine 1999 erschienene Autobiographie „ Mein Leben“ ist eine zeitgeschichtliche Fundgrube. Seine Literaturkritik war und ist umwerfend. Wie kein zweiter lobte und verdammte er literarische Werke. Stets hatte Reich-Ranicki eine feste Meinung. Dies ist in Zeiten der neoliberalen Oberflächlichkeit nicht selbstverständlich. Immer mehr junge Menschen werden in der kapitalistischen Gesellschaft, durch das bürgerliche Bildungssystem zum fragmentierten Fachimmanent herangezogen. Der Rest wird mit Banalitäten in TV Sendern abgespeist. Dagegen protestierte Reich-Ranicki öffentlich, als er die Annahme eines TV Preises 2011 verweigerte. Er weigerte sich zusammen mit Heidi Klump, oder Dieter Bohlen, TV Preise anzunehmen. Die Intendanten des ZDF und der ARD verweigerten sich einer Diskussion mit Marcel Reich-Ranicki, über die Qualität ihres Fernsehprogramms. Jetzt sind alle Gazetten voll des Lobes über- „den Literaturpapst der von uns gegangen ist“. Der Herausgeber der FAZ schweigt sich über den Konflikt mit dem ehemaligen Chefredakteur des Feuilletons der FAZ, Reich Ranicki aus. In der Memoiren von Reich Ranichki ist zu lesen, wie der ehemalige FAZ Chef Joachim Fest, den Überlebenden des Holocausts Reich Ranichki, zu einem Abendessen mit dem Nazikriegsverbrecher Albert Speer überreden wollte. Diese ungeheure Zumutung wies Reich Ranichki selbstverständlich zurück. Viele banale Nachrufe betonen, dass sie das rollende R in den Literatursendungen seit dem Ende des „ Literarischen Quartetts“ vermissen. Wenig bis gar nicht wird darauf hingewiesen, dass Reich- Ranichki sein ganzes Leben lang dem Antisemitismus ausgesetzt war. Der angeblich große deutsche Autor Martin Walser schrieb im Jahr 2002 ein offen antisemitisches Buch gegen Marcel Reich-Ranicki. Das Buch hatte den Titel:“ Tod eines Kritikers".  Der Literat Martin Walser wünscht in seinem Buch 'Tod eines Kritikers' dem bekannten bekannten Kritiker Marcel Reich Ranicki den Tod. Ausdrücklich weißt er auf die jüdische Abstammung der Romanfigur „ Andre Ehrl König“ hin. Die Todesdrohung gegen Reich-Ranicki liest sich wie folgt: "Nimm dich in acht Andre Ehrl König, ab null Uhr wird zurückgeschlagen.” Der Verlag setzte innerhalb von drei Tagen die Erstauflage des Buches ab. In München und sicher nicht nur dort, konnte beobachtet werden, wie an den Verkaufsständen die 'deutsche Menschentraube' geduldig stand, um endlich in den Genuss einer literarisch antisemitischen Tötungsphantasie zu gelangen. Martin Walser benützte in dem Machwerk sämtliche antisemitischen Stereotypen. Der beschriebene Andre Ehrl König, ist ein Mensch der nicht richtig Deutsch kann und trotzdem „deutsche Literaten“ kritisiert. Die Romanfigur „Andre Ehrl König“ ( Reich- Ranichki ) ist „geldgeil“ und stellt „jungen blonden Frauen“ nach. Die ach so liberale SZ verteidigte damals den potentiellen Antisemiten Martin Walser. Dies hindert die SZ nicht daran , heute einen lobenden Nachruf auf Reich- Ranichki zu verfassen.

Die wirklich progressiven Menschen haben hingegen allen Grund um Marcel Reich-Ranicki zu trauern. Viele haben sich über ihn gefreut, viele haben sich über ihn geärgert. Seine Rolle im literarischem und kulturellen Meinungsstreit war herausragend. Die Person Marcel Reich - Ranichki war und ist eine ständige Mahnung im Kampf gegen Faschismus und Krieg nicht nachzulassen. Als junger Mann lebte er im jüdischen Ghetto in Warschau und musste erleben, dass nach seinem Leben getrachtet wurde. Er hatte nichts getan, die Faschisten wollten ihn nur töten weil er Jude war. Dieser Jude tat dann später mehr für den literarischen Diskurs in Deutschland als das komplette neoliberale Pragmatikerpack samt chauvinistischem Anhang.