Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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23.03.2019

 Der Herausgeber von Kosova- Aktuell Max Brym, genießt den Ruf ein bunter Vogel zu sein. Herr Brym lebt in München und ist oft in Prishtina. Im Frühjahr kommenden Jahres erscheint eine autobiografische Skizze des Lebens von Max Brym. Wir dokumentieren Auszüge aus dem Werk, welches noch nicht lektoriert ist. Der Auszug erscheint uns deshalb wichtig, weil an

dieser Stelle Begegnungen mit so unterschiedlichen Personen der Zeitgeschichte wie Hysen Terpeza, Jusuf Gervalla und Enver Hoxha erwähnt sind. Für die Redaktion Agron Sadiku

 

Dokumentation -Kosova und Albanien in Waldkraiburg- Aus dem Buch: „Es begann in Altötting“

 

 

Nach 1945 entwickelte sich aus dem Aussiedlerlager Pürten die Gemeinde und 

dann die  Stadt

 

Waldkraiburg. Hauptsächlich Menschen aus dem ehemaligen Sudetenland und aus Schlesien

 

ließen sich hier nieder. Ab Anfang der fünfziger Jahre kam ein Schwung von Albanern aus Kosova,

 

Albanien und Mazedonien in die neue Gemeinde. Diese landeten nicht zufällig hier. Bis Ende der

 

vierziger Jahre beschäftigte die US­ Armee viele ehemalige Nazikollaborateure und Ballisten (Balli

 

Kombetar) in verschiedenen US Kasernen in Bayern. Diese Leute wurden in der Nähe von

 

München ausgebildet, um anschließend via Italien als Fallschirmspringer über Albanien

 

abgesetzt zu werden. Dort sollten sie Basislager bilden und den Kampf gegen das neue

 

antikapitalistische Regime unter Enver Hoxha, in Albanien aufnehmen. Ab Ende der vierziger

 

Jahre wurden die Aktionen weitgehend sinnlos. Die albanischen Abwehrkräfte schossen die

 

Diversanten ab,oder verhafteten sie. Die US­ Basis in Neubiberg brachte diese Leute dann relativ

 

konzentriert im neu entstehenden Waldkraiburg unter. Hier bildeten sie verschiedene Clubs. Im

 

Lauf der Zeit wurden diese Herrschaften natürlich älter. Es bildeten sich verschiedene Gruppen.

 

Auf der einen Seite – offene Nazikollaborateure­, Königsanhänger ( Zogisten)­ und Anhänger von

 

Hysen Terpeza aus Kosova, welcher die meiste Zeit in New York lebte. Sein Bruder und ein Teil

 

seiner Familie lebten ständig in Waldkraiburg. Hysen Terpeza war ungefähr 3 Monate pro Jahr in

 

Waldkraiburg. Die Anhänger von Terpeza distanzierten sich zunehmend von dem offen

 

antikommunistischen Flügel in der Emigration. Hysen Terpeza selbst war in den vierziger Jahren

 

ein wichtiger Kommandeur der ballistischen Formationen in Kosova. In dieser Zeit verfolgte

 

Terpeza ein nationalistisches Konzept. Er bekämpfte die Partisanen, auf der anderen Seite hielt er

 

aber auch Distanz zu den kosovarischen Kollaborateuren. Der Widerstand gegen den serbischen

 

Nationalismus in Kosova wurde spätestens ab den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts,von

 

links her geführt. Es entstanden in Anlehnung an Enver Hoxha „ marxistisch­ leninistische „

 

Gruppierungen in Kosova und in der Emigration. Diese Entwicklung ging auch an Waldkraiburg

 

nicht vorbei. Viele sogenannte Gastarbeiter aus Jugoslawien waren Albaner aus Kosova und

 

Mazedonien. Auch in Waldkraiburg gab es Anhänger der „ Bewegung für eine albanische

 

Republik in Jugoslawien“. Der Albaner Nesa von der „ Roten Front“ ( Front i Kuq) nahm 1980

 

engeren Kontakt mit mir auf. Er empfahl mir vorsichtig gegenüber Terpeza zu sein. Er meinte aber

 

auch: „ Der Alte bekämpft uns nicht mehr, es kann nicht schaden wenn du mit ihm sprichst.“ In

 

Kosova wurde die Situation im Jahr 1981 immer explosiver. Im April 1981 kam es in Kosova zu

 

Massendemonstrationen gegen die ökonomische und politische Benachteiligung der Albaner. Die

 

Demonstranten forderten eine Republik und mehr von dem Rohstoffreichtum Trepzas mit seinem

 

Zentrum in Mitrovoca.. Die damalige Staatsführung in Jugoslawien schlug den Aufstand

 

gewaltsam nieder. Offiziell gab es dabei 9 TOTE  tausende verschwanden in den Gefängnissen

 

Jugoslawiens. Auch in der Emigration kam es zu massiven Protesten. Ich reiste damals zu

 

Demonstrationen nach Genf, Strassburg, Stuttgart und München. Diese Reissen führte ich auch im

 

Auftrag des Arbeiterbundes durch. Dabei vermittelte mir Nesa Gesprächstermine mit den

 

führenden Personen der linken albanischen Emigration. Ich traf mehrmals Jusuf Gervalla, seinem

 

Bruder Bardhosh Gervalla und  Kadri Zeka. Jusuf Gervalla war ein ruhiger und sehr gebildeter

 

Mann. Er betonte in den Gesprächen, dass es ihm nicht darum gehe, das serbische Volk zu

 

bekämpfen. Sein Bruder Bardosh ergänzte: „ Das serbische Volk kann nur frei sein wenn es keine

 

anderen Völker unterdrückt.“ Kadri Zeka war eher laut und sehr selbstbewusst. Er bezeichnete sich

 

als Marxist­ Leninist und nannte Enver Hoxha „ unseren großen proletarischen Führer“. Im Januar

 

1982 wurden alle drei Nachts in Untergruppenbach bei Heilbronn von jugoslawischen UDBA

 

Agenten erschossen. Die deutsche Presse schrieb über „ Differenzen im kriminellen Milieu“.

 

Diese Darstellung erfolgte wieder besseres Wissen. In der damaligen Zeit gab es ausgezeichnete

 

Beziehungen zwischen der BRD und Jugoslawien. Selbstverständlich nahm ich an der Beerdigung

 

der drei Genossen in Stuttgart  teil. Eine der Trauerreden hielt Ibrahim Kelmendi. Vor zwei Jahren

 

publizierte Kelmendi in Kosova den Roman „Attentat“. Darin erhebt Kelmendi schwere Vorwürfe

 

gegen heute führende Politiker in Kosova. In Interviews nannte er Namen von Leuten welcher seiner

 

Meinung nach als albanische UDBA Agenten in das Attentat verwickelt waren. Die jugoslawische

 

Propaganda behauptete damals, dass die Volksbewegung in Kosova „ irredentistisch“ und „

 

konterrevolutionär sei. Die jugoslawische Propaganda schreckte  vor keiner Lüge zurück.

 

An einem bestimmten Tag im Frühjahr 1982 warf irgendwer eine Bombe auf die jugoslawische

 

Botschaft in Tirana. Dabei entstand geringer Sachschaden. Einige jugoslawische Zeitungen

 

schrieben folgenden Unsinn: „ Die albanischen Stalinisten haben geheim den Faschisten Terpeza

 

nach Albanien eingeflogen. Dieser Naziterrorist warf die Bombe.“ Der angebliche Naziterrorist

 

Terpeza saß nur an dem Tag an dem die Bombe geworfen wurde mit mir im Kaffe Wimösterer in

 

Waldkraiburg. Er war damals schon weit über siebzig Jahre alt. Eine Gegendarstellung der

 

jugoslawischen Pressemeldungen lehnte sowohl die „ Süddeutsche Zeitung“ als auch der „

 

Spiegel“ ab. Damit es zu keinen Missverständnissen kommt, ich war damals ein begeisterter

 

Anhänger von Enver Hoxha. Bis heute habe ich sämtliche Werke von Enver Hoxha im

 

Bücherschrank. Damals bemühte sich Albanien darum, als „ Leuchtturm des Sozialismus in

 

Europa“ dazustehen. Es gab „ Radio Tirana“ nicht nur in deutscher Sprache. Alle Werke von

 

Hoxha,aber auch Romane von Kadare und Agolli,, wurden ins Deutsche übersetzt. Albanien hatte

 

den Anspruch das revolutionäre Zentrum in der Welt zu sein. Der Arbeiterbund dem ich angehörte

 

war nicht die offizielle Bruderpartei der Partei der Arbeit Albaniens. Als Bruderpartei galt die

 

KPD/ML . Dennoch gab es Beziehungen mit Albanien. Meine Hoxha­ Begeisterung wurde im

 

Arbeiterbund nicht geteilt. Der Arbeiterbund berief sich auf die Mao Tse Tung Ideen, wohingegen

 

Hoxha im Jahr 1978 China wegen der „ Drei Welten Theorie““ angriff und dabei auch Mao scharf

 

attackierte. Der Arbeiterbund lehnte gleichfalls diese „ neue chinesische Theorie“ ab,verteidigte

 

aber gleichzeitig Mao Tse Tung. Die vulgärmarxistische „Drei Welten Theorie“ ging von den zwei

 

Hauptfeinden der Menschheit, dem „ Sowjetischen Sozialimperialismus“ und dem „ US­

 

Imperialismus“ aus.  Dagegen gelte es ein klassenübergreifendes Bündnis der zweiten Welt und

 

der dritten Welt zu schaffen. Wir machten damals Witze über diese unsinnige Theorie. Ein

 

Genosse sagte mir: „“ Vorwärts mit Strauß und Pinochet gegen Moskau und Washington.“  An

 

dieser unsinnigen Theorie ging in Deutschland die Horlemann Semmler KPD und der KBW 

 

zugrunde. Später schafften es   viele Figuren von KPD und KBW,aus der Generation 50 plus X 

 

wichtige Funktionen bei den Grünen und teilweise in der SPD zu übernehmen. Auch einige lange

 

in Albanien lebenden „ Kämpfer“ und „ Übersetzer“ sind heute gefragte Balkanspezialisten in der

 

bürgerlichen deutschen Presselandschaft.  Besonders Joachim Röhm sei  hier genannt. Dieser

 

hundertfünfzigprozentige Ex­ Stalinist, versuchte mich vor einigen Jahren anlässlich einer Debatte

 

mit Ismail Kadare in München als „ unbelehrbaren Kommunisten“ abzustempeln. Meine Hoxha Sympathie

 

erhielt im Jahr 1983 einen schweren Dämpfer, als Röhm noch brav in Reih und Glied in Tirana

 

stand. Eine Delegation wurde von Enver Hoxha in Tirana empfangen. Unsere Delegation lauschte

 

fünf Stunden lang den Ausführungen des „ Genossen Hoxha“. Dabei rauchte Enver Hoxha eine

 

Zigarette nach der anderen und trank viel Kaffe mit viel Zucker. Plötzlich erschien gebeugt der

 

spätere Antikommunist und albanische Ministerpräsident Sali Berisha, im Raum. Damals arbeitete

 

er als Herzspezialist in der unmittelbaren Umgebung von Enver Hoxha. Schüchtern sagte Berisha:

 

„Genosse Hoxha rauchen Sie nicht soviel und trinken Sie weniger Kaffe.“ Daraufhin fauchte ihn

 

Enver Hoxha an:: „ Ich bin Marxist­ Leninist und ich habe bereits einen Artikel gegen dein

 

medizinisches Gutachten geschrieben. Hau ab.“ Wie ein geprügelter Hund verließ daraufhin Sali

 

Berisha den Raum. Mir stellten sich dabei , die Nackenhaare auf. Irgendetwas stimmte nicht im

 

Staate „Dänemark­“ Albanien. Zurück in Deutschland suchte ich langsam nach einer linken

 

Erklärung für die Deformation und die bürokratische Willkürherrschaft auch in Albanien. Ich

 

begann systematisch die Werke von Leo Trotzki zu lesen. Meinen Genossen in München und

 

Waldkranburg sagte ich davon kein Wort. Ich nahm weiter an Schulungen teil, in denen die

 

Geschichte der KPDSU von 1938 gelehrt wurde. Öffentlich verteidigte ich weiter den Genossen

 

Stalin und das „ sozialistische Albanien“. Natürlich war dieser Loslösungsprozess vom Stalinismus

 

nicht einfach. Dennoch ist es mir heute ein Rätsel wie man Meinungen ernsthaft nach außen

 

transferieren kann, obwohl man selbst nicht mehr glaubt was man sagt. Ich kann mir diese Phase

 

als Dr. Jekyll und  Mr. Hyde nicht mehr erklären. Nun gut ich bin kein Psychologe und

 

sicher setzte der Prozess in Richtung neuer Wahrheit nicht von heute auf morgen ein. Erst im Jahr

 

1987 brach ich mit dem Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD.

 

Max Brym

 

 

Dokumente Spiegel Artikel zu den Morden an Jusuf Gervalla-Bardosh Gervalla und Kadri Zeka

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14338796.html

 

Zur Person Jusuf Gervalla

http://www.google.de/imgres?biw=1239&bih=623&tbm=isch&tbnid=s_3GAFOn0jn1YM:&imgrefurl=http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php%3Fid%3D11600&docid=olzcdDVWtPr-hM&imgurl=http://www.nrhz.de/flyer/media/11600/gervalla_gitarre01.jpg&w=440&h=329&ei=BWKYUvXSF6HgygPLkYGwDQ&zoom=1&iact=hc&vpx=132&vpy=197&dur=6028&hovh=194&hovw=260&tx=175&ty=113&page=1&tbnh=148&tbnw=193&start=0&ndsp=25&ved=1t:429,r:1,s:0,i:84

 

 

Bild Hysen Terpeza

 

 

Bild Jusuf Gervalla

 

 

Bild Enver Hoxha