Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
15:31
21.03.2019

Der Autor des Buches Max Brym aus München, beschreibt aus linker Sicht die Lage in Kosova. Besonders ausführlich wird der Privatisierungsprozess in Kosova beschrieben. Damit ist eine ziemliche Lücke auf dm deutschen Buchmarkt geschlossen worden.Der Autor behandelt Kosova aus einer internationalen Sicht heraus. Nach dem lesen des Buches ist man nicht nur ausgezeichnet informiert, sondern hat einen neuen

Blick auf die Region. Es drängt sich der Eindruck auf, dass Kosova nichts anderes ist, als ein neoliberales kapitalistisches Versuchslabor. Es geht um die Verschleuderung von enormen Rohstoffreichtümern in Kosova. Das Ganze nennt sich Privatisierungsprozess. Dieser Prozess wurde maßgeblich unter deutscher Leitung initiiert. Bis 2008 verantworteten u.a. die ehemaligen deutschen Chefs der UNMIK, Joachim Rücken und der deutsche Kaviardiplomat Michael Steiner, den Privatisierungsprozess. In dem Buch wird nachgewiesen, wie dieser Prozess zur Massenverarmung in Kosova bis heute entscheidend beiträgt. Letzteres befriedigt den Ost - Ausschuss der deutschen Wirtschaft ( OA). Ausführlich belegt der Autor wie maßgebliche deutsche Wirtschaftsvertreter den kosovarischen Ministerpräsidenten Hashim Thaci, dabei unterstützen, keinerlei soziale Standards zu dulden. Dabei wird auch auf die Konkurrenz verschiedener imperialer Mächte bezüglich des Zugriffes auf den Reichtum Kosovas verwiesen. Nach Angaben der Gewerkschaft BSPK kostete der Privatisierungsprozess bis dato 76.000 Arbeitsplätze. Durch die Privatisierung haben und 50% der Arbeiter ihre Arbeitsplätze verloren. Der Prozess der Privatisierung hat die Tendenz rentable öffentliche Unternehmen in privatkapitalistische Monopole umzuwandeln. Die Privatisierung des Stromverteilers KEDS führte bereits zu massiven Preissteigerungen. Das rentabelste öffentliche Unternehmen Kosovas die „ Post und Telekommunikation ( PTK) soll an eine dubiose deutsche Firma aus Hamburg gehen. Allein zwischen 2007 und 2011 führte die PTK 400 Millionen Euro an Gewinnen an den Staatshaushalt Kosovas ab. Der Kaufpreis für die PTK ist wesentlich geringer. Durch die Privatisierung der PTK gehen öffentliche Einnahmen und Arbeitsplätze verloren. Der Privatisierungsprozess in Kosova ist ein krimineller Akt, welcher die Lebensgrundlagen Kosovas zerstört. Der moderne Gigant Ferronikel in Drenas wurde im Jahr 2006 für 33 Millionen Euro verkauft. Nach Untersuchungen von internationalen Experten hat Ferronikel einen Wert von 2,5 Milliarden Euro. Die israelische Tageszeitung „ Haaretz“ brachte eine Reportage, wonach zusätzlich 3 Millionen Euro an Schmiergeldern an bestimmte Personen bezahlt wurden. Die Belegschaft in Ferronikel wurde nach der Privatisierung halbiert. Die enormen Profite wandern ins Ausland, keinerlei Arbeiterrechte und Umweltstandards werden respektiert.


Perspektiven und Widerstand


Der Autor gibt sich lobenswerter Weise nicht mit der Beschreibung der Faktenlage in Kosova zufrieden. Der Autor schreibt: „ Die Privatisierung muss nicht nur gestoppt, sondern in vielen Fällen rückgängig gemacht werden. Kosova benötigt einen demokratisch von unten bestimmten Plan, um seine Reichtümer -in eigener Regie- zum Nutzen der Allgemeinheit einzusetzen. Dazu bedarf es einer starken reaktivierten Arbeiterbewegung mit klarem demokratisch- sozialistischen Profil. Der Rohstoffgigant Trepca war einst einer der wichtigsten Devisenbringer Jugoslawiens. Trepca muss als Kombinat wieder in Gang gesetzt werden. Dabei ist die Überwindung der ethnischen Teilung Mitrovicas nötig. Es geht nicht um ethnische Interessen, sondern um die gemeinsamen Klasseninteressen der Arbeiter.“ In der Tat, Trepca war einst der zweitgrößte Produzent von Chrom, Nickel, Kupfer und Blei in Europa. Zudem befinden sich in den Gruben hohe Gold und Silbervorkommen. Der Wert Trepcas wird von allen Experten auf 500 bis 1000 Milliarden Euro geschätzt. Die Förderung und die Verarbeitung dieser Werte würde zehntausende neuer Arbeitsplätze schaffen. Jegliche Privatisierung hingegen dient nur dem privaten Profit, sowie dem kostengünstigen Abtransport der Rohstoffe. Der Autor bringt viele Beispiele von Widerstandsaktionen gegen die Privatisierung und die ethnische Teilung des Landes. Nach Brym muss es darum gehen in Kosova wieder richtige Gewerkschaften zu bekommen und vor allen Dingen die großen Privatbanken zu enteignen. Den kosovarischen Bankensektor dominieren die österreichische Raiffeisenbank, die deutsche „ Pro Credit Bank“ und die türkisch französische TEB Bank. Oftmals werden landwirtschaftliche Kredite zu einem Effektivzins von 19% vergeben. Dadurch wird die Landwirtschaft stranguliert. Als Ziel benennt der Autor den kleinen und mittleren Bauern die „ Schulden sofort zu streichen“.


Das Buch von Max Brym sollte gerade in Deutschland von vielen Gewerkschaftern und engagierten Menschen gelesen werden. Das „ neoliberale Versuchslabor Kosova“ ist auch ein Versuchslabor bezüglich Deutschland. In dem Labor Kosova wird getestet was in einer bestimmten Situation gegen die Interessen der einfachen Menschen durchgesetzt werden kann.

Dokumentation aus http://www.ciao.de/Kosova_Kolonie_und_neoliberales_El_Dorado_Max_Brym__Test_8953093