Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
15:28
21.03.2019

Der Herausgeber von Kosova- Aktuell Max Brym, genießt den Ruf ein bunter Vogel zu sein. Herr Brym lebt in München und ist oft in Prishtina. Im Frühjahr kommenden Jahres erscheint eine autobiografische Skizze des Lebens von Max Brym. Wir dokumentieren Auszüge aus dem Werk, welches noch nicht lektoriert ist. Der Auszug erscheint uns deshalb wichtig, weil an

 

dieser Stelle Begegnungen mit so unterschiedlichen Personen der Zeitgeschichte wie Fehmi Lladrovci , Adem Demaci und Mahmud Bakalli erwähnt sind. Außerdem wird in dem Auszug die Mehrheit der deutschen Linken wegen ihrer Haltung zu Kosova ,in den Jahren 1999 bis 2000 verrissen. Für die Redaktion Agron Sadiku

 

Dokumentation Aus dem Buch: „Es begann in Altötting“

Fehmi Lladrovci in München unsere Haltung zur UCK

 

Meine Kontakte zur albanischen Emigration bestanden auch in München. Mit besonderer Liebe

erinnere ich mich an einige Gespräche mit Fehmi und Xheve Lladrovci, in München. Fehmi

Lladrovci gab in den neunziger Jahren das erste Interview eines UCK Kämpfers in Uniform, dem

britischen Fernsehsender BBC. In dem Interview nannte Lladrovci „ Europa eine alte Hure“ was

den Befreiungskampf in Kosova anging. Lladrovci meinte damit, dass den kapitalistischen EU

Ländern und den USA das Schicksal des Volkes in Kosova egal sei. In privaten Gesprächen

meinte Ladrovci: : „Der Imperialismus deckt Milosevic solange der Schlächter Milosevic Stabilität

auf dem Balkan garantiert. Wir müssen uns  selbst befreien sonst wechselt nur der Kolonialherr.“

Fehmi und seine Frau Xheve starben im Herbst  1998 in Kosova in der Nähe von Drenas im

Gefecht. Fehmi und Xheve waren Mitglieder der LPK ( Volksbewegung Kosovas). Beide standen

politisch links. Heute gelten die Beiden als Volkshelden in Kosova. Die wenigsten sprechen von

der politischen Orientierung der Lladrovcis. Auch nicht der Bruder von Fehmi, Ramiz Lladrovci.

Ramiz Lladrovci ist heute Parlamentsabgeordneter für die Regierungspartei PDK. Wir unterstützen

seit dem Jahr 1998 politisch den gerechtfertigten Befreiungskampf der UCK in unseren

Publikationen. Dies brachte uns tiefe Feindschaft vieler „ Linker“ und „ Pseudolinker“ in München

ein. Letztere glaubten doch tatsächlich, dass Milosevic ein „Sozialist“ sei oder anders ausgedrückt:

„Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. In dieser Zeit hatten wir auch nähere Kontakte mit

Shukri Klinaku von der LKCK ( Nationale Bewegung für die Befreiung Kosovas). Die LKCK

spaltete sich 1993 von der LPK ab. Sie kritisierte die LPK scheinbar von links her. Heute sind alle

wesentlichen Kader der LKCK in der LB in Kosova organisiert. Diese LB ist mit zwei

Abgeordneten ist heute brav und angepasst im Parlament  und kritisiert die „ Bewegung für

Selbstbestimmung“ ( VV)  wegen ihrer „ Radikalität,“, aber davon später mehr.

 

Kosova oder über Pseudolinke Verleumder und Spinner

 

Wir als KPF München  in der PDS hatten wegen der Kosova­ Frage zunehmend Differenzen mit

der „ Parteimehrheit“,der DKP,  der „ Friedensbewegung“ und dem Arbeiterbund in München.

Immer wieder wurden Gerüchte gestreut, dass „“der Brym von den UCK Faschisten gesteuert sei“.

Besonders eine Abordnung der serbischen Gemeinde in München beschimpfte uns, während der

NATO­ Aggression gegen Jugoslawien wild.  Dabei fanden damals sehr komische

Antikriegsdemonstrationen  in München statt. An der Spitze sah man Fahnen der PDS und der

DKP,dann Fahnen der serbischen Tschetniks, Milosevic Bilder und ähnliches. An einem bestimmten

Tag mobilisierten wir einige Albaner zur Antikriegsdemo. Sie nahmen aus verständlichen Gründen

nicht an der Demonstration teil. Denn aus dem serbischen Block ertönte der Ruf: „Tod allen

Albanern“. Dies thematisierten wir auf der nächsten Sitzung des Münchner „Bündnisses gegen

Rassismus“. Wir wurden wild angefaucht und als NATO Agenten hingestellt. Offen wurde die

Kampagne der serbischen Gemeinde und der Tschetniks folge geleistet. Bestimmte Gehirne der

sich links schimpfenden Gruppierungen folgten der primitiven Logik: „ Der Milosevic muss gut

sein, er kämpft gegen die NATO“. Nach einer Debatte im Gewerkschaftshaus zum Krieg in

Jugoslawien zwischen dem deutschlandpolitischen Sprecher der UCK, Rexh Iberdemaj und einem

Vertreter der sogenannten „ Jugoslawischen Linken“ flog ich in hohem Bogen aus dem Münchner

„Bündnis gegen Rassismus“ hinaus. Die Masse der dort auftretenden Personen von den

„Altautonomen“ und dem DKP Sprecher Walter Listl, konnten sich keine Argumentation gegen

den Jugoslawienkrieg vorstellen, die sich nicht auch gegen Milosevic wandte. Die Dummheit und

die antimarxistische Logik hatte sich der Gehirne einiger sogenannter Linker bemächtigt. Die

französische Linke hatte während des Krieges der NATO gegen Jugoslawien eine mehrheitlich

andere Orientierung. Dazu war die französische Linke auch genötigt, denn die französischen

Faschisten von der „ Front National“ gingen für Milosevic auf die Straße. Die Hauptparole der

französischen Linken war: „ Gegen die NATO und Milosevic­ Selbstbestimmung für Kosova“.

 

Unsere Haltung zu Kosova und zum NATO Krieg

 

Wir lehnten den Vertrag von  Rambouillet ab. In diesem Vertrag wurde dem

Selbstbestimmungsrecht Kosovas eine klare Absage erteilt. Außerdem teilten wir die Haltung von

Adem Demaci, damals politischer Sprecher der UCK. Demaci betonte , dass die Unterschrift unter

den Vertrag von  Rambouillet das „ albanische Volk entwaffne“ und dem serbischen Terror in

Kosova „ Tür und Tor öffne“. Wir argumentierten gegen die NATO Luftangriffe grundsätzlich

betonten aber auch den Aspekt, dass durch die Luftangriffe Zivilisten getroffen würden, was

wiederum den serbischen Faschismus stärke. In der Tat, die serbischen Tschetniks führten eine

Massenmobilisierung gegen „ die Albaner in Kosova durch“. Ihre Argumente waren: „ an die

Flugzeuge kommen wir nicht heran, aber an die Albaner am Boden“. Die Folge waren knapp 1.

Million Vertriebene aus Kosova und die Tötung von knapp 14.000 albanischer Menschen. Zu 85%

wurden dabei unbewaffnete Zivilisten getötet. Dies alles stellte die Pseudolinke in München in

Abrede.  Wir unterstellten ihnen „schlecht getarnten antialbanischen Rassismus“ und

„Ahnungslosigkeit“. Diese Linke konnte auch nicht lesen. Der ehemalige EU Bevollmächtigte für

den Balkan, Wolfgang Petritsch, gab 1999 ein Buch mit dem Titel „Kosovo Kosova“ heraus. In

dem Buch ist zu lesen, wie 1998 das erste Gespräch des US Botschafters in Jugoslawien mit dem

UCK Kommandant Lum Haxhiu stattfand. Der US­ Amerikaner erwartete ein Treffen mit einem

islamischen Fundamentalisten, deshalb zog er sich die Schuhe vor dem Treffen aus. Kommandant

Haxhiu hingegen trug Militärstiefel Auf die Frage des US Sondergesandten wer denn der Herr auf

dem Bild hinter ihm sei antwortete Haxhiu: „Das ist Enver Hoxha unser Vater“. Daraufhin schrieb

Petritsch in seinem Buch: „ Wir waren gezwungen eine verhandlungsbereite Gruppe innerhalb der

UCK zu identifizieren, diese Gruppe fanden wir schließlich in der Gruppe um Hashim Thaci.“

Immer wieder geht Petritsch in seinem Buch auf den „ Querulanten Demaci“ ein und beschreibt

wie es gelang diesen und andere „ auszuschalten“.  Die Mehrheit der Linken in München und in

 

Deutschland ignorierte all diese Widersprüchlichkeiten und nannte die UCK prinzipiell „

faschistisch“ Die Erkenntnisse des Philosophen Hegel, „“ das Entscheidende ist die Differenz“ ging

völlig an dieser wirklich deutschen Linken vorbei.Mit unserer  dialektischen Argumentation

blieben wir in der Münchner Linken weitgehend  isoliert..

 

Aktivitäten zu Kosova in München im Jahr 2000

 

Im Februar  2000 reiste ich auf Einladung der Bergarbeitergewerkschaft in Mitrovica nach Kosova.

Die Gewerkschaft feierte dort den 11. Jahrestag des Hungerstreiks in der Mine von Trepca gegen

die angedrohte Aufhebung der Autonomie Kosovas durch Milosevic.Auf der Kundgebung hielt ich

ein längeres Grußwort. In dem Grußwort forderte ich die Arbeiter auf sich Trepca nicht

wegnehmen zu lassen. Im Jahr 1999 hinderten französische Soldaten die Arbeiter daran, die

Produktion im Bergbau wiederaufzunehmen. Einst war Trepca ein Riesenkombinat mit fördernden

und verarbeiteten Kapazitäten. Bis weit in die achtziger Jahre war Trepca die zweitgrößte

Förderstätte für Chrom Nickel Zink und Blei in Europa. In den neunziger Jahren verkaufte

Milosevic Anteile von Trepca an einen griechischen und französischen Investor. Nach einigen

Wochen wütender Proteste durften Bergarbeiter in die Mine um sie instand zu halten. Klar nach

einiger Zeit besteht die Gefahr dass Bergbauminen absaufen. Die Arbeiter hielten über Monate die

Minen instand. Eine Bezahlung gab es nicht. Über die Situation sprach ich länger mit Aziz Abrashi

( ehemaliger Direktur) und mit Xhaver Nuli von der Bergarbeitergewerkschaft. Beide erzählten

mir, dass die Bergarbeiter dringend Hilfe bräuchten. Die Bergarbeiter hatten weder

Sicherheitsanzüge noch Helme. Außerdem sprach ich in Prishtina mit Adem Demaci und dem

Opportunisten Mahmud Bakalli ( Bakalli war einst Chef des titoistischen Bundes der

Kommunisten) in Kosova. Mahmud Bakalli betonte in seinem Wohnzimmer in Prishtina, „ dass er

immer Demokrat und nie Kommunist gewesen sei.“ Anschließend erklärte mir Bakalli die ganzen

Jagttrophäen in seinem Haus. Dies lief wie folgt: „Diesen Hirschen habe ich zusammen mit Tito

dort und dort geschossen. Oder  dieses Geweih stammt von einem Jagdausflug der Parteileitung“.

Das einzige was ich Bakalli glaubte war, dass er ein fanatischer Jäger und nie Kommunist war. 

Für

mich war Mahmud Bakalli immer nur Mahmud Bakalli ein Mensch ohne politische Haltung. Ein

Opportunist, der seine Fahne nach dem Wind hängt. Was für ein Gegensatz zu Adem Demaci der

28 Jahre für seine Überzeugung in Haft war, was für ein Gegensatz auch zu den ehrlichen

 

Arbeitern in Mitrovica.

 

Solidarität mit der Bergarbeitergewerkschaft in Mitrovica

 

Umgehend nach meiner Rückkehr nach München starteten wir eine Kampagne unter dem Motto:

„Solidarität mit der Bergarbeitergewerkschaft in Mitrovica“. Wir riefen zur politischen Solidarität

mit der Bergarbeitergewerkschaft auf. Wir verteidigten ihr Recht auf ihren Betrieb aus dem sie

Milosevic einst hinauswarf. Wir unterstützten ein Papier der Gewerkschaft indem sie genau

errechnete, dass sie nur 200 Millionen Dollar benötigten um den Betrieb wieder in Gang zu

bringen. Nach den Berechnungen der Gewerkschaft würden sie bereits nach einem Jahr Produktion

den Kredit bezahlen können. Die UNMIK lehnte das Papier ab. Außerdem forderten wir materielle

Solidarität mit der Gewerkschaft. Viele Betriebsräte aus München zb. Wolfgang Linke

unterstützten den Appell, auch der bekannte ehemalige Chefredakteur der IG­ Metall Zeitung –

„Metall­“ Jakob Moneta­ aus Frankfurt am Main.erklärte sich solidarisch. Leider ging der

Solidaritätsappell nur durch die Presse. In Italien entschloss sich die Bergarbeitergewerkschaft

aufgrund dieses Appells zur praktischen Solidarität. Diese Gewerkschaft sammelte Geld, stellte

einen Transport zusammen und brachte den Bergarbeitern in Mitrovica Schuhe, Schutzanzüge

Helme und Geld. In den „ Münchner Lokalberichten“ ließ sich hingegen der ehemalige Arbeiterbündler Michi Brücher, jetzt als PDS Mitglied darüber aus: „ Warum er den Appell zugunsten der Bergarbeitergewerkschaft nicht unterschreibt.“ Brücher ignorierte alle Fakten und erklärte die Bergarbeitergewerkschaft für nationalistisch. Blöder gings nicht mehr.