Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
15:53
21.03.2019

Das Buch von Max Brym „ Es begannen Altötting“ hat mich ziemlich fasziniert und gefesselt. Natürlich hat das ganze auch einem persönlichen Aspekt. Der Autor ist mir persönlich bekannt Sein verstorbener jüdischer Vater und sein jüdischer Onkel, beides Überlebende der Shoah kannte ich ebenfalls. Zufällig ist der 57 -jährige Max Brym in dem stockkatholischenAltötting geboren. Sein Vater übersiedelte im

Jahr 1970 von dort nach Israel und verstarb im Jahr 2001 in Holon. Sein Onkel Henrik Brym, ist in München mit knapp 100 Jahren im Jahr 2011 gestorben. Der für mich junge Max Brym, war immer ein bestimmter Außenseiter, sowohl in der jüdischen Community sowie zunächst einmal in der oberbayerischen Provinz. Sehr jung begann er sich politisch zu engagieren. Nicht gerade zufällig, fing er Anfang der siebziger Jahre an sich mit dem Marxismus zu beschäftigen. In der Autobiografie nennt Brym, als ganz wesentlichen Grund den Versuch begreifen zu wollen, wie es zu dem Zivilisationsbruch Auschwitz , kommen konnte. Die Eltern das Erlebnisgeneration sprachen über die Shoah mit ihren Kindern sehr selten .Die oberbayrische Provinz mit den Städten Altötting und Waldkraiburg, waren einerseits geprägt von tiefschwarzen CSU- lern in Altötting, aber auch durch Antisemiten und Altnazis speziell in der Vertriebenenstadt Waldkraiburg. Der Autor beschreibt sehr eindringlich und zum Teil sehr witzig, wie er sich mit den Reaktionären in den genannten Städten anlegte. Aber das Buch ist keine

Provinzgeschichte, obwohl einige Provinzpossen vorkommen.Brym kann als stetiger Suchender begriffen werden, der die verschiedenen orthodox kommunistischen, und zum Teil trotzkistischen Zirkel durchlief. Seine Geschichte ließ sich auch wie ein Crashkurs in Sachen K- Gruppen, der Siebzigerjahre. Dies ist für die jüngere Generation durchaus von Bedeutung. Ab einem gewissen Lebensalter siedelte der Autor nach München über. Auch hier engagierte er sich in politischen Gruppierungen. Heute ist er Mitglied der Partei die Linke und auch dort ist er nicht ganz unumstritten. Immer nahm Brym gegen den Antisemitismus in seinen verschiedenen Formen Stellung. Dabei werden auch Leute beim Namen genannt, die von links nach rechts wechselten. Darunter solche Personen wie der Diplomphilosoph Peter Feist, aus Berlin, den Brym persönlich kannte. Aber auch der Herausgeber des Compaktmagazins Jürgen Elsässer, wird benannt und kritisiert. Letzteren kennt Herr Brym zwar nicht persönlich, aber im Jahr 2006 widmete Elsässer als damaliger „Junge Welt“ Autor Herrn Brym eine halbe Zeitungsseite. In dem Artikel bezeichnete Elsässer - Brym als „rechten und albanischen UCK Mafia Agenten“. Heute stehen Elsässer und Feist politisch ganz rechts und propagieren eine nationalistisch zum Teil antisemitische Querfront zur „Rettung Deutschlands“. Das entscheidende Problem Bryms scheint es zu sein,, dass er versuchte und versucht hat ,die Dinge stets kritisch zu hinterfragen. Sein Verständnis von Marxismus ist relativ unorthodox. Max Brym widersprach stets der einfachen metaphysischen These, dass der „Feind meines Feindes automatisch mein Freund ist“. Aus diesem Grund nahm Brym Stellung gegen das Milosevic Regime. Brym trat für das Selbstbestimmungsrecht der Menschen im Kosova ein , ohne dabei die NATO zu unterstützen. Diese spritzige Dialektik brachte dem Autor so manche Feindschaft und primitive Verleumdungen ein.Brym unterrichtete einige Jahre an der Universität in Prishtina, als Gastdozent. Aus dieser Zeit resultiert seine Bekanntschaft mit Albin Kurti , Visar Yimeri und anderen wichtigen Personen der „Bewegung für Selbstbestimmung“ ( VV) in Kosova. In seinem Leben hat Brym nicht nur Provinzbürgermeister getroffen, sondern auch eine Unmenge anderer Personen, direkt kennen gelernt. Darunter den ehemaligen albanischen Parteichef Enver Hoxha, aber auch den berühmten Chefideologen der Vierten Internationale Ernest Mandel. Die Autobiografie ist interessant und gleichzeitig sehr amüsant. Sie berichtet von Erkenntnissen aber auch von Irrungen und Wirrungen des Autors. Immer wieder war Brym bereit bestimmte Positionen zu hinterfragen. Dies ohne jedoch den marxistischen Axiomen abzuschwören. Letzteres unterscheidet den Autor sehr positiv von vielen Ost und Westdeutschen Wendehälsen. Ich kann die Biografie sowohl zur Unterhaltung als auch zur zeitgeschichtlichen Information jedem und jeder positive empfehlen. Max Brym ist ein spezieller Typ, von jüdischen Haudegen wie man ihn nur noch selten antrifft.

 

Buchbestellungen im Buchhandel oder über die bekannten Großhändler

 

http://www.swb-verlag.de/verlag/buecher/es-begann-in-altoetting/

 

 

Dokumentation Autorengespräch mit Max Brym

 

https://www.youtube.com/watch?v=uKRkIrgfkno