Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
13:30
26.10.2020
Brief einer LPV Aktivistin aus Prishtina an die Redaktion von Kosova-Aktuell. -Die Polizei setzte international geächtete Plastikgeschosse ein-.

Prishtina 13.02.07 Seit Samstag möchte ich euch und anderen schreiben und komme erst jetzt dazu. Heute war die Beerdigung von Arben Xheladinaj, ein Demonstrant vom 10.02. Morgen ist die Beerdigung von Mon Balaj ebenfalls ein Demonstrant. Ein anderer ringt um sein Leben und ist immer noch im Koma, er hat schwere Verletzungen am Herz und an der Leber.

Was geschehen ist, ist einfach unfassbar. Menschen mit leeren Händen wurden beschossen. Um das dann quasi zu rechtfertigen sagte man, die Demonstranten wollten ins Parlament eindringen, was ich, was ich garantieren kann nicht stimmt. Glauk ( Konjufza) hat es richtig ausgedrückt:"Wenn wir ins Parlament eindringen wollten, würden wir das bestimmt nicht mit leeren Händen tun, wir würden es mit Waffen tun." Wir hatten einfach nichts in den Händen. Kein einziger von uns. Die Barrikaden waren auch nicht um das Parlamentsgebäude errichtet worden sondern mitten auf der Strasse wo der Marsch geplant war. Wir wollten die Barrikaden durchbrechen und unseren Weg weiter durch die Stadt gehen.Als wir mit Aktivisten und Ärzten im Krankenhaus sprachen, sagten die uns, dass Patronen die man ihnen aus ihren Körpern entnommen hatte, von der Polizei konfisziert wurden. Warum? Ärzte hatten bestätigt dass einige Plastikpatronen nur außen durch Plastik umhüllt waren, innen jedoch Metall hatten. Man bemerkte dies als bei Röntgenaufnahmen (Plastik kann man anscheinend nicht erkennen Metall aber schon)  Metallteile in den Köpfen der Toten zu sehen waren. Außerdem ist unglaublich, dass Plastikpatronen (mit Metallfüllung) seit dem "Bloody Sunday" in Irland, durch ein internationales Abkommen 1975 verboten worden waren zum Einsatz kamen. Diese Geschosse hatten in Irland viele Menschenleben gekostet. Plasitkpatronen ohne Metallfüllung dürfen laut internationalen Regeln nur bis zur Hüfte und darunter verwendet werden, keinesfalls aber in Richtung Oberkörper. 90% der Verwundeten, wurden im Gesicht und am Oberkörper getroffen. Die zwei Toten wurden im Kopf getroffen, wie viele andere. Außerdem dürfen diese Patronen nur mit Mindestabstand von 300m abgeschossen werden. In unseren Fall waren sie bis 5m nah.

Dann die zynischen und erniedrigenden Kommentare der Politiker bzw. ihrer Sprecher..

Zu was man fähig ist um ein paar Fenster vor dem Zubruchgehen zu schützen. Man erkennt hier das der UNMIK und deren Institutionen (Parlament etc.) ein paar Fenster wichtiger sind als Menschenleben. Die Kolonialpolizei, wie ihr sie richtigerweise so gern nennt, erklärte, dass das (Gewalt welche von der UNMIK-Polizei ausging) was geschehen ist, zum Schutz der Bürger war. Welcher Bürger? Was sind wir wenn nicht Bürger? Oder meinten sie die "Bürger" die hinter der UNMIK-Barrikade oder in dem Parlamentsgebäude tätig sind? Stündlich kommen Menschen zu uns ins Büro und wollen wissen wann wir gegen die Geschehnisse protestieren. Natürlich werden wir in nicht ferner Zukunft wieder auf der Strasse sein. Diesmal hoffentlich mit noch mehr Menschen. Da diese immer mehr das wahre Gesicht der UNMIK zu sehen bekommen.

 Zu guter letzt möchte ich euch für eure Schnelligkeit danken und loben. Am Abend der Geschehnisse sahen wir uns die internationalen Meldungen im Internet an und ich bemerkte dass ihr unglaublich (Kosova-)aktuell wart.

Grüße Tung F.K.