Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
20:25
24.03.2019
Der gegenwärtige Oberbefehlshaber der KFOR in Kosova Generalleutnant Roland Kather ,wurde in der „ -aktuell- Zeitung für die Bundeswehr“ ausführlich zu seiner Einschätzung der Lage befragt. In dem Interview vom 22.11 sagte Generalleutnant Kather : „ Ich habe selten so viel bittere Armut gesehen, wie in diesem Land“ Dieser Diagnose kann man nur zustimmen. Gleichzeitig ist die richtige Beobachtung des Generalleutnants ein vernichtendes Zeugnis für die UNMIK. In der Tat, die Orientierung von Protektoratsleiter Joachim Rücker, den Reichtum des Landes vollständig zu privatisieren, stürzt die Menschen in Kosova in immer tieferes ELEND.


Die soziale Frage bewegt die Menschen in Kosova am meisten. Natürlich hat der General keinen Vorschlag wie die soziale Frage zu lösen sei, denn sonst müßte er sich selbst und das von Joachim Rücker betriebene neoliberale Privatisierungsprogramm in Frage stellen. Grundsätzlich traut er nur der „Staatengruppe“ zu die Probleme zu lösen. Klar wird in dem Gespräch, dass er jeglicher Eigenaktivität der Bevölkerung negativ gegenübersteht. Der Generalleutnant ist gegen das Selbstbestimmungsrecht der Menschen in der sozialen und nationalen Frage.



Dokumentation


„Lage im Kosovo ruhig aber nicht stabil"

 


Der Befehlshaber der Kosovo-Forces der Nato (KFOR), Generalleutnant Roland Kather, äußert sich in einem Interview in „aktuell-Zeitung für die Bundeswehr“ zur Situation im Kosovo. Er skizziert darin die Herausforderungen, die die 18.000 Soldaten aus 35 Nationen heute und künftig zu meistern haben.



Frage: Herr General, Sie sind jetzt elf Wochen im Amt als Befehlshaber der KFOR-Truppen. Was war Ihnen in dieser Anfangszeit wichtig?
 
Antwort: Es war wichtig, im Sinne von Kontinuität möglichst rasch Boden unter die Füße zu kriegen. Das heißt, in dieser sehr spannenden Zeit, die wir derzeit durchlaufen, möglichst schnell die Fäden aufzunehmen, um in dieser entscheidenden Phase mit gestalten zu können. Dazu habe ich innerhalb der ersten Tage mit den politischen Führern aller Parteien einschließlich der Oppositionsführer gesprochen.
 
Aber auch mit den religiösen Führern, um sie im Rahmen ihrer Verantwortung mit einzubinden. Ich habe dabei versucht, überall die Botschaft zu vermitteln, dass in dieser entscheidenden Zeit Gewalt außen vorbleiben muss. Gewalt genau das ist, was den Statusprozess zumindestens verzögert oder gar zum Stoppen bringt.
 
Ich habe auch mit meinen Task Forces gesprochen, aber vor allem auch mit den Menschen auf der Straße. Ich wollte unbedingt, dass die Menschen das Gefühl haben, hier ist ein Kommandeur, den man anfassen kann, mit dem man reden kann.
 
Frage: Das führt mich zu der Frage, wie Sie die Lage zur Zeit einschätzen?
 
Antwort: Die Lage im Kosovo ist ruhig, aber nicht stabil und sie ist unvorhersehbar. Das heißt, sie kann jederzeit kippen. Ich erwarte keine landesweiten Ausschreitungen, wie wir sie im März 2004 hatten.
 
Womit ich aber rechnen muss ist, dass vor allem Extremisten, die die Zeit nicht verstanden haben, sich eingeladen fühlen zu sagen, dass die internationale Gemeinschaft nicht in der Lage ist, die Probleme zu lösen und deswegen einen eigenen Weg gehen wollen. Darüber hinaus haben wir eine Reihe von kleineren Störungen, die oftmals krimineller Natur, vor allem aus dem Bereich der organisierten Kriminalität sind.
 
Aber KFOR ist jedes Mal ganz entschieden aufgetreten in sehr enger Zusammenarbeit und mit einer erfreulichen guten Kooperation mit UNMIK-Polizei. Die wirklich gute Nachricht ist, dass die ethnischen Auseinandersetzungen gegen Null zurückgegangen sind.
 
Frage: Sie sprechen sehr häufig mit den Menschen auf der Straße. Mit welchen Sorgen, Nöten oder Anliegen kommen die Menschen zu Ihnen?
 
Antwort: Das ist ganz erstaunlich. Ich bin der Meinung, dass 90 Prozent der Menschen in diesem wunderschönen Kosovo nicht an Politik interessiert sind. Das können sie auch nicht. Ich habe selten so viel bittere Armut gesehen, wie in diesem Land.
 
Dazu kommt, dass die Menschen nach diesem fürchterlichen Krieg die Nase von Gewalt gestrichen voll haben. Und deswegen bin ich absolut sicher, die Menschen würden sich mit der Statusentscheidung sofort arrangieren, weil sie darin die Zukunft sehen. Sie sind damit beschäftigt, den Alltag zu regeln und das heißt meist, eine Großfamilie satt zu kriegen.
 
Wenn es irgendwie geht, ein bisschen Geld zu verdienen, in- dem man arbeitet um einfach ein Stück weit Normalität in den Alltag zu bringen.
 
Frage: Und was liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen?
 
Antwort: Wir helfen überall dort, wo wir können. Ich habe mir im Wesentlichen das Wohl der Kinder auf die Fahnen geschrieben. Sie sind die unschuldigsten Wesen dieser Welt. Wir tun alles für die Kinder.
 
Wir bauen Kindergärten, Schulen und Bildungseinrichtungen. Wir wollen für die Kinder einfach einen ganz normalen Alltag ohne Furcht schaffen. Das ist das Ziel und das schaffen wir zunehmend.
 
Frage: Die Serben haben die Parlamentswahlen in den Januar verschoben und der UN-Gesandte für das Kosovo, Marti Ahtisaari, wird somit seinen Vorschlag zum Status des Kosovos erst nach den Wahlen im neuen Jahr und nicht wie beabsichtigt im Dezember 2006 bekannt geben. Macht Ihnen dieser veränderte Zeitplan das Leben schwerer?
 
Antwort: Wir haben immer gesagt, die Entscheidung über den Status muss aus militärischer Sicht so schnell wie möglich fallen. Sollte es zu einer Verzögerung kommen, dann muss man das erstens den Menschen erklären und zwar mit hochrangigen Persönlichkeiten.
 
Und zweitens muss das Momentum erhalten bleiben mit einem strikten klaren Zeitplan dahinter. Diese Kriterien scheinen mir nach dem Kontaktgruppentreffen vom vorvergangenen Freitag in Wien erfüllt. Information ist in diesen Zeiten eine Schlüsselangelegenheit.
 
Ich freue mich deshalb, dass sich die Übergangsregierung dazu entschlossen hat, eine Informationskampagne zu starten. Der Leiter der UN-Verwaltung, Joachim Rücker, und ich hatten sie dazu ermutigt. Man muss bedenken, dass von einer halben Millionen Menschen in Pristina vielleicht 8000 eine Zeitung lesen.
 
Frage: Sie haben im Norden des Kosovos das deutsche ORF-Bataillon (Operational Reserve Force) eingesetzt. Wann soll dieser Einsatz beendet werden?
 
Antwort: Ich werde sicherstellen, dass der letzte Soldat des ORF-Bataillons am 16. Dezember den Kosovo verlassen hat. Ich musste zweimal den Antrag stellen, das der Einsatz des Bataillons verlängert wird.
 
Die Soldaten haben dort hervorragende Arbeit geleistet und sich ein hohes Ansehen bei der Bevölkerung erworben. Es wird nicht einfach sein, einen Ersatz zu finden. Unsere Planungen sehen zur Zeit vor, weiter aus dem Camp Nothinghill zu operieren und dazu diesen Bereich mit eigenen Kräften abzudecken.
 
Frage: Und wie haben die Soldatinnen und Soldaten diese Verlängerungen aufgenommen?
 
Antwort: Sie haben die Botschaft verstanden und haben mitgemacht. Die Vorgesetzten und auch ich waren mehrfach vor Ort und haben die Notwendigkeit der Verlängerung dargestellt. In einem Einsatz, insbesondere in einer solchen Operation, kommt es maßgeblich auf offene, transparente, schnelle und vollständige Information an. Daher wurden die Verlängerungen nicht zum Problem.
 
Frage: Die UNMIK-Mission soll im nächsten Jahr enden und Vollmachten an die lokalen Behörden abgegeben werden. Wie sieht der Zeitplan aus und welche Vollmachten werden betroffen sein?
 
Antwort: Der Zeitplan steht, zumindest in der Planung. Sobald wir die Statusentscheidung haben, setzt die so genannte Übergangszeit ein. Diese ist derzeit mit 90 Tagen festgelegt.
 
In dieser Zeit sollen Aufgaben zurückgegeben werden an die eigentlichen Verantwortungsträger in diesem Land. Polizeiaufgaben sind dabei ein Stichwort. Zum anderen wird die Europäische Union den Auftrag von UNMIK übernehmen.
 
Dazu laufen ganz konkrete detaillierte Planungen mit einem Team der Europäischen Union, das bereits vor Ort ist. Hier spielt KFOR natürlich eine maßgebliche Rolle, weil es natürlich auch Sicherheitsfragen betrifft.
 
Da loten wir zur Zeit aus, was die EU tun kann und was KFOR tun muss. Aber ich betone bei dieser Gelegenheit immer wieder, dass folgendes Schema nicht funktioniert: Die UNMIK verlässt das Kosovo, die EU kann bestimmte Aufgaben nicht übernehmen, also wird KFOR diese Lücke füllen müssen. Dem werde ich nicht zustimmen können.
 
Frage: „Leiden“ Sie darunter, dass das Thema Kosovo in der deutschen Öffentlichkeit, in den deutschen Medien nicht den Niederschlag findet, den es vielleicht finden sollte?
 
Antwort: Nein, ganz im Gegenteil. Das führt dazu, dass wir hier weitgehend in Ruhe und im Sinne der Sache arbeiten können. Und das, was getan werden muss, das wird auch getan. Ich lade aber jedermann ein, zu uns zu kommen und zu sehen, was hier passiert und mitzunehmen, was hier für die Zukunft gemacht werden muss.
 
Frage: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage. Wie werden Sie Weihnachten verbringen?
 
Antwort: Frage: Es ist nach 1999, als ich Kommandeur der Multinationalen Brigade Süd in Prizren war, mein zweites Weihnachtsfest im Kosovo. Somit verfüge ich über eine gewisse Erfahrung.
 
Wir werden jeden aus seiner Nische holen und ein Stück weit deutsche Weihnachten nach Pristina bringen. Zunächst feiern wir einen Weihnachtsgottesdienst und anschließend genießen wir alle gemeinsam in unserer deutschen Betreuungseinrichtung das Weihnachtsessen.
 
Natürlich wird es auch eine gemeinsame Bescherung geben. Ich persönlich kümmere mich dabei nicht nur um die Deutschen, sondern widme mich insbesondere auch den Soldatinnen und Soldaten der internationalen Gemeinschaft, die wie wir Weihnachten feiern. Ich werde mich unter die Menschen, unter meine Soldatinnen und Soldaten mischen und mit Ihnen ein fröhliches Weihnachtsfest feiern.