Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
14:20
15.09.2019

Liebe Redaktion, mit großer Aufmerksamkeit habe ich die Autobiografie von Max Brym “ Es begannen Altötting“ gelesen. Beim Kauf des Buches habe ich mir überlegt ob es für mich als Albaner sinnvoll sein könnte- das Buch eines jüdischen Haudegens- welcher in dem katholischen Altötting geboren ist zu lesen. Schon nach wenigen Zeilen hat mich das Buch allerdings gepackt. Es wird nicht nur eindringlich

erzählt welche Rolle und Bedeutung der Antisemitismus in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte spielte, sondern man erfährt auch viel über die Entwicklung der linken Szene in der BRD nach 1968. Die Geschichten spielen nicht nur in Südost- Oberbayern sondern man gelangt zum Teil sehr amüsant beschrieben gegen Ende in Prishtina an. Die Autobiografie ist eine leicht zu lesende und spannende Geschichte, über Ereignisse in der bayerischen Provinz, aber die Story bewegt sich absolut im zeithistorischen Kontext. Als albanischer Student in Deutschland faszinierte mich besonders zu erfahren, dass es auch in Deutschland eine sehr eng an Albanien angelegte ex- maoistische Strömung gab. Intensiv werden die Begegnungen von Max Brym mit so unterschiedlichen Personen aus der albanischen Nationalbewegung, wie Jusuf Gervalla Bardosh Gervalla und Kadri Zeka, erzählt. Auch Fehmi Lladrovci  fehlt nicht. Interessant ist auch das Kapitel über die albanische Emigration in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, in dem kleinen Städtchen Waldkraiburg. Es war mir völlig neu zu erfahren, wie dort eine kleine Gruppe von albanischen Nationalisten -im Verbund mit der Gestalt Hysen Terpeza - wirkte. Natürlich hatte der Autor nichts mit dieser Szene am Hut. Er hatte Sympathie für die damalige albanische Linke. Letzteres stellt in Kosova ein verdrängtes Stück Zeitgeschichte dar. Damals bis weit in die Neunzigerjahre hinein, war die Masse der albanischen Immigranten und der Widerstand in Kosova von links her geprägt. Leider änderte sich dies gegen Ende der Neunzigerjahre im letzten Jahrhundert. Der Autor Max Brym jedoch blieb links politisch orientiert. Er lehnte und lehnt jegliche Zusammenarbeit mit den rechten bürgerlichen albanischen Kräften bis heute ab. Das ist gut und nicht schlecht. Interessant war für mich die Wandlung des Autors vom Stalinisten, welcher von Enver Hoxha empfangen wurde, zum kritischen und emanzipatorischen Marxisten, der sich zum Teil an Trotzki und Gramsci orientiert . Diese Geschichte sollten nicht nur Menschen in Deutschland erfahren sondern auch die Menschen in Kosova und Albanien. Auch der stete Kampf von Herrn Brym gegen Antisemitismus und Kapitalismus ist für die Menschen in den genannten Ländern sehr sehr wichtig. Heute wird in Albanien und Kosova verdrängt, dass es überzeugte internationalistische Linke waren, welche ab dem Balkankriegen 1912 sich für die Rechte der Albaner und Albanerinnen auf Selbstbestimmung einsetzen. Genannt seien hier nur Namen wie Leo Freundlich, Leo Trotzki, sowie der wirkliche serbische Sozialistenführer Tucovic, in seinem Buch „ Serben und Albaner „ erschienen in Belgrad im Januar 1914. An all dies erinnert auch der Autor des Buches und führt gleichzeitig den Kampf gegen bestimmte deutsche pseudolinke Kräfte. Diese handelten stets nach der Devise:“Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. Das führte einige dieser Leute zuerst an die Seite von Milosevic und heute an die Seite von Putin. Die genannte Orientierung hat nichts mit marxistischer Politik und Dialektik gemein. Es ist wichtig auch in der albanischen Diaspora, sowie in Kosova und Albanien selbst das Buch von Herrn Brym, zu lesen. Ich hoffe das eine albanische Übersetzung des Buches in Arbeit ist.

 

Mit freundlichen Grüßen Hysen L.

 

PS: Entschuldigen Sie wenn meine Grammatik noch etwas zu wünschen übrig lässt. Deutsch ist sehr schwer.

 

Werbeanzeige

„ Es begann in Altötting“ lieferbar über jede Buchhandlung und die bekannten Vertriebsunternehmen.  

Foto Max Brym

 

 

 


swb-verlag