Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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20.05.2019
Ein Herr Wolf Oschlies selbsternannter Balkanexperte publizierte im „Eurasischen Magazin“ - Juli 2006- ab Seite 14 einen unsäglich verleumderischen Artikel gegen die LPV im allgemeinen und gegen Albin Kurti im besonderen. Herr Oschlies stellt ohne jeglichen Beleg zu liefern Albin Kurti in die rechtsradikale Ecke. Herr Oschlies schreibt unter der Überschrift-“Mit wohlbekannten Methoden auf dem Weg nach Groß-Albanien“- über Albin Kurti und die LPV ( Bewegung für Selbstbestimmung):

„Für ihn sind alle Serben verhasste Feinde. Er hat es vom Studentenführer in Prishtina zum Chef der terroristischen Vetevensdosje gebracht. Diese Organisation bläst nun im Kosovo zum letzten Gefecht für einen völlig souveränen und serbenfreien Albanerstaat. Es gibt bereits Evakuierungspläne für 70.000 noch im Kosovo lebende Serben. Fernziel für Kurti und seine Mitstreiter ist die Ausdehnung Albaniens weit in die Territorien seiner Nachbarländer hinein und die Bildung eines ethnisch reinen Groß-Albaniens.“ Der Publizist Oschlies kümmert sich einen Dreck um die politische Vergangenheit Albin Kurtis, wesentlich seröser berichtete der Berliner Tagesspiegel über die Stellungnahme von Albin Kurti zu den Übergriffen gegen einzelne serbische Zivilisten in Kosova im März 2004, der Tagesspiegel schrieb: „Mit den Serben“, sagt auch Albin Kurti, „habe ich nie Probleme gehabt. Sogar die Gefängniswärter waren für mich Menschen wie wir alle.“ Diese Haltung von Albin Kurti ignoriert der bundesdeutsche „Balkandilettant“ Oschlies bewußt. Der auch in Schriften des „Bayrischen Landesamtes für politische Bildung“ vorkommende Herr Oschlies übersieht großzügig was im Selbstverständistext in jeder Ausgabe der Zeitung Vetevensdosje ( Zeitung der LPV) zu lesen ist. In dem Selbstverständnistext heißt es: „ Wir treten für die demokratischen und sozialen Rechte aller Menschen in Kosova ein. Wir lehnen jede nationale Diskriminierung ab.“ Dies alles kümmert Herrn Oschlies nicht. Offensichtlich stört ihn, dass die LPV einen realen Kampf für das Selbstbestimmungsrecht Kosovas führt. Dabei wird jede Form von Kolonialismus abgelehnt. Besonders nervt die neuen Kolonialherren der UNMIK, unter dem Deutschen Joachim Rücker, dass die LPV einen entschiedenen Kampf auch gegen diese Form der Kolonialherrschaft führt. Zur Person Albin Kurti gäbe es noch viel zu sagen, dies überlassen wir aber an dieser Stelle aber aufgeklärteren bundesdeutschen Journalisten als dem Konservativen Oschlies. Die Redaktion dokumentiert Auszüge aus einem Artikel des Magazins „Kommune“ von Ernst Köhler, vom Frühjahr 2006. Zudem Auszüge aus einem Artikel, erschienen im „Tagesspiegel“ im Oktober 2004. Zudem verweisen wir auf ein Interview das Max Brym im Januar 2000 mit Adem Demaci führte. In der Presse wird oft auf die politische Nähe von Albin Kurti zu Adem Demaci hingewiesen. Obwohl Albin Kurti eine eigenständige politische Persönlichkeit ist, verweisen wir nochmals auf dieses Interview. Die Redaktion von Kosova Aktuell bemüht sich derzeit einen Gesprächstermin mit Albin Kurti zu bekommen. Darüber werden wir unsere Leser informieren.

Dokumentation
Magazin „Kommune“ Frühjahr 2006
Keine Verhandlungen? Ein Gespräch mit Albin Kurti

Wer den Kosovo-Albanern Gerechtigkeit widerfahren lassen wollte, hat immer ihre Angst vor einer Rückkehr des 1999 schmählich verjagten serbischen Staates mit seinen Soldaten und Polizisten berücksichtigt. Und womöglich sogar noch für die unverzeihlichen Gewaltakte gegen die im Lande verbliebenen Serben im März 2004 in Anschlag gebracht. Aber da stimmte es schon nicht mehr. Die Wut richtete sich damals bereits gegen das Protektorat und die UNMiK. Und nur weil es ein Mob war, der sich da zusammenfand – feige, wie bislang noch jeder Mob in der Weltgeschichte –, griff er die Macht nicht direkt, nicht frontal an, sondern kühlte sein Mütchen an den Wehrlosen. Und inzwischen stimmt es schon überhaupt nicht mehr. Wer heute durch das Kosovo reist, merkt überall in seinen Kontakten, dass die alte Angst vor Serbien das Denken und Empfinden der Menschen nicht mehr beherrscht. Dieser Bann ist von dem Land gewichen. Nach sechs Jahren internationaler Verwaltung macht sich hier jene normative Kraft des Faktischen geltend, wie sie am schärfsten vielleicht Zoran Djindjic kurz vor seiner Ermordung auf den Punkt gebracht hat – aus der Sicht des leitenden serbischen Politikers: freimütig, provokativ, aber auch bitter und desillusioniert. Serbien und sein Hoheitsanspruch über die Provinz – dieses ganze Brimborium von der »Souveränität« des Staates und der Unverletztbarkeit seiner Grenzen, wie es jetzt wieder Vojislav Kostunica vor dem UN-Sicherheitsrat abgezogen hat – ist nur noch ein Alptraum von gestern. Vergessen ist nichts. Die Vermissten des Krieges sind größtenteils noch immer vermisst. Die Leichen aus den Massengräbern in Serbien treffen nur in kleinen Gruppen hier ein. Geschichte – die jüngste, noch gar nicht vernarbte, und die Zeitgeschichte im Großen – ist hier auf vitale Weise präsent, auch das eine Linie der Entfremdung gegenüber den »Internationalen« und ihrer typischen Verständnislosigkeit für dieses lange Gedächtnis. Und eine Beruhigung, eine Besänftigung des politischen Klimas bedeutet das Schwinden des unmittelbaren Bedrohungsgefühls auch nicht unbedingt. Aber im Zentrum aller politischen Sensibilität steht heute im Kosovo doch nicht mehr die alte Gewalt, der hundertjährige Machtmissbrauch Serbiens, sondern die noch ganz frische Fehlleistung der Vereinten Nationen. Auch das ist noch zu schwach, zu vage formuliert: Im Mittelpunkt des politischen Denkens steht heute das Mandat der UNMiK – seine unbegreifliche zeitliche Unbegrenztheit, seine bloß formelle, rhetorische Verpflichtung auf Demokratie, seine Legitimation überhaupt.

Das Büro ist spartanisch, aber ein Stuhl wird doch gefunden. Albin Kurti, groß, schlank, ernst, ist 30 Jahre alt. 1997 war er einer der Führer der albanischen Studenten im Kampf um die Chance auf eine Hochschulausbildung. Anschließend fungierte er als Sprecher von Adem Demaci in der politischen Leitung der UCK, 1999–2001 schließlich saß er als politischer Gefangener in serbischen Gefängnissen – zuerst im Kosovo, wo er auch gefoltert worden ist, später in Südserbien. Heute ist er der Sprecher einer offenbar an Einfluss gewinnenden außerparlamentarischen Bewegung für ein freies demokratisches Kosovo. »Unsere politischen Parteien stagnieren oder schrumpfen, auch ›Ora‹ (Stunde), die nichts als ein Wahlverein für Veton Surroi persönlich war und inzwischen im Lande auch gar nicht mehr in Erscheinung tritt. Sie alle haben die Verbindung zur jungen Generation verloren, die bei uns bekanntlich sehr groß ist. Nur wir wachsen.«

Ganz neu ist die Bürgerinitiative nicht mehr, aber während sie sich Ende der Neunzigerjahre im Wesentlichen auf ein einziges Thema beschränkt hatte, die politischen Gefangenen, setzt sie sich seit 2003 für die Entfaltung einer »pulsierenden zivilen Gesellschaft in Kosova« ein – so in der Plattform des »Kosova Action Network« im Internet nachzulesen, einem Bekenntnis zur liberalen Demokratie westlicher Prägung. Nach Kurti gibt gegenwärtig 5000 Mitglieder – es sind jedenfalls genug, um auf tausend Mauern im ganzen Land die aktuelle Kernparole der Bewegung zu sprühen: »Jo Negociata – Vetevendosje!« (»Keine Verhandlungen – Selbstbestimmung!«) Am liebsten in Sichtweite der UNMiK-Instanzen, die man auch mit anderen gewaltlosen Aktionen aus dem Arsenal der Studentenbewegung provoziert, was schon zu Verhaftungen und sogar zu Knüppelaktionen internationaler Sicherheitskräfte geführt hat. Sogar die KFOR beteiligt sich gelegentlich an der Unterdrückung solcher Proteste, wie der Besucher später im Camp der deutschen Truppen in Prizren erfährt. Man scheint die revoltierenden jungen Leute jedenfalls ernst zu nehmen.

Für Albin Kurti sind das »kolonialistische« Methoden – ist überhaupt die internationale Verwaltung samt den von ihr abhängigen kosovarischen Institutionen ein von Grund auf »undemokratisches« Regime. Doppelt undemokratisch oder besser antidemokratisch – seiner Funktion nach, die in Fremdherrschaft, teilweise indirekter Fremdherrschaft, bestehe, und auch seinem Aufbau nach, der strikt »hierarchisch« sei. »Sie müssen nur einmal im Innern einer dieser Machtzentralen gewesen sein: endlose Flure, auf denen energischen Schrittes irgendwelche Leute hin- und herlaufen – mit gewichtiger Miene und Aktentasche, wie bei Kafka.« Im Feuer seiner Kritik zitiert Kurti sogar Der Kolonisator und der Kolonisierte, das klassische Werk des tunesischen Soziologen Albert Memmi vom Ende der Fünfzigerjahre. Wenn man es heute wiederliest, vergeht einem freilich das Spotten; denn diese luzide Analyse des kolonialen Herrschaftsnexus fällt auch für den Unterdrückten sehr schmerzlich aus. Auch der Kolonialisierte und überhaupt jeder Unterworfene ist danach schwer deformiert. Auch noch im Moment der Auflehnung. Wer sich auf den gnadenlosen Text beruft, kann kaum ein Populist sein. Ist es tatsächlich nur ein Feindbild, das dieser junge und bereits hart geprüfte Gerechte hier konstruiert?

Shkelzen Maliqi, der international wohl respektierteste unter den Intellektuellen Prishtinas, scheint es so zu sehen: »Warum machen sie jemand zum Feind, der sich doch bereits anschickt abzuziehen?« Für Maliqi ist der Gedanke, dass man seine Freiheit, seine Würde, seine Existenz nicht zum Verhandlungsgegenstand machen könne, keine Politik, sondern politischer Moralismus. Man gewinnt in diesem spannungsgeladenen Herbst im Kosovo aber den Eindruck, dass viele es hier anders empfinden. Über Albin Kurti wird mit Achtung gesprochen – manchmal auch mit einem etwas verlegenen Lächeln. Er ist eine öffentliche Figur, die ganz offenkundig als weniger verbraucht, weniger vulgär, weniger schillernd wahrgenommen wird als andere politische Führer, denen man ihre politischen Verdienste nicht abspricht, die aber doch große, abgehoben agierende Bosse bleiben. Auch ihren aufwendigen Lebensstil lastet man ihnen an und fragt sich, woher sie die Mittel dazu haben.

 Ernst Köhler



Aus dem Berliner „Tagesspiegel“ März 2004

Auch der 28-jährige Albin Kurti, charismatischer Aktivist für Menschenrechte, dessen Fall um die Welt ging, als er unter Milosevic für drei Jahre in serbischen Gefängnissen eingesperrt war, verliert die Geduld mit den einst begrüßten Befreiern. „Unmik hat einfach zu viel Macht – es ist entwürdigend für uns. Absolute Macht korrumpiert absolut.“ Kurti lacht. Aber es ist ihm bitterernst. „Als Legislative, Exekutive und Jurisdiktion, alles zugleich, kann Unmik sich hier alles leisten.“ Niemand, sagt der junge Mann mit fester Stimme, „gar niemand kontrolliert sie – aber die kontrollieren uns.“

„Mit den Serben“, sagt auch Albin Kurti, „habe ich nie Probleme gehabt. Sogar die Gefängniswärter waren für mich Menschen wie wir alle.“ Kurtis Problem ist die Politik – die in Belgrad und die der Unmik. „Wir wollen Unabhängigkeit, auch als Entschädigung für all die Toten der Massaker. Aber der Wille der Bevölkerung wird ignoriert. Und die Herrschaft von Unmik hat keine Deadline, sie ist tendenziell endlos.“


Gespräch mit Adem Demaci


http://www.kosova-aktuell.de/interviews/interviews_pay/ko_demaci.htm