Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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20.08.2019
In Kosova/Kosovo gibt es momentan eine Streikwelle. Seit Tagen streiken die Lehrkräfte im öffentlichen Dienst, für mehr Gehalt und Personal. Ihr Durchschnittsverdienst liegt bei 135 Euro im Monat. Die Preise sind zu 80% mit den Preisen in Deutschland vergleichbar. Viele Streiks gibt es gegen die angelaufene Privatisierungswelle in Kosova. Unter Leitung der UNMIK, werden gegenwärtig viele Betriebe mit einigen hundert Beschäftigten privatisiert. Meist wird dabei Personal abgebaut und den Entlassenen keinerlei Abfindung bezahlt. Dies stößt auf den Widerstand der Arbeiter. In Prishtina haben die Arbeiter eine Montagefabrik besetzt.
Forderungen der Arbeiter

Grundsätzlich betrachten sich die Arbeiter als Eigentümer der Fabriken. Allerdings wenden sie sich meist nicht gegen die Privatisierung, sondern gegen deren Art und Weise. Sie fordern ein Mitbestimmungsrecht im Privatisierungsprozess und eine Beteiligung an den Verkaufserlösen. Zusätzlich verlangen sie die Errichtung eines sozialen Fonds, für die in Kosova arbeitslosen Menschen. Es gibt bis dato keine Arbeitslosengeld, bei einer offiziellen Arbeitslosenzahl von 57%. Die Forderungen der Arbeiter stoßen demzufolge auf breite Sympathie.


Vorhut in Mitrovica

Seit einer Woche streiken die Arbeiter aus der Mine Stanterg in Mitrovica. Die Streikenden verlangen Arbeit für alle Bergarbeiter, die bis 1990 in dem Kombinat gearbeitet haben. Damals wurden alle albanischen Arbeiter von dem Milosevic- Regime gefeuert. Die Arbeiter befürchten, dass jetzt das damalige Unrecht durch die UNMIK zementiert wird. Prinzipiell sprechen sich die Arbeiter in Mitrovica gegen eine Privatisierung des ehemaligen Kombinates Trepca aus. Zusätzlich verlangen sie von der „Regierung“ Kosovas ihnen soziale und politische Unterstützung zu gewähren. Dem Gewerkschaftsdachverband BSPK wird eine zu passive Haltung unterstellt.


Der BSPK reagiert

Der Gewerkschaftsdachverband BSPK reagiert auf den Druck der Basis. Bahri Shabani drohte mit einem „Generalstreik in ganz Kosova, wenn die Interessen der Arbeiter weiter ignoriert würden“ ( Epoka E Re 4.9.03 ). Einen Generalstreik könne sich Shabani „für das kommende Monat vorstellen“. Bis dahin will der Gewerkschaftsvorsitzende noch verhandeln. Währenddessen laufen die Teilstreiks weiter. Die Lage spitzt sich zu und die Stimmung wird radikaler. Gegenwärtig zeigt die UNMIK noch keine großen Reaktionen. Die rechte albanische Zeitung „ Bota- Sot argumentiert sehr vorsichtig, gegen die Streiks, dennoch ist ihre Absicht erkennbar, durch nationalistische Hetze gegen „ die Serben und die Enveristen“ den Streiks das Rückrad zu brechen. In Koha Ditore wird mit Argumenten, die in der westlichen bürgerlichen Presse gängig sind, zum Teil gegen die Arbeitskämpfe polemisiert. Andere Organe wie Epoka E Re ( Neue Epoche) oder Clirimi ( Befreiung ) stehen den Arbeiteraktionen aufgeschlossen gegenüber.