Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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18.06.2019
Die Berliner Konferenz 1878 verweigerte den Albanern unter der Regie des „eisernen Kanzlers“ Bismarck, erstmals auf der diplomatischen Bühne das Selbstbestimmungsrecht. Fürst Bismarck erklärte zu den Anliegen der albanischen „Liga von Prizren“: „ Ich kenne keine Albaner“. Das offizielle Europa ignorierte im gesamten letzten Jahrhundert das Selbstbestimmungsrecht Kosovas. Ausnahmen bildeten in jener Zeit nur humanistisch oder marxistisch orientierte Kräfte. Stellvertretend für andere seien hier der österreichische Jude und Sozialist Leo Freundlich, der serbische Sozialistenführer Tucovic, sowie der russische Revolutionär Leo Trotzki genannt.

 

Sie traten gegen die grausame Unterdrückung der Albaner durch den großserbischen Chauvinismus, als wahre Internationalisten ein. Leider gibt es heute keine starke internationale Arbeiterbewegung, die sich im Bund mit den einfachen Menschen in Kosova, für gemeinsame Werte anagiert. Zu diesen Werten gehört das demokratische Recht auf nationale Selbstbestimmung. Ohne Akzeptanz des Rechtes auf Selbstbestimmung wird es am Balkan keinen Frieden und keine Chance zur Reaktivierung der internationalistischen Arbeiterbewegung geben. Eigentlich ist es im Eigeninteresse des serbischen Volkes sich vom nationalistischen „Kosovo-Mythos“ zu lösen, denn die sozialen Probleme in Serbien lassen sich mit den sozialen Problemen in Kosova vergleichen. In beiden Ländern gibt es Massenarmut, profitgierige Spekulanten und die Einbindung in die kapitalistische Weltwirtschaft, mit den dazugehörigen Krisen und Ausbeutungsszenarien. Der Widerstand gegen die ungerechte Weltwirtschaftsordnung wird in Serbien blockiert durch das Spiel der serbischen „ Möchtegern-Bourgeoisie“ mit der „Kosovo-Legende“. Die nationale Frage muß gelöst und mit der sozialen Frage kombiniert werden.

Artikel zum Selbstbestimmungsrecht

Anbei ein etwas älterer Artikel aus der Zeitschrift „Dardania“, zum Recht der Albaner auf nationale Unabhängigkeit. Die Interpretation der Geschichte muß nicht in allen Punkten geteilt werden, dennoch gibt der Artikel Fakten her, um die nationalen Wünsche der albanischen Massen zu verstehen. Das ist gerade in der heutigen Zeit nötig, Menschen müssen einander respektieren und akzeptieren Es wird keine Völkerverständigung und keine neue internationale Arbeiterbewegung am Balkan geben, wenn an der nationalen Unterdrückung der Albaner in Kosova, unter welcher Bezeichnung auch immer festgehalten wird.

Dokumentation
Dr. Rexhep ISMAJLI DIE ALBANER IM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN HABEN DAS RECHT AUF SELBSTBESTIMMUNG

Die Albaner im ehemaligen Jugoslawien, deren Zahl nach Schätzungen aus dem Jahre 1991 ca. 3 Millionen beträgt, leben auf einem Territorium direkt im Anschluß an die Grenze zu Albanien, das eine kompakte Zone im Südteil Montenegros, im gesamten Kosova, in drei Kreisen Südserbiens und in Westmazedonien bildet. Die Albaner - direkte Nachkommen der Illyrer - wohnen in diesem Gebiet, in dem sie eine Mehrheit von 90% bilden, ununterbrochen seit dem Altertum, sie stellen in ihm die autochthone Bevölkerung dar. Aufgrund von Invasionen und normalen Wanderungen haben sich in diesem Gebiet während des Mittelalters und in der zeit der Türkenherrschaft slawische, türkische und Roma-Minderheiten angesiedelt. Durch verschiedene Wanderungsbewegungen - einschließlich späterer Kolonisation - wuchs die slawische

Bevölkerung spürbar an; gegenwärtig beträgt sie ca. 10% der Gesamtbevölkerung dieses Gebiets. Die Albaner dieses Gebiets, die fast die Hälfte der albanischen Gesamtbevölkerung auf dem Balkan ausmachen, blicken hier auf eine Geschichte, Kultur und Infrastruktur, eine soziale Struktur, auf ein Netz von städtischen Seidlungen, ein Kommunikationsnetz, auf Befreiungskämpfe und auf vielfältige Beziehungen mit den Nachbarvölkern zurück, die mehr als zwei Jahrtausende währen. Es war die in dieser Zone gelegene Stadt Prizren, die im 19. Jahrhundert zum Mittelpunkt der albanischen nationalen Bewegung mit deutlich westlicher, europäischer Orientierung. Ihr Motto war: "Der Glaube des Albaners ist das Albanertum". Bis heute war und ist diese Bewegung der wichtigste Angelpunkt in den politischen Bestrebungen. Die Albaner in Jugoslawien sprechen die gleichen Dialekte und verwende dieselbe Schriftsprache wie die Albaner in Albanien. Nach 1878 deportierte die serbische Regierung die Bewohner von ungefähr 700 albanischen Dörfern aus dem Gebiet südwestlich von Nis, während im Sandschak, Novi Pazar und in Montenegro eine große Anzahl von Albanern durch die Serbokroatischsprachigen Moslems assimiliert wurde. Nach den Balkankriegen (1912-1913) geriet durch die serbische Okkupation Kosovas und die nachfolgende willkürliche Grenzfestlegung auf Kosten der Albaner und ohne die Anwesenheit der Albaner auf der Konferenz von London und später noch einmal im Zusammenhang mit dem Versailles-Vertrag die Hälfte des gesamten albanischen ethnischen Territoriums und die Hälfte der Albaner in das "Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen". Dies geschah, nachdem die Albaner ihre Gebiete in Kämpfen gegen die Türken (1908-1912) befreit hatten, gleichzeitig aber auch selbst geschwächt worden waren, so daß sie den von Alliierten unterstützten serbischen Truppen nicht standhalten konnten.Die Albaner haben sich mit der 1912-1918 geschaffenen Lage nie abgefunden, denn diese war gegen ihren politischen Willen entstanden. Dies wird durch zahlreiche Aufstände bezeugt. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen führte der jugoslawische Staat rigorose Verfolgungsmaßnahmen durch: Es fand eine slawische Kolonisation statt, die albanische bäuerliche Bevölkerung wurde enteignet, mehr als 300.000 Albaner wurden in die Türkei und nach Albanien umgesiedelt, jegliche Elemente des albanischen wurden unmöglich gemacht. Die jugoslawische Politik gegenüber den Albanern zwischen den beiden Weltkriegen kann ohne Übertreibung mit dem Terminus Genozid charakterisiert werden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde ein großer Teil dieses albanischen Territoriums in den albanischen Staat der Zeit eingegliedert. Damals wurden zum ersten Mal in diesem Gebiet albanische Schulen eröffnet. In der Konferenz von Bunjaj, deren Teilnehmerskreis, bezogen auf das Gebiet Kosova, mit der Führung der Jugoslawischen Organisation AVNOJ vergleichbar ist, wurde beschlossen, daß dieses Territorium nach dem Kriege an Albanien angeschlossen werden sollte. Nach dem Kriege wurden jedoch in Kosova der Ausnahmezustand und das Kriegsrecht eingeführt, und unter diesen Umständen wurde festgelegt, daß Kosova eine autonome Region innerhalb des föderalen Serbiens im jugoslawischen Bundesstaat werden sollte. Die Albaner waren auf vier föderale Einheiten verteilt: Kosova, Mazedonien, Serbien und Montenegro. Bis 1966 waren sie einer starken polizeilichen Verfolgung ausgesetzt; ca. 400.000 wurden in die Türkei ausgesiedelt, über 100 getötet, und weitere 60.000 wurden von der Polizei gefoltert. Zwischen 1968 und 1974 erweiterte Kosova seine Autonomie als eine föderale Einheit und erreichte nahezu den Status der Republiken. Dadurch ergab sich ein Entwicklungsgrad, der es den Albanern 1981 ermöglichte, ihre Forderungen erneut zum Ausdruck zu bringen. Wiederum wurde der Ausnahmezustand verkündet, und ein strenges Polizeiregime wurde eingeführt. Unter diesen Umständen wurde die Autonomie Kosovas völlig ausgelöscht: alle Institutionen wurden suspendiert, die Massenmedien in albanischer Sprache wurden eingestellt, die Menschenrechte wurden mehr als anderswo in Europa mit Füßen getreten; über 100.000 Albaner wurden entlassen, alle Grundschulen, Mittelschulen und die Universität Prishtina - soweit der Unterricht albanischsprachig war - wurden geschlossen, die Akademie der Wissenschaften und Künste von Kosova wurde als aufgelöst erklärt. Die Albaner wurden vollständig vom öffentlichen politischen, gesellschaftlichen, ökonomischen, medizinischen usw. Leben ausgeschlossen. Während seines achtzigjährigen Bestehens bemühte sich der jugoslawische Staat mit allen Mitteln, das albanische ethnische Territorium zu zerstückeln und zu entalbanisieren. Die Albaner in Jugoslawien stellen keine Minderheit dar, nicht nur im Verhältnis zu den Albanern im albanischen Staat, sondern auch im Verhältnis zu den anderen Völkern des ehemaligen Jugoslawiens, wo sie nach der Zahl, nach der Kultur, nach der ethnischen Distanz, nach der Sprache, dar Tradition, der Homogenität und dem natürlichen sowie dem humanitären Potential nach den Serben und Kroaten die drittgrößte Gemeinschaft darstellen. Auf ihrem ethnischen Territorium sind sie ebenso wie die Slowenen in Slowenien und die Serben im eigentlichen Serbien. Auf diesem albanischen ethnischen Territorium lebt nahezu die Hälfte der albanischen Gesamtbevölkerung, jedoch weniger als 2% der serbischen Bevölkerung. Die Grenze zwischen den von Albanern bewohnten Gebieten Jugoslawiens und Albanien ist willkürlich; sie ist weder auf ethnische noch auf natürliche Merkmale begründet. Sie stellt gegenwärtig die einzige nichtpassierbare Grenze in Europa dar. Aufgrund dieser Trennung bleiben ohne ihr natürliches Entwicklungshinterland die wirtschaftlichen, urbanen und kulturellen Zentren wie Dibra, Tetova, Prizren, Gjakova und Peja, während der größere Teil von Nordalbanien keine entsprechenden Zentren besitzt. So wurde das in vielen Jahrhunderten geschaffene Kommunikationsnetz plötzlich zerstört. Die Albaner in Jugoslawien wurden, wie erwähnt, auf vier Verwaltungseinheiten aufgeteilt, um ihre ethnische Identität auszulöschen. Innerhalb der Grenzen des Jugoslawiens von 1918 wurde nach dem Zweiten Weltkrieg den Mazedoniern und den bosnischen Moslems der Status einer Nation zuerkannt. Den Albanern wurde dieses Recht einzig und allein deshalb verweigert, weil sie eine geteilte Nation darstellen und weil es außerhalb Jugoslawiens einen albanischen Staat gibt. Der Status einer Minderheit wurde den Albanern nur in der Funktion des Aufbaues eines großen multinationalen Staates, wie ihn das ehemalige Jugoslawien darstellte, aufgezwungen. Unabhängig von der Größe des Territoriums, das Serbien einnehmen wird, kann es die Albaner nicht in der Position einer Minderheit halten. Unter den Bedingungen der allgemeinen Demokratisierung in Osteuropa, an der die Albaner des ehemaligen Jugoslawiens einen großen Anteil hatten, sind diese entschlossen, einen friedlichen Weg zur Lösung ihrer Probleme und zur Schaffung der Demokratie zu beschreiten. Diesen Bestrebungen sind sowohl Serbien als auch Jugoslawien - als ein Großserbien - mit Gewalt, Repressionen und staatlichem Terror, der noch weiter andauert, entgegengetreten. In der Periode von 1912 bis 1918 wurden die serbischen Ansprüche auf albanisches Gebiet mit der Notwendigkeit eines Ausgangs zum Meer gerechtfertigt. Jetzt werden sie mit dem Bestehen der serbischen Kirchen und der serbischen Geschichte in Kosova begründet, wobei man die Geschichte und das kulturelle Leben der Albaner ignoriert. Die serbischen Kirchen und die serbische Vergangenheit in Kosova haben den gleichen Status wie die arabischen Moscheen in Spanien oder die griechischen Kirchen in Istanbul. In der Vojvodina, aus der die Deutschen 1945 vertrieben wurden, sowie in der Krajina rechtfertigt Serbien seine Ansprüche auf einer ethnischen Basis, auch wenn diese durch spätere Kolonisation zustande gekommen ist, in Kosova hingegen auf einer mythischen Grundlage. Dieser serbische Imperialismus ist der Hauptgrund für alle gegenwärtigen Wirren auf dem Balkan. Auch aus formalen Gründen können Kosova und die Albaner nicht als Teil Serbiens behandelt werden: - 1878, zur Zeit des Berliner Kongresses,

war Kosova nicht Teil Serbiens, - auf der 2. Konferenz des AVNOJ im November 1943 befand sich Kosova nicht in Serbien, - im November 1944 (während der Großen verfassunggebenden Versammlung des Parlaments zur Befreiung Serbiens), als Serbien als föderale Einheit konstituiert wurde, befand sich Kosova nicht in Serbien, - 1946, während des Kriegsrechtes, trat Kosova in das " Föderale Serbien " innerhalb des " Föderativen Jugoslawien " ein, doch auch auf dieser Grundlage hat Kosova heute das recht, eine Lösung außerhalb Serbiens zu fordern, - Auf der Verfassunggebenden Versammlung Jugoslawiens, als die "Föderative Republik Jugoslawien" verkündet wurde (1945), befand sich Kosova nicht in Serbien, - von 1968 bis 1989 hat Kosova praktisch den gleichen Souveränitätsstatus verwirklicht wie die Republiken Jugoslawiens. - Kosova hat seine Souveränität und Unabhängigkeit durch die folgenden Dokumente definiert: - Deklaration über die Unabhängigkeit (02.07.1990) - Verfassung der Republik Kosova (07.09.1990) - Volksabstimmung über die Unabhängigkeit und Souveränität Kosovas (26.-30.09.1991) Resolution über die Unabhängigkeit und Souveränität Kosovas (18.10.1991) und - Freie Wahlen für das Parlament Kosovas und für den Präsidenten der Republik (24.05.1992). - Kosova und die Albaner in den anderen Teilen des ehem. Jugoslawiens haben es abgelehnt, an der Konstituierung des III. Jugoslawiens, das aus Montenegro und Serbien am 27. April 1992 gebildet wurde, teilzunehmen. Da der jugoslawische Staat nicht mehr besteht, da Kosova und Albaner dieselben Nachfolgerechte des nunmehr nicht mehr existierenden jugoslawischen Föderation besitzen, gibt es keine Grundlage für eine Übertragung der Rechte Kosovas auf Serbien. Eine Unterstützung der serbischen Herrschaft über Kosova durch Europa würde eine Aufrechterhaltung des kolonialen Status der Albaner, eines der ältesten Völker Europas, bedeuten. Diese würde Keinesfalls den Frieden in der Region garantieren und könnte die Albaner dazu zwingen, andere Mittel für ihre Befreiung zu suchen.