Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
17:20
22.08.2019
"Die Albaner widersetzten sich den Anordnungen der Nazibesatzung" - Mit dieser Überschrift endete am 4.9.2003 eine Serie in der albanischen Zeitschrift Koha Ditore (Tageszeitung- Erscheinungsort Prishtina). Im Mittelpunkt der Berichterstattung stand die Rettung der Juden in Albanien vor der nazistischen Shoa. Der Autor Ulk Lushi versuchte der Frage nachzugehen warum es ausgerechnet in Albanien nach dem zweiten Weltkrieg mehr Juden gab als vorher. Am 2.9.03 untersuchte er die kulturellen und historischen Hintergründe des Phänomens. In seinem Artikel vom 3.9.03 befaßt er sich mit der praktischen „Judenrettung“ in Albanien. Lassen wir nun Herrn Lushi teilweise selbst zu Wort kommen.

"Die Rettung der Juden begann vor dem zweiten Weltkrieg"

Ulk Lushi berichtet, dass ab 1933, zu den kleinen jüdischen Gemeinden in Vlora und Delvine, Flüchtlinge aus dem nazistischen Deutschland stießen. „Die Meisten, hatten keinerlei Einreiseprobleme, sie betrachteten Albanien als Transitland, um in die Türkei, die USA oder nach Palästina zu gelangen.“ Ab dem Jahr 1934 besuchten mehrere Vertreter zionistischer Organisationen Albanien. Ihr Ziel war es, mit der albanischen Regierung, einen konkreten Vertrag abzuschließen.

Herr Lushi berichtet über einen Vertrag, „der zionistischen Exekutive, mit der albanischen Regierung aus dem Jahr 1935“. In dem Vertrag wurde festgehalten: „Alle Juden aus Deutschland, haben ein unbefristetes Aufentaltsrecht in Albanien. Sie können Albanien jederzeit betreten und verlassen.“ Ungefähr zweitausend Juden aus Deutschland und Österreich, benützten Albanien um nach Palästina zu gelangen. Einige blieben auch und schlossen sich den kleinen jüdischen Gemeinden in Vlora und Delvine an.

Im April 1939 wurde Albanien vom faschistischen Italien besetzt. Ende 1938 versuchte Italien, das ökonomisch abhängige Albanien zu einer Änderung seiner offenen Asylpolitik zu bewegen. „König Zogu machte einige Zugeständnisse und setzte die Vereinbarung mit den jüdischen Organisationen teilweise außer Kraft." Nach der Besetzung Albaniens durch Italien, gab es zunächst keine nachhaltigen Verfolgungsmaßnahmen gegen die Juden.


"Die Albaner widersetzten sich den nazistischen Befehlen"

Im Jahr 1943 besetzte das nazistische Deutschland Albanien, „schlagartig änderte sich die Lage der Juden in Albanien“, bemerkt Ulk Lushi in Koha Ditore am 4.9.03. Die Nazis verlangten von der Kollaborationsregierung unter Mustafa Kruja, eine Liste aller jüdischen Menschen anzufertigen und deren Adressen zu nennen. Ohne besondere Energie widmete sich die „Regierung“ dieser Aufgabe. Es konnte kein Jude festgenommen und deportiert werden.

Herr Lushi zitiert Frau Johanna Neumann, die diese Zeit in Albanien erlebte. Frau Neumann erinnerte sich an diese Zeit in „The Jewisch Week“ ( erscheint in Washington) im Jahr 1999: „Die Albaner, ob moslemisch, christlich oder kommunistisch, versteckten uns und waren gastfreundlich. Ihr Verhalten erklärten sie immer mit ihrer nationalen Tradition, den Gesetzen des Kanuns ( alter Ehrenkodex) sie wären bereit, eher den Tod zu akzeptieren, als uns zu verraten. Ihr Gebot sei es, bei der Verteidigung des Gastes, persönliche Risiken zu übernehmen. Das sagten die Leute uns immer, mit einem ehrlichen Lächeln und voller Überzeugung“.

Herr Lushi zitiert auch die deutsche Jüdin Irene Grünbaum, die von 1941 bis 1945 unter dem Pseudonym Fatima Nova, als Bäuerin in Albanien den Nazismus überlebte. Ihr Erfahrungsbericht, deckt sich mit den Erinnerungen von Frau Neumann. Die Juden, die in Albanien geboren wurden, betrachteten, „Albanien als ihr Vaterland und beteiligten sich am antifaschistischen Widerstand“, so Ulk Lushi. Dabei fiel nur ein junges jüdisches Ehepaar, im Kampf gegen den Faschismus. Alle anderen Juden wurden gerettet.

Diese Rettung, verdanken sie natürlich auch der starken albanischen Partisanenarmee, unter Führung von Enver Hoxha und Mehmed Shehu. Gegen Ende 1944, hatten die albanischen Partisanenbrigaden, annähernd siebzigtausend Menschen unter Waffen. Das war bei einer Gesamtbevölkerungszahl von knapp 1.Million, eine erstaunliche Zahl. Letzteres erwähnt Ulk Lushi leider nicht.


Worum geht es Ulk Lushi

Diese Frage, versucht er am Schluß seiner Artikelserie zu beantworten. Er meint, es „geht darum, weitgehend unbekanntes aus unserer Geschichte aufzuarbeiten und in der Welt bekannt zu machen“. Dies ist nach Lushi „ erst ab 1991, nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes möglich“. Es geht laut Lushi darum, „aus unserer Geschichte für heute zu lernen“. Offensichtlich meint Lushi damit, die bestehenden nationalen Spannungen in Kosova/Kosovo. Lushi spricht sich am Ende seines Artikels für gute Beziehungen mit dem Staat Israel aus: „Die Basis dafür ist unsere traditionelle Ablehnung des Antisemitismus“.


Max Brym

 

 


 


Kommentare auf indymedia:


Antisemitismus und Faschismus in Kosovo...
Antifa 05.09.2003 14:37
Zum Antisemitismus in Kosovo und anderen von der faschistischen UCK/ANA beanspruchten Gebieten ein Zitat:
"Die kleine, aber aktive jüdische Gemeinde in Pristina hat aufgehört zu existieren. Laut aussage des ehemaligen Vorsitzendenden der Gemeinde, Cedomir Prlincevic, wurden die letzten Judenaus Pristina von "Albanern aus Albanien" verjagt."[R. Hartmann, Die glorreichen Sieger, Berlin 2001, S. 156]
Neben dem Antisemitismus setzt die UCK (heute TMK) noch andere Feindbilder zur Rechtfertigung der ethnischen Säuberung Kosovos ein: gegen Sinti & Roma, Vlachen, Balkan- Ägypter und Menschen slawischer Nationalität, also das gleiche rassistische Weltbild wie bei deutschen Alt- und Neonazis. Und der Faschismus in Kosovo ist real, er erfreut sich einer großen Anhängerschaft, und alle anderen sehen weg, (das kennen wir ja auch aus der deutschen Geschichte), die KFOR und UNMIK mit eingeschlossen...

Die Zahl der Terroranschläge durch die ANA (UCK ist offiziell aufgelöst, in Kosovo mit NATO- Duldung in TMK umbenannt, in Mazedonien angeblich nicht mehr existent) hat in den letzten Wochen erheblich zugenommen, und viele Leute am Balkan rechnen mit einer neuen Runde Bürgerkriege im Herbst, provoziert durch die mit Waffengewalt durchzusetzende Forderung nach Großalbanien in den Grenzen von 1944. Betroffen ist neben Kosovo das zu Serbien gehörige Presevo- Tal, der Norden und Westen Mazedoniens sowie der Süden Montenegros.

Noch etwas zu "Koha Ditore". Der Herausgeber Veton Surroi ist ein sich liberal- weltmännisch gebender Vertreter der Neuen Rechten und versucht auf publitistischem Wege die Großalbanien- Forderung durchzusetzen, bauend auf die Uninformiertheit der westlichen Gesellschaften. Die im übrigen auch in der Linken immens sein muß, sonst wäre der Charakter von Koha Ditore bekannt und es wären nicht wiederholt Artikel aus diesem Blatt - eine Art "Junge Freiheit" der UCK - in Indymedia erschienen!

Eine Antifa - Veranstaltung zum Thema ist in Vorbereitung.


Jüdische Gemeinde in Prishtina
Genc Mustafa 05.09.2003 19:05
1. Laut letzter jugoslawischer Volkszählung im Jahr 1991 gab es in Kosova 96 Personen die sich zur jüdischen Religion bekannten. Die meisten Juden sind in den neunziger Jahren, lange vor dem Krieg nach Israel ausgewandert. Heute gibt es noch einige Juden in Prizeren. Eine real existierende Jüdische Gemeinde gab es in Prishtina vor dem NATO-Krieg nicht mehr.
2. Der jüdische Friedhof in Prishtina wird heute von albanischen Studenten gepflegt, die jeden Besucher auf eine Kopfbedeckung aufmerksam machen.
3. Nach dem Krieg trat ein Mensch in Beograd auf und posaunte in die Welt, dass die Juden aus Prishtina vertrieben worden wären. Keine offizielle jüdische Einrichtung in der Welt, nahm diese Erklärung ernst. Man war zurecht skeptisch. Eine Skepsis die selbsternannten deutschen Linken abgeht.
4. Wie Kenntnislos der Schreiber über mir ist, belegt sein Hinweis auf den "UCK-Terror" in Mazedonien. In dem Land attackiert die AKSH den ehemaligen UCK- Führer Ali Ahmeti als Verräter weil er in der dortigen Regierung sitzt.
5. Hashim Thaci wird gegenweärtig von albanischen Faschisten angegriffen, weil er alle Übergriffe "gegen serbische Zivilisten als barbarischen Akt" bezeichnete.
6. Ihr seid wirklich wahrhaft DEUTSCH. Statt die antinationalistischen Kräfte auf albanischer und serbischer Seite zu unterstützen, macht ihr euch gemein mit serbischen und deutschen Faschisten, die das Milosevic Regime unterstützten.
7. Zu der herrschenden UCK- Phobie bleibt zu fragen: Warum hat keine einzige europäische oder deutsche Nazigruppierung die UCK propagandistisch unterstützt? Alle standen sie auf der Seite von Seselj und von Milosevic.
8. Wenn es tatsächlich Juden gibt die Aufgrund ihrer Abstammung aus Kosova vertrieben wurden, dann sollen sie sich bei mir melden. Ihre Rückkehr nach Kosova wird kein Problem sein.
9. Ich bin für ein zuviles und demokratisches Kosova, indem alle Bürger, egal welcher Abstammung die gleichen Rechte haben.

Hier meine Adresse
Genc Mustafa
Robert Koch- Str. 14
84489 Burghausen


"Antifa" beim Thema bleiben
Agron Sadiku 05.09.2003 23:00
Die "Antifa" geht nicht auf den historischen Artikel, über die Rettung der Juden in Albanien, von Herrn Brym ein. Nein sie bringen unausgegorenes Zeug über Kosova heute. Es fällt ihnen schwer den historisch sauberen Artikel, der in Koha Ditore erschienen ist wahrzunehmen.Kein Wunder die Leute können nicht albanisch, was kein Vorwurf ist, aber es ist unredlich einfach etwas zu behaupten, ohne sich kundig zu machen.Sie schreiben ohne Übersetzung einfach drauflos. Zur Klarstellung Koha Ditore ist eine bürgerlich demokratische Zeitung, Herr Brym hat teilweise daraus zitiert PUNKT.Die "Antifa" ( welche ? ) zitiert stattdessen einen Herrn Hartman. Hartman war letzter Botschafter der DDR in Jugoslawien. Wenn man seine Bücher ließt, wird einem klar warum die DDR untergehen musste. Mit solchen Kadern konnte das nichts werden. Aber die sogenannte "Antifa" will den Faschismus bekämpfen mit Leuten, die selbst mit Faschisten zusammenarbeiten.Herr Hartman gehört dem "Internationalen "Komitee für die Verteidigung von Slobodan Milosevic" an. Die französische Sektion des Komitees wird von dem Neofaschisten Luc Michel geleitet. Dem Verein gehört auch der Rechtsberater von Milosevic, der französische Advokat Verges an. Jener wurde besonders bekannt, als er in Frankreich den Nazimörder Klaus Barbie mit pronazistischen Argumenten verteidigte. Macht eine Veranstaltung zu Kosova mit dieser feinen Gesellschaft, vergesst aber nicht die saubere AIK aus Wien und auch nicht Herrn Le Pen aus Frankreich einzuladen. Jener Le Pen hatte mit dem Regierungspartner von Milosevic, Seselj brüderliche Parteibeziehungen. Nennt diese Veranstaltung aber bitte nicht "Antifaschistisch" sondern eher "Die rot-braune Querfront informiert".