Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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16.06.2019

Vollbild anzeigenInge Höger hat das Antonio-Gramsci-Institut in Tirana kennengelernt Am Rande der OSZE*-ParlamentarierInnen-Versammlung, der Inge Höger angehört, hat sich Anfang Oktober 2012 die LINKE-Abgeordnete mit Mitgliedern des linken Antonio-Gramsci-Institutes in der albanischen Hauptstadt Tirana getroffen. Das Institut sieht

sich als Netzwerk zur Unterstützung von antineoliberalem Widerstand durch Studierende und ArbeiterInnen. Ziel ist Aufbau einer linken Partei oder Organisation.

Arlind Qori gab einen Überblick über die politische, soziale und wirtschaftliche Situation in Albanien. Die Bevölkerung ist sehr jung, das Durchschnittsalter beträgt etwa 30 Jahre. In Albanien gibt es offiziell 13,5 % Arbeitslose – die tatsächliche Zahl liegt jedoch weitaus höher. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt 35,5 %. Folglich leidet die Jugend unter Perspektivlosigkeit.
Alle wesentlichen Bereiche der Daseinsfürsorge (Verkehr, Bildung, Pflege) sind privatisiert. Zwar ist die Gesundheitsversorgung (noch) öffentlich, aber in diesem Bereich ist besonders die Korruption ein großes Problem. Die Städte verslummen zunehmend. Perspektivlosigkeit insbesondere für junge Leute. Sie soziale Schere geht weit auseinander; sozialer Absicherungen sind fast völlig abgeschafft.
Gewerkschaften bestehen in Albanien nur auf dem Papier und werden von der Regierung kontrolliert. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit kommt es kaum zu Arbeitskämpfen, obwohl es Gründe genug dafür gäbe: z.B. bekommen Facharbeiter im Durchschnitt ca. 100 € im Monat. Da sich in Albanien eine stark individualisierte Kultur breit gemacht hat, gestaltet sich der Aufbau linker Bewegungen und Organisationen als äußerst schwierig.  
Dennoch gibt das Antonio-Gramsci-Institut nicht auf. Das Zeitungsprojekt “gazeta“  will zur Aufklärung der Bevölkerung beitragen und aufklären und veröffentlicht u.a. linke Grundlagentexte und Klassiker.
Die Mitglieder des Institutes machten deutlich, dass sie sich perspektivisch eine engere Zusammenarbeit mit anderen linken Gruppen auf dem Balkan vorstellen könnten. Denkbar wären z.B. ein gemeinsames Zeitungsprojekt oder eine konzertierte Kampagne gegen die „flat tax“, die Einheitssteuer, die in einigen Ländern Südosteuropas die soziale Ungerechtigkeit verschärft.

Es gab auch noch ein Gespräch der deutschen Delegation in der OSZE-ParlamentarierInnen-Versammlung mit einem Vertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Albanien. Im Mittelpunkt stand die Situation der Jugend in Albanien, für es kaum berufliche Perspektiven gibt. Die Stiftung engagiert sich insbesondere für Ausbildungsmöglichkeiten und Perspektiven für Jugendliche. Viele junge Leute sehen die einzige Perspektive in einem Studium, obwohl es zu wenig adäquate Beschäftigungsmöglichkeiten für HochschulabgängerInnen gibt. Es gibt in über 50 private Universitäten, deren Abschlüsse zum größten Teil nicht anerkannt sind. Dies ist nur eines von vielen Beispielen für eine völlig verfehlte Privatisierungspolitik.

*OSZE = Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa

Anmerkung der Redaktion Frau Inge Höger ist Mitglied des deutschen Bundestages für die Partei „ Die Linke“

Quelle http://www.inge-hoeger.de/start/frieden/detail/zurueck/frieden/artikel/linke-hoffnung-in-albanien/