Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
16:07
22.04.2019
Anbei ein Pressedokument zur serbischen Präsentation auf der Leipziger Buchmesse. Der Artikel in der Zeitung „ relevant“ zeigt ausgezeichnet wie der serbische Staat, bewusst nationalistische Schriftsteller fördert. Fortschrittliche und linke Autoren werden in Serbien ausgegrenzt. Speziell das Thema Kosova und die nationalistische Vergangenheit und Gegenwart sollen serbische Schriftsteller meiden. Dennoch gab es auch progressive und interessante serbische Autoren auf der Buchmesse in Leipzig. Der Länderschwerpunkt auf der Buchmesse war Serbien

Dokumentation entnommen „ relevant“ 21.03.2011 – 02:26

Streit um Serbiens-Präsentation auf Buchmesse

Die Präsentation Serbiens als Schwerpunktland der am Sonntag zu Ende gegangenen Leipziger Buchmesse ist nicht ohne Reibungen abgelaufen. Der serbische Autor Sasa Ilic erzählte, dass der ursprünglich vorgesehene Koordinator des Serbien-Auftritts, ein in Köln lebender serbischer Schriftsteller, abgesagt habe, weil ihm "vom Kulturministerium immer wieder Steine in den Weg gelegt worden" seien.

"Das Kulturministerium fand dann jemanden, der die serbische Kultur so präsentieren sollte, wie man es sich vorstellte", sagte Ilic bei einer Veranstaltung über "Neue Medien und Gesellschaftskritik in Serbien". So seien nun "zwei nationalistische Schriftsteller aus der Milosevic-Ära" unter den Eingeladenen. Einer von ihnen habe am Todestag von Slobodan Milosevic einen Artikel unter dem Titel "Mein Milosevic" veröffentlicht. "Durch diesen Text hat er der Figur Milosevic gegenüber Verständnis gezeigt, wie er das Land regiert hat", kritisierte Ilic. Ilic ist Herausgeber der Kulturbeilage "Beton" in der Zeitung "Dana". Diese ist Nachfolgerin von "Nasa Borba", einer linksoppositionellen Zeitung unter dem Milosevic-Regime. "Beton" sei nicht über Einladung des Kulturministeriums nach Leipzig gekommen, sagte der Autor.

"Es macht schon Sinn nicht doppelt einzuladen", hieß es dazu am Stand Serbiens. Gegenüber der APA wurde dort zugegeben, dass es Unstimmigkeiten im Vorfeld gegeben habe, doch der ausgewechselte Kurator habe nicht alle Vereinbarungen erfüllt. Vorgabe seitens Serbiens wäre gewesen, dass die teilnehmenden Autoren bereits in deutscher Sprache veröffentlicht hätten.

Auch dass unter den Autoren sich zwei befänden, "die ein bisschen nationaler" wären, bestätigte die Dame am Serbienstand. Dass einer von ihnen "etwas nach rechts gerückt" sei, würde in der offiziellen Broschüre erwähnt. Über seine mittlerweile zum Kultbuch gewordene Neuauflage eines Werks komme man allerdings "literarisch nicht herum". "Wir haben eigentlich gar keinen Dialog mit den Autoren", sagte Sasa Ilic über die Stimmung am Serbien-Stand. In der nächsten Ausgabe von "Beton" werde die Präsentation Serbiens auf der Leipziger Buchmesse diskutiert. In der aktuellen Ausgabe veröffentlichen Autoren aus Belgrad in Kooperation mit albanischen Kollegen aus Pristina im Kosovo, um die Kulturen beider Völker zusammenzubringen, sagte Herausgeber Ilic.

Der Titel der Kulturbeilage wäre "ein Import aus Österreich", gab der Autor zu: der Roman "Beton" von Thomas Bernhard: "Wir bezogen uns darauf, wie Thomas Bernhard die österreichische Gesellschaft betrachtet, und wir dachten, das wäre auch der richtige Weg für uns."

"Bis jetzt wurden wir noch nicht verprügelt", antwortete Ilic auf die Frage nach der Akzeptanz der Zeitschrift in seiner Heimat. "Aber natürlich merken wir, dass wir nicht gerne gesehene Gäste sind." Zu Debatten in Belgrad werde man nicht eingeladen. Manche junge Autoren, die keine Probleme wollten, zögen es vor, besser nicht mit "Beton" zusammenzuarbeiten. "Man hat nichts, aber eine kraftvolle Stimme in der Gesellschaft, wenn man für "Beton" arbeitet", sagte Ilic. "Das ist unser Hobby, Geld verdienen wir woanders."

Bis jetzt sei die Zeitschrift zweimal verklagt worden: Zum einen, weil sie veröffentlicht habe, dass ein Autor Hitlers "Mein Kampf" ins Serbische übersetze, zum anderen, weil eine Mitarbeiterin geschrieben habe, in der Kostunica-Partei werde ein "klero-faschistischer Standpunkt" eingenommen. "Ich fürchte, dass es uns auch passieren könnte wie einer kroatischen Zeitschrift, die von Klagen überschüttet wurde und ihr Erscheinen einstellen musste", sagte Sasa Ilic.

Entnommen aus http://relevant.at/kultur/literatur/85609/streit-um-serbien-praesentation-buchmesse.story