Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
14:55
15.09.2019

Enorm viele Institutionen in Kosova beschäftigen sich mit der Wirtschaft, doch Arbeitslosigkeit und Armut bleiben hoch. Angefangen bei der Regierung, die nebst dem Ministerpräsidenten sechs Vizeministerpräsidenten, neunzehn Minister und exakt 36 Vizeminister zählt, was allein 59 Personen ergibt (drei Vizeministerpräsidenten sind gleichzeitig Minister und wurden deshalb nur einmal gezählt).
 

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n dieser Zahl sind Beraterinnen und andere Mitarbeiter aus der begleitenden Entourage nicht mitgezählt. Unter anderem gibt es ein Ministerium für Wirtschaftliche Entwicklung, ein anderes für Handel und Industrie, nebst vielen weiteren, die ebenfalls mit dem Bereich Wirtschaft zu tun haben. Ausserdem wurde auf Initiative der Landesregierung auch der Nationale Rat für Wirtschaftliche Entwicklung gegründet, ohne hier die zahlreichen einheimischen und ausländischen Wirtschaftskammern aufzulisten. Im neuen Staat gibt es nebst der kosovarischen Wirtschaftskammer auch türkische, deutsche, amerikanische, französische Wirtschaftskammern und viele andere Organisationen, die alle das Ziel haben, die schwierige wirtschaftliche Lage zu verbessern. Doch unabhängig von all dem sind Mangel und Not, die das Land im Griff haben, deutlich sichtbar, was sich, kommt man mit dem Auto, bereits an der Grenze erkennen lässt, beziehungsweise am Flughafen, für wer mit dem Flugzeug einreist. Der Wirtschaftsanalyst Ibrahim Rexhepi sagt gegenüber albinfo.ch, die Bildung solcher Gremien und die Zunahme von Institutionen mit der Aufgabe, die einheimische Wirtschaft zu stärken, gleiche den Task-Forces, die zur Bekämpfung der Korruption gebildet worden seien. "Es ist einfach. Schauen Sie, wie viele Task-Forces geschaffen wurden, um die Korruption zu bekämpfen, und doch nimmt die Korruption laufend nur zu. Das Gleiche ist der Fall mit der Ökonomie", sagt Rexhepi zu albinfo.ch. Seiner Meinung nach kommt es bei der Bildung solcher Einrichtungen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage darauf an, ob sie nach einer gesetzlichen Grundlage geschaffen wurden, oder einfach nur, um die Bürokratie zu vergrössern und einigen Personen einen Arbeitsplatz zu verschaffen. "Zu den neuen Wirtschaftskammern ist zu sagen, dass diese keinerlei Einfluss haben, ausgenommen ihre Arbeit für die eigene Geschäftsgemeinschaft, also die Vermittlung von Informationen an Interessierte", sagt der bekannte Analyst aus Prishtina. "In Bezug auf Körperschaften und Programme hat es Kosova nie gefehlt, doch was immer fehlte, sind konkrete Taten", fügt er hinzu. Seit der Gründung des Nationalen Rats für Wirtschaftliche Entwicklung fand bis heute nur ein Treffen statt, nämlich letzte Woche. Dabei sagte die kosovarische Vizeministerpräsidentin Mimoza Kusari Lila, wie wichtig es sei, dass dieser Rat zu funktionieren beginne. "Es muss betont werden, dass es zu den Zielen des Rats gehört, Dialog und Partnerschaft zwischen den öffentlichen und privaten Akteuren, die dem Rat angehören, weiter zu erleichtern. Zu den Akteuren gehören nebst den relevanten Ministerien auch drei Wirtschaftsvereinigungen: die Wirtschaftskammer Kosovos, die Allianz kosovarischer Geschäftsleute und die Amerikanische Wirtschaftskammer in Kosovo. Alle Mitglieder des Rats sind stimmberechtigt und ihr Ziel ist es, Vorschläge für eine Entwicklungspolitik zu machen und diese zu koordinieren", betonte Kusari-Lila. Die Initiative zur Gründung des Nationalen Rats für Wirtschaftliche Entwicklung war Ende 2010 auf Beschluss der kosovarischen Regierung ergriffen worden, doch seither entwickelte dieser Rat keine einzige wirtschaftliche Aktivität. Gegenüber diesen Ratsgremien und Institutionen, die für die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung gegründet wurden, gibt es in Kosova gemäss offiziellen Angaben jährlich über 25'000 Arbeitslose, die neu in den Markt eintreten, während lediglich 6000 neue Arbeitsplätze pro Jahr geschaffen werden. Fakten Kosovo bleibt hinsichtlich der höchsten Zahl von Arbeitslosen weiterhin an der Spitze der Länder der Region. Gemäss Statistiken internationaler Institutionen herrschte am Internationalen Tag der Arbeit, dem 1.Mai, in Kosova eine Arbeitslosigkeit von 45 Prozent; gemäss dem Arbeitsministerium beträgt die Arbeitslosigkeit nicht mehr als 38 Prozent. Nach Kosovo kommt Makedonien mit 33 Prozent, Bosnien und Herzegowina mit 24 Prozent, Serbien mit 19 Prozent, die Türkei mit 14 Prozent, Albanien mit 13,3 Prozent, Montenegro mit 11 Prozent und Kroatien mit 9,2 Prozent. Gemäss den Statistiken des Arbeitsministeriums waren im Februar dieses Jahres in Kosova über 276'000 Arbeitslose registriert, davon 134'000 Frauen. Gegenden mit den höchsten Arbeitslosenzahlen sind: Prishtina mit 56'714 Arbeitslosen, Mitrovica mit 56'419 Arbeitslosen, Prizren mit 53'652, Gjilan mit 29'000, Pejë mit 27'645, Ferizaj mit 26'946 und Gjakovë mit 26'271 Arbeitslosen. Laut Angaben der Weltbank führte die hohe Arbeitslosigkeit dazu, dass 34 Prozent der Bevölkerung Kosovos arm sind und mit 1,5 Euro pro Tag leben, während 12 Prozent in extremer Armut mit nur 1 Euro pro Tag leben. Entnommen aus http://www.albinfo.ch/de/node/72093