Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
14:46
19.07.2019
Norbert Nitsche schreibt in der Financial Times Deutschland:“:Am Sonntag soll die neue Nationalflagge über dem Parlament von Pristina im Kosovo wehen. Doch wie wird die Fahne aussehen? Auf keinen Fall zu albanisch!“. Damit hat der Autor den Nagel auf den Kopf getroffen. Der Fahnenwettbewerb ist zu Ende und gemäß den Diktaten des Athisaari-Planes soll die Fahne des albanischen Volkes, die sich gegen keinerlei Rechte der nationalen Minderheiten richtet,

entsorgt werden. Der Artikel von Herrn Nitsche bringt den Sachverhalt eindeutig auf den Punkt.



Dokumentation aus http://www.ftd.de/politik/europa/:Farbenlehre%20Kosovo/316803.html

» Farbenlehre im Kosovo «

von Norbert Rütsche (Pristina)

Am Sonntag soll die neue Nationalflagge über dem Parlament von Pristina im Kosovo wehen. Doch wie wird die Fahne aussehen? Auf keinen Fall zu albanisch!

Serbien zetert, Russland droht - aber Pristina lässt sich nicht beirren. Die kosovarische Hauptstadt fiebert dem Wochenende entgegen, wenn sich die Teilrepublik von Belgrad lossagen will. "Das Kosovo ist bereit. Wir sind am Vorabend der Unabhängigkeit", sagt Vizepremier Hajredin Kuci. Das genaue Datum nennt die Regierung zwar nicht, vermutlich wird sie den historischen Schritt aber am 17. Februar, also am Sonntag, verkünden. Vor dem Parlamentsgebäude im Zentrum Pristinas soll dann die neue Nationalflagge gehisst werden. Bloß: Wie wird sie aussehen?

Kuci selbst gehört zu den wenigen Auserwählten, die zumindest eine ungefähre Vorstellung von den neuen nationalen Symbolen der Kosovaren haben. Der Politiker stand an der Spitze einer zwölfköpfigen Kommission, die mit der Vorentscheidung über Flagge und Wappen vertraut war. Das Gremium hat dem Parlament nun jeweils drei Empfehlungen vorgelegt. Die Abgeordneten wollen in derselben Sitzung über die Symbole entscheiden, in der sie auch die Unabhängigkeit besiegeln.

Der Suche nach der neuen Flagge ging ein monatelanger Ideenwettbewerb voraus: Nach einem Aufruf der Regierung im vergangenen Sommer waren mehr als 2500 Vorschläge für die neue Kosovo-Fahne eingegangen - darunter auch 13 aus Deutschland. Der Uno-Vermittler für das Kosovo, Martti Ahtisaari, hatte der Fantasie der Ideengeber allerdings Grenzen gesetzt. Nach dem Willen des Finnen durfte die Flagge nicht ausschließlich aus den Farben Rot und Schwarz bestehen - das tut nämlich schon die Fahne des Nachbarn Albanien, dem sich die muslimischen Bewohner des Kosovo traditionell verbunden fühlen. Ebenfalls untersagt war die Farbkombination Rot-Blau-Weiß - also die serbische Trikolore. Schließlich, so Ahtisaari, sollte auch kein Adler auf der Fahne schweben. Der Vogel ziert nämlich sowohl die albanische als auch die serbische Flagge. Nach Angaben der Flaggenkommission favorisierten die meisten Einsendungen letztlich eine Komposition aus Schwarz, Rot und einer dritten Farbe, meist Weiß oder Blau. In vielen Vorschlägen seien auch die Umrisse des Kosovo zu sehen gewesen.

Nach Einschätzung von Kommissionsmitglied Fadil Hysaj wird die neue Flagge zunächst aber kaum Symbolkraft entfalten. Zu sehr identifizieren sich die Kosovaren mit dem schwarzen albanischen Doppelkopfadler auf rotem Grund - "schließlich haben die Menschen damit für ihre Unabhängigkeit gekämpft", sagt Hysaj. Es brauche vermutlich Zeit, bis die Kosovo-Fahne bei den Bürgern Emotionen wecke. Gleiches dürfte übrigens für die Hymne gelten. Bislang gibt es weder Melodie noch Text. Vorerst behelfen sich die Kosovaren daher mit Beethovens "Ode an die Freude" - also der Europahymne.