Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
15:51
15.09.2019

In diesem wie auch in den letzten Jahren fuhren Mitglieder von DIE LINKE, dem Kritischen Frieden Leipzig, dem Verein “Verantwortung für Flüchtlinge e.V” und der Initiative “Leipzig Korrektiv” in die bosnische Kleinstadt Srebrenica. Dort ereignete sich vor genau 20 Jahren am 11. Juli 1995 während des Bosnienkrieges der größte Genozid in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Über 8.000 bosnische

Muslime, darunter viele Kinder und Jugendliche, wurden von der Armee der Republik Srpska (unter Führung von Ratko Mladic) und serbischen Paramilitärs mit direkter Hilfe der niederländischen UN-Blauhelmsoldaten ermordet. Die systematische Planung und schnelle Durchführung der Massaker innerhalb von nur drei Tagen zeigt, dass es sich - wie bereits vom UN-Kriegsverbrechertribunal und Internationalem Gerichtshof bestätigt - eindeutig um einen Völkermord handelt. Im Juli 1995 maschierten Mladic und seine Armee in eine 1993 errichteten UN-Schutzzone ein und versuchten die Stadt Srebrenica einzunehmen, wobei die UN-Blauhelmsoldaten aus den Niederlanden zunächst untätig zuschauten. Nach Gesprächen zwischen dem Blauhelmkommadanten Thomas Karremans und Ratko Mladic lieferte Karremans aus Angst u.a. um sein eigenes Leben unzählige Menschen aus der Schutzzone den serbischen Massenmördern aus. Trotz des mehrfachen Hilferufes nach Verstärkung aus UNO-Mitgliedsstaaten hatte das Ausland die Lage in Srebrenica völlig ignoriert. Folglich kooperierten die Blauhelmsoldaten mit den serbischen Verbrechern. Unvergessen sind die Bilder, auf denen Kriegsverbrecher Mladic und Karremans sich nach dem Genozid gegenseitig für die "Kooperation" bedankten und zum Abschied Geschenke überreichten. Ein Jahr nach Ruanda ein erneut schwerwiegendes Versagen der internationalen Kräfte. Selektion, Deportation und die anschließende Vernichtung sind immer wieder die gleichen Stufen eines Völkermordes, so auch in Srebrenica.
Am 11. Juli wurden zur 20-Jahre-Gedenkveranstaltung wieder 136 neu identifizierte Leichen auf der Gedenkstätte in Potocari nahe Srebrenica beigesetzt. Bewegende Reden und Gespräche mit Angehörigen der Opfer sowie FriedensaktivistInnen aus ganz Europa prägten unsere Besuche in diesem wie auch in den letzten Jahren in Bosnien und Herzegowina. Doch was lehrt uns Srebrenica? Der Völkermord 1995 steht genauso wie der Genozid an den Kosovo-Albanern in den 90er Jahren für die fatalen Folgen serbisch-faschistischer Politik seit den 80er Jahren. Sie setzte dabei auf Großmachtfantasien und ethnisch begründeten Terror. Es ist noch heute von Serbien und anderen imperialistischen Kräften unverantwortlich, zur Machtsicherung auf Misstrauen und Hass zwischen den Volksgruppen auf dem Westbalkan zu setzten. Fest steht für uns alle: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus und vereint gegen jeglichen Hass. Die aktuellen Verharmlosungsversuche Russlands und Serbiens tragen nicht zu einer zwingend notwendigen Versöhnung bei. Heute stellen in Europa wieder nationalistische und imperialistische Kräfte Staatsgrenzen in Frage und gefährden damit den Frieden. Gegen jeden Nationalismus und Imperialismus gilt es sich folglich zu wehren. Umso mehr bedauern wir, dass bei der sog. Leipziger “Friedensbewegung” um das Friedenszentrum und bei Teilen der LINKEN Leipzig das äußerst wichtige Thema “20 Jahre Völkermord in Srebrenica” keine Beachtung fand.

"Der Text von Ricky Burzlaff wurde  aus Facebook entnommen Redaktion Kosova-Aktuell" 

CS REVISED (FarendNet) Srebrenica Poster 2015-A3 print (2)