Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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17.09.2019
Innerhalb der deutschen Linken ist die Interpretation der jüngsten Geschichte auf dem Balkan mitunter sehr eigenwillig. Bestimmte Autoren, der Profilierteste unter ihnen heißt Jürgen Elsässer, weinen bis heute bittere Tränen um den Mörder Milosevic und haben als neuen Hoffnungsträger für ihre Vorstellungen ausgerechnet die offenen Faschisten der „Serbischen Radikalen Partei“ entdeckt. Aber auch innerhalb des oft zu anderen Themen vernünftig argumentierenden Spektrums der Linken, gibt es Unwissenheit und Vorurteile gegenüber dem Selbstbestimmungsrecht Kosovas.

 

Aus diesem Grund dokumentiert Kosova-Aktuell einen Artikel aus der Zeitung "ZERI I POPULLIT", aus dem Jahr 1989. Die Redaktion von Kosova-Aktuell verbindet nichts mit dem einstigen albanischem Stalinismus. Dennoch erscheint uns der Artikel- DIE VERFASSUNG DER PANZER- einige gute Fakten zu enthalten, um jeder Art von unsinniger und chauvinistischer Geschichtsinterpretation entgegenzutreten. Treffend wird in dem Artikel die historische Rolle von Milosevic prognostiziert: „ Die Schlacht von Milosevic um Kosova verwandelte sich in eine Schlacht zur Zerschlagung der Fundamente von AVNOJ und die Errichtung er ungeteilten und allmächtigen Herrschaft des extremistischen serbischen Nationalismus über ganz Jugoslawien.“ Diese Prognose hat sich leider bewahrheitet.

 

Dokumentation

DIE VERFASSUNG DER PANZER "ZERI I POPULLIT", 1989



In Kosovo und in Jugoslawien geschah, was nicht geschehen durfte. Gegen den Willen des Volkes, willkürlich und mit Gewalt wurde in der Versammlung Kosovos die "Zustimmung" für die Verfassungsänderungen Serbiens durchgeboxt. In einer aufgeheizten Atmosphäre der Masseninhaftierungen von albanischen Kadern und Intellektuellen, des politischen und psychischen Terrors, umzingelt von Panzerläufen, von Tausenden Polizisten und Zehntausenden Soldaten, unterwarfen sich die Abgeordneten Kosovos der Erpressung und wurden genötigt, die Hand zu heben. Die albanische Bevölkerung ist ihrerseits trotz Ausnahmezustand, offen und ohne Angst demonstrierend, durch die Strassen gezogen, einstimmig und entschlossen, sich nicht mit den willkürlichen und antidemokratischen Gesetzen abzufinden, die die Autonomie begrenzen und einen Status für Bürger zweiter Klasse aufzwingen.
Kosovo tritt in eine neue Phase seiner Existenz, ähnlich der Zeit Rankovics, als der nationale Hass, Willkür und die unkontrollierte Gewalt des grossserbischen Chauvinismus herrschten. Mit Inkrafttreten der neuen Verfassung Serbiens wurden nicht allein Kosovo und den Albanern Schläge versetzt. Damit wurden den Ergebnissen des Nationalen Befreiungskampfes der Völker Jugoslawiens, seiner Idee des Föderalismus und des Autonomierechtes der Nationen, der Anerkennung der vollständigen Gleichheit, als Hauptbedingung für ihre Vereinigung zu einem einzigen Staat, der bekräftigten Praxis und dem nicht formalen Konsensus der Republiken und der Gebiete für die staatliche Regulierung. Schläge versetzt. Es wurde ein Akt verübt, der für ganz Jugoslawien und alle seine Völker schwere Folgen haben wird. Die Schlacht von Milosevic und Kosovo verwandelte sich in eine Schlacht zur Zerschlagung der Fundamente von AVNOJ und die Errichtung er ungeteilten und allmächtigen Herrschaft des extremistischen serbischen Nationalismus über ganz Jugoslawien.
Die ausländische Presse schreibt nun, dass es zu einer Spaltung zwischen den nordwestlichen Republiken und den südlichen Republiken Jugoslawiens im Zusammenhang mit der Haltung Serbiens gegenüber der Lösung des KosovoProblems, zugleich auch im Zusammenhang mit den unitaristischen und zentralistischen Formeln kommt, die angeboten werden, um aus der Krise herauszukommen, die das Land befallen hat. Das ist nicht gut, doch dies musste zwangsläufig geschehen. Es ist klar, dass das Schicksal Kosovos auch das Schicksal der anderen Völker Jugoslawiens ist, dass das serbische Experiment in Kosovo nicht ein Einzelfall bleiben kann, dass der Appetit bekanntlich mit dem Essen kommt. Neu bei diesem Ereignis ist die Tatsache, dass die anderen, begonnen haben, aus dem Schaden der Albaner sich ihres Schicksals bewusst zu werden.
Nach der Einschränkung der Autonomie Kosovos haben die Führer Serbiens und ihre Presse die Kampagne für die Änderung der ganzen Verfassung des Jahres 1974 entfacht, was nach ihrer Vorstellung Ende des Jahres 1990 abgeschlossen sein soll. Solevic hat geplant, in Ljubijana, Zagreb und Sarajevo serbische Manifestationen, vergleichbar mit denen von Novi Sad und Titograd zu organisieren, um die "verbürokratisierten" Führungen, die sich Serbien widersetzen, zu türzen. Falls man dies durch Demonstrationen nicht erreichen kann, wie es in Kosovo geschehen ist, werden es die Panzer, die bereits aus den Kasernen herausgekommen sind, nicht mehr schwer haben in Richtung Norden zu rollen. Die Erfahrungen sind gemacht, die Drehbücher haben die Zustimmung, und man ist bereit, wie auch die Mojsovs, die imaginären Verschwörer zu denunzieren.
Was wird mit Jugoslawien in Zukunft geschehen? Keiner weiss es. Viel wird von dem Verhältnis der inneren Kräfte abhängen, doch auch von der Haltung der jugoslawischen Partner, die bis jetzt nur Zuschauer sind, dies deshalb, weil auch die grosse Abhängigkeit Jugoslawiens, vor allem seine wirtschaftliche Abhängigkeit vom Ausland berücksichtigt wird.
Doch man "weiss genau, dass sich die Völker Jugoslawiens mit der serbischen Hegemonie nur sehr schwer abfinden und nicht freiwillig auf jene nationalen und demokratischen Rechte verzichten, wofür sie in ihrem Nationalen Befreiungskampf eingetreten sind. Dies zeigt heute Kosovo, morgen werden es auch die anderen beweisen.
Es besteht kein Zweifel daran, dass die albanische Bevölkerung Kosovos die Einschränkung der Autonomie und ihrer nationalen Rechte als einen grossen Verlust erlebt, als eine schwere Ungerechtigkeit, die ihr widerfährt. Sie hat dies klar und weltweit zum Ausdruck gebracht, so wie sie deutlich in aller Welt kundtat, dass sie sich mit den Beleidigungen, den Diskriminierungen, den Drohungen und den Erpressungen nicht abfinden kann. Ihre Empörung und Entrüstung sind gross, genauso wie auch ihre Vorsicht und Ruhe, die es nicht zulassen, aufzugeben und den gesunden Menschenverstand zu verlieren, der sie lehrt, wie sie für ihre Rechte erfolgreich kämpfen und sie verteidigen kann.
In Jugoslawien, sagt man nun, aus Zwecken der Propaganda, der Demagogie oder des Betruges, oder um über den Berg zu sein, dass der Kern der Autonomie Kosovos trotz der Änderungen in der Verfassung Serbiens unverletzt bleibt und damit die nationalen Rechte der Albaner.
Bis jetzt sind dies nichts als globale Formeln geblieben, man hat nichts konkretes gesagt: werden das Recht des Erlernens der Muttersprache in der Schule, das Recht der Verwendung der albanischen Sprache in der Verwaltung und in den Informationsmedien wie bisher respektiert, wird den Albanern erlaubt, ihre eigenständige Kultur zu entwickeln, ihre historischen Traditionen zu pflegen, ihre Lebensweise zu schützen usw.?
Wird der Anteil der Albaner an der Bevölkerung bei der Beschäftigung, bei der Vertretung in den legislativen und administrativen Organen berücksichtigt, werden auch sie die gleichen juristischen und Bürgerrechte wie die anderen haben? Mit einem Wort, werden sie Herr in ihrem Haus sein oder werden sie sich bei allem dem serbischen Diktat und Willen unterordnen müssen?
Man muss noch etwas abwarten, um zu urteilen. Doch, wenn wir uns ansehen, was in der serbischen Presse geschrieben wird, scheinen keine gute Aussichten vorhanden zu sein. Ihre Seiten sind voll mit brutalen chauvinistischen Forderungen, die in offenem Widerspruch zu den Versprechungen stehen. die zur Achtung der Autonomie gemacht werden.
Die in Kosovo durchgeführten Veränderungen, haben die Situation noch mehr kompliziert und verschärft. Diejenigen, die die Wunde Kosovos aufrissen und den Zustand verschlechterten, haben eine schwere Verantwortung vor den Völkern Jugoslawiens und der ganzen Welt übernommen. Man wird viel Arbeit haben und muss sich grosse Mühe geben, um diese Wunde zu schliessen, falls sie überhaupt zu heilen ist. Doch die Wunden Jugoslawiens können mit dieser Politik, die gegenüber den Albanern und den anderen verfolgt wird nicht geheilt werden, da an die Stelle der politischen Weisheit der chauvinistische Wahnsinn getreten ist, da die politischen Mittel zur Lösung der nationalen und sozialen Konflikte durch die Panzer ersetzt worden sind, da die Meinung der Öffentlichkeit nicht beachtet wird, da die Gier nach Macht und Hegemonie über die Nationen und die Völker zu einer zerstörerischen Zwangsvorstellung geworden ist.