Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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21.09.2019

Antike: In der Antike war der westliche Balkan und damit auch das Territorium des heutigen Albanien von illyrischen Stämmen besiedelt, auf die die Albaner ihre Abstammung zurückführen. Seit dem 6. Jahrhundert vor Christus entstanden an der albanischen Küste griechische Kolonien. So sind zum Beispiel die Städte Lezha (griech. Lissos), Durrës (griech. zuerst Epidamnos, später Dyrrachion), Apollonia und Butrint (griech. Buthroton) Gründungen griechischer Siedler gewesen. Seit dem 5. Jahrhundert gelang es einigen illyrischen Stammesfürsten kurzlebige Reiche zu gründen, die nach dem Tod des jeweiligen Potentaten zumeist schnell wieder zerfielen. 231 - 229 herrschte Teuta als Königin der Illyrer. Sie stützte sich auf eine eigene Flotte, deren Raubzüge auch den Handel der römischen Republik gefährdeten. Die Römer wollten diese Gefahr ausschalten und begannen deshalb mit der Expansion nach Illyrien.

229 - 228 kam es zum ersten von drei Römisch-Illyrischen Kriegen, in dessen Ergebnis die Griechenstädte Apollonia und Dyrrachium in Mittelalbanien römisches Protektorat wurden. Die vollständige Integration Illyriens in das Römische Reich war erst unter Kaiser Augustus abgeschlossen. 27 v. Chr. wird unter Einbeziehung Dalmatiens und Pannoniens die Provinz Illyrien eingerichtet. Die Romanisierung der schwer zugänglichen Gebirge im Inneren Illyriens ist nicht so durchgreifend wie in anderen römischen Provinzen. Deshalb bleiben illyrische Dialekte bei der Landbevölkerung erhalten. Diese bildeten die Basis für die im Mittelalter entstehende albanische Sprache.

Das Christentum hat sich in Albanien früh ausgebreitet. (Angeblich soll der Apostel Paulus selbst in Illyrien gewesen sein.) Christliche Sakralbauten gab es, wie archäologisch nachgewiesen wurde, seit dem 4. Jahrhundert. Als 395 das Römische Reich in eine westliche (lateinische) und eine östliche (griechische) Hälfte geteilt wird, fällt der nördliche Teil Albaniens an das Westreich, der Süden an das Oströmische bzw. Byzantinische Reich. Deshalb ist unter den christlichen Konfessionen bis heute die katholische in Nordalbanien die dominierende, im Süden dagegen gibt es vor allem orthodoxe Christen.


Kurzüberblick der letzten 750 Jahre


Mittelalter

Zunächst gehörte das Gebiet des heutigen Albaniens zum Byzantinischen Reich. Am Ende der Völkerwanderung siedelten sich auch in weiten Teilen Albaniens Slawen an. Zahlreiche slawische Ortsnamen erinnern bis heute daran. Ende des 11. Jahrhunderts führten mehrere Kriegszüge süditalienischer Normannenheere in Richtung Thessaloniki durch Albanien. Als Folge des 4. Kreuzzugs (1204) brach die byzantinische Herrschaft auch in Albanien zusammen. Die albanischen Gebiete zerfielen in zahlreiche kleine Fürstentümer oder wurden zeitweise von auswärtigen Mächten (Serbien, Königreich Neapel, das griechische Despotat Epiros, Republik Venedig) beherrscht. Im 14. Jahrhundert konnte sich der einheimische Fürst Karl Topia ein größerers Herrschaftsgebiet schaffen. Anfang des 15. Jahrhunderts war die Familie Ballshi (serb. Balšici) bedeutend. Während der unübersichtlichen Machtverhältnisse im Hoch- und Spätmittelalter vollzog sich die Ethnogenese des albanischen Volkes. Dieser Vorgang ist wenig erforscht und sein tatsächlicher Verlauf unter den Historikern sehr umstritten. Die albanische Ethnie scheint in den mittel- und nordalbanischen Gebirgslandschaften entstanden zu sein. Es handelte sich um eine Wanderhirtenkultur (im Sommer in den Bergen, im Winter in den Küstenebenen), diese Mobilität scheint die Ausbreitung der Albaner und ihrer Sprache im Mittelalter sehr begünstigt zu haben. Jedenfalls sind sie bereits im 14. Jahrhundert in größerer Zahl in Thessalien bezeugt. Zur selben Zeit sind sie in weiten Teilen des heutigen Albanien sowie in Teilen von Kosovo und Epiros die größte ethnische Gruppe. In der Mitte des 15. Jahrhunderts gelingt es dem Fürsten Skanderbeg aus Kruja die Albaner zum erfolgreichen Abwehrkampf gegen die Osmanen zu einen. Er wurde deshalb damals vom Papst als Athleta Christi bezeichnet und von den Albanern noch heute als ihr größter Nationalheld verehrt.


Herrschaft der Osmanen

Erst nach dem Tod von Skanderbeg konnten die Türken 1478 Albanien vollständig besetzen und mehr als 400 Jahre beherrschen. Große Teile der Bevölkerung traten zum Islam über und spätestens im 17. Jahrhundert waren die Muslime in der Mehrheit. Die Albaner waren das einzige Balkanvolk, das mehrheitlich den Glauben der osmanischen Eroberer angenommen hat. Das führte dazu, dass nicht wenige Albaner Karriere in der osmanischen Verwaltung und im Heer machten und Stellungen erlangten, die den christlichen Untertanen des Sultans verschlossen blieben. Albanien war in mehrere Vilayets gegliedert, die alle auch Gebiete außerhalb des heutigen Staatsgebietes umfassten. Das Land gehörte, wie auch schon zu byzantinischer Zeit zu den Randgebieten des Reiches. Nicht zuletzt die Unterbrechung der Handelsbeziehungen nach Italien und dem übrigen Europa schadeten der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung. Während der Süden Anteil an der orientalischen Stadtkultur hatte, verblieben die nördlichen Gebirgsregionen in archaischen Stammestraditionen. Im Norden hatte die türkische Herrschaft nie richtig Fuß gefasst, der Katholizismus blieb hier erhalten. Der kulturelle und wirtschaftliche Verfall des Osmanischen Reiches wirkte sich im 18. Jahrhundert auch stark auf die albanischen Gebiete aus. An der Wende zum 19. Jahrhundert versuchte der albanische Pascha Ali von Tepelena eine vom Sultan unabhängige Herrschaft zu begründen.

Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich langsam ein albanisches Nationalbewusstsein: erste Schulen mit Unterricht in albanischer Sprache wurden eröffnet, die albanische Kultur wurde gefördert und in Prizren (Kosovo) und anderen Orten wurden Ligen gegründet. Diese Interessensgemeinschaften wehrten sich angesicht der neuen Staaten auf dem Balkan insbesondere gegen die Aufgliederung der von Albanern besiedelten Gebiete auf mehrere Länder.


Nationalbewegung und Unabhängigkeit

Nach dem Ersten Balkan-Krieg erklärte Albanien 1912 seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Die Grenzen des neuen Staates wurden 1913 von den europäischen Großmächten auf der Londoner Botschafterkonferenz festgelegt. Dabei hatten Russland und Frankreich als Verbündete von Serbien erreichen können, dass ein großer Teil des albanischen Siedlungsgebiets (Kosovo u. der Nordwesten des heutigen Mazedonien) dem serbischen Staat zugesprochen wurde. Diese Entscheidung legte den Keim für den Kosovo-Konflikt am Ende des 20. Jahrhunderts. Die Botschafterkonferenz hatte auch beschlossen, dass Albanien ein Fürstentum sein sollte. Zum Fürsten wurde der Deutsche Wilhelm Prinz zu Wied erhoben, der dieses Amt 1914 nur für wenige Monate ausübte. Von den Großmächten im Stich gelassen und abgelehnt von vielen albanischen Stammesführern und Beys konnte er seine Herrschaft selbst in der Umgebung der damaligen Hauptstadt Durrës nicht durchsetzen. Die Schaffung staatlicher Institutionen gelang nicht einmal in Ansätzen. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs verließ Wilhelm das Land und kehrte nie zurück.

Ahmed Zogu, König von Albanien (1928-1939)Während des Krieges verschwand Albanien wieder von der politischen Landkarte. Der Norden war seit 1915 von österreich-ungarischen Truppen besetzt, im Süden standen italienische Truppen und der Südosten um die Stadt Korça herum war von den Franzosen besetzt. Als die Österreicher 1915 Serbien besetzten, flohen die geschlagenen serbischen Truppen durch Albanien nach Griechenland. Den Franzosen folgten 1918 in Korça die Griechen als Besatzer. 1919 drohte Albanien bei der Pariser Friedenskonferenz weiter aufgeteilt zu werden. Griechen und Italiener wollten die von ihnen besetzten Gebiete nicht räumen. Im Januar 1920 tagte der Kongress von Lushnja, der eine neue Regierung wählte. Diese erlangte schnell Anerkennung, so dass sich noch im gleichen Jahr die Besatzungsmächte - im Falle von Italien nach militärischen Auseinandersetzungen - zurück zogen. Im Dezember 1920 wurde Albanien in den Völkerbund aufgenommen.

Auch die Nachkriegsgeschichte verlief chaotisch. Beys und Stammesführer stritten um die Macht und keine der schnell wechselnden Regierungen konnte sich durchsetzen. 1924 unternahm der orthodoxe Bischof Fan Noli den ersten Versuch demokratische Verhältnisse zu schaffen. Eine Verfassung sollte ausgearbeitet und freie Wahlen abgehalten werden. Aber nach sechs Monaten wurde von den Großgrundbesitzern auch gegen die Regierung Noli erfolgreich geputscht. Ab 1925 wurde der nordalbanische Clanführer Ahmed Zogu zur prägenden politischen Figur Albaniens. 1928 ließ sich Zogu zum König krönen. Vor allem aus wirtschaftlichen Gründen geriet Zogu immer mehr in die Abhängigkeit des faschistischen Italien. Seine Herrschaft wurde am 7. April 1939 durch die italienische Okkupation Albaniens beendet.


Der Zweite Weltkrieg

Der Widerstand gegen die italienische (seit 1943 deutsche) Besatzung des Landes erfolgte durch miteinander rivalisierende Partisanengruppen. Es gab königstreue, nationalistisch-republikanische und kommunistische Einheiten. Zur Jahreswende 1943/44 konnte jedoch die 1941 gegründete Kommunistische Partei Albaniens ihren Führungsanspruch gegen die Nationalisten durchsetzen. Wie in Jugoslawien gelang es den albanischen Partisanen, ihr Land ohne die Hilfe alliierter Truppen zu befreien, als die deutschen Armeen sich wegen der heiklen Gesamtkriegslage aus Griechenland und vom Balkan zurückziehen mußten, um nicht eingekesselt zu werden.

Bemerkenswert ist, dass die Juden in Albanien nicht vom Holocaust betroffen waren. Die italienische Besatzungsmacht verfolgte die kleine jüdische Minderheit von etwa 120 Personen nicht. In den ersten Jahren des Krieges flohen mehrere hundert Juden aus anderen Teilen Europas nach Albanien. Die Auslieferung der einheimischen Juden und zugewanderten Gäste an die Deutschen (Besatzungsmacht seit 1943) wurde von der Regierung verweigert. Zahlreiche albanische Familien versteckten Juden. So kam es, dass Albanien 1945 eines der wenigen europäischen Länder war, in dem mehr Juden lebten als vor dem Krieg. Kein Jude aus dem albansichen Kerngebiet wurde deportiert. Nur in Kosovo, das während dem Krieg zu Albanien gehörte, kam es zu Deportationen und Verfolgung. Die meisten ausländischen Juden verliessen in den folgenden Jahren das Land. 1991 emigrierten rund 300 Juden, Angehörige und Nachfahren, nach Israel. Nur wenige, die in nicht-jüdische Familien geheiratet hatten und ihre Heimat nicht verlassen wollten, blieben in Albanien.


Die kommunistische Diktatur

1944 kam es zur Machtergreifung der Kommunisten unter Enver Hoxha. In den Folgejahren wurde in Albanien unter Ausschaltung jeglicher Opposition eine kommunistische Einparteienherrschaft etabliert. Viele nichtkommunistische ehemalige Partisanen wurden als erste ermordet. Als wichtigster außenpolitischer Partner Albaniens galt bis 1948 Jugoslawien, danach die Sowjetunion.

Bunker bei Fieri in Mittelalbanien.Durch die Freundschaft und Verehrung Enver Hoxhas für Josef Stalin trieb er nach dem Tod Stalins (1953) mit seiner Politik Albanien in die totale Isolation. 1961 wendet sich Albanien von der Sowjetunion ab und die Volksrepublik China wurde zum wichtigsten außenpolitischen Partner. 1967 wurde Albanien zum atheistischen Staat erklärt und Muslimen wie Christen jegliche Religionsausübung verboten. Die meisten Kirchen und Moscheen wurden in Lagerhäuser, Kinos usw. umgewandelt. Nur wenige blieben als Museen erhalten. Den Albanern wurden Reisen ins Ausland verwehrt, und jeglicher Kontakt mit Ausländer war verboten. Der private Besitz von Autos war untersagt. Hoxha ging zu einer Politik der Autarkie und völligen Isolation über.

1968 erfolgte der endgültige Austritt aus dem RGW und dem Warschauer Pakt, weil die albanische Führung den etwas gelockerten sowjetischen Herrschaftsstil nicht mehr für wirklich sozialistisch hielt. Staatsdoktrin wurde der Maoismus. Als Folge der chinesischen Reformen nach Maos Tod (1976) brach Albanien im Jahr 1978 auch die Beziehungen zu China ab. Die ideologische Ausrichtung der Kommunisten auf Autarkie und den besonderen Weg des albanischen Sozialismus bekam schließlich paranoide Züge, als Hoxha zur Verteidigung Albaniens vor einer Invasion im ganzen Land nach dem Konzept des "Volkskrieges" ca. 600 000 Bunker bauen ließ. Extra dafür wurde die Betonindustrie angekurbelt und teurer Spezialstahl importiert. Im ganzen Land wurden Mini-Einheiten von 5 bis 16 Mann (insgesamt 2.000) verteilt.

Der albanische Sozialismus nahm auch außergewöhnliche Formen als Überwachungsstaat an. Es heißt, dass einer von sechs Albanern Informant oder Agent der Geheimpolizei Sigurimi war. Eine in Albanien sehr verbreitete Form der diktatorischen Unterdrückung waren die Internierungsdörfer. Diese wurden in abgelegenen und von der Natur wenig begünstigten Gegenden (die Sümpfe der Küstenebene, Hochgebirgstäler) angelegt. In einer Art von Sippenhaft wurden dorthin Familien von Personen deportiert, die sich angeblicher politischer Vergehen schuldig gemacht hatten.

Nach dem Tode Enver Hoxhas 1985 wurde seine Politik zunächst auch von seinem Nachfolger Ramiz Alia fortgesetzt.


Schwieriger Transformationsprozess

1990 folgte die Wende mit dem Sturz des kommunistischen Regimes. Zahlreiche Albaner versuchten illegal per Schiff über Italien in den Westen zu gelangen. Der postkommunistische politische und wirtschaftliche Transformationsprozess scheiterte weitgehend.

Im April 1991 erringen die Kommunisten unter Ramiz Alia bei den ersten freien Wahlen die Mehrheit und entzogen der Partei die Kontrolle über die 22 Divisionen umfassenden Streitkräften und setzen eine Umstrukturierung mit parlamentarischer Kontrolle ein.

Im Juni 1991 erfolgt die Aufnahme in die KSZE.

Im April 1992 übernehmen die Demokraten unter Sali Berisha die Regierung und Reformen werden forciert.

Am 6. Juni 1992 tritt Albanien dem NATO-Kooperationsrat bei und stellte einen Antrag auf NATO-Mitgliedschaft, der jedoch im Dezember 1992 zurückgewiesen wurde. Mit der Türkei, mit dem historische und kulturelle Bindungen bestehen, schloß Albanien 1992 einen umfassenden Beistandspakt ab.

Im Oktober 1993 folgten Abkommen mit den USA und Großbritannien.

Am 10. Juli 1995 wird Albanien als 35. Mitglied in den Europarat aufgenommen. Im Sommer 1995 statte Bundespräsident Roman Herzog Abanien seinen Besuch ab.

Anfang 1997 erschütterten nach Kreditbetrugsfällen im großen Maßstab Unruhen das Land. Im März 1997 waren die staatlichen Strukturen außerhalb der Hauptstadt völlig zusammengebrochen und es herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände. Eine OSZE-Mission konnte unterstützt von internationalen Friedenstruppen (Griechen, Italiener, Spanier, Franzosen, Türken und Rumänen) den Frieden wiederherstellen. Im Juli 1997 wurden unter OSZE-Aufsicht freie und faire Wahlen abgehalten. Danach normalisierte sich die Lage. Seitdem erholte sich die Wirtschaft des Landes und die Lebensverhältnisse besserten sich. Aber immer noch hat das Land große ökonomische Probleme und eine hohe Arbeitslosigkeit. Das politische System ist nach wie vor sehr instabil.

Am 24. Mai 1998 unterzeichnen in Tirana die stellvertretenden Verteidigungsminister von Albanien, Bulgarien, Griechenland, Italien, Mazedonien, Rumänien, Slowenien, der Türkei und der USA eine Absichtserklärung zur Bildung einer 2.000 bis 3.000 Soldaten umfassenden multinationalen Friedenstruppe für Südosteuropa MPFSEE Multinational Peace Forces South East Europe. Die MPFSEE ist als Unterstützung bei NATO-Missionen und Einsätzen der Westeuropäischen Union (WEU) gedacht.