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03.09.2010
 
Aktuell
Projekt Kosova C – Ökologische und soziale Katastrophe Drucken
Geschrieben von Max Brym   
Sonntag, 27. Juli 2008
Die Ausschreibung für Kosova C geht in die heiße Phase. Der deutsche RWE-Konzern buhlt intensiv um die auf 3,5 Milliarden Euro taxierte Ausschreibung eines neuen Kraftwerks mitsamt Braunkohleabbau. Stefan Hotz und John Jowett sind die Beauftragten des deutschen Energiegiganten RWE in Prishtina. Sie sollen den Deal, den Braunkohlereichtum Kosovas günstig zu erwerben über die Bühne bringen. Sie leiten das Büro von RWE in Prishtina. In einer Seitenstraße gegenüber

vom Regierungssitz hat sich der Weltmarktführer beim Braunkohleabbau in ein Bürogebäude eingemietet. Zumindest damit ist RWE seinen Konkurrenten einen Schritt voraus.

Insgesamt befinden sich noch vier Bewerber im Topf für die Ausschreibung des geplanten Kraftwerks Kosova C, darunter Konsortien um den deutschen EnBW-Konzern, den tschechischen Versorger CEZ und den italienischen Konzern Enel. Aber eben nur RWE hat eine eigene Präsenz in Prishtina. Kosova hat die fünftgrößten Braunkohlevorkommen auf der Welt.. Riesige Profite befeuern die Kohle und Strom – Kapitalisten-. «Wir haben den Vorteil, dass wir sowohl Kraftwerksbau als auch Braunkohleabbau leisten können» , sagt Hotz. Das Braunkohlegeschäft verspricht zu einer Erfolgsgeschichte zu werden, in der Wirtschaftspresse ist zu lesen:“Auf den Sieger des Bieterverfahrens wartet nicht nur ein hochwertiger Rohstoff. Das Kraftwerk Kosovo C könnte zudem die Nachbarländer beliefern und dauerhaft gut ausgelastet werden. 3,5 Milliarden € soll angeblich ein neues 2.000 Megawatt Kraftwerk kosten. Der Stromriese bezeichnet das Kosovo als "eine der interessantesten Investitionsmöglichkeiten von Europa". Und mit dieser Einschätzung sind die Deutschen nicht allein. Gleich vier Interessenten wollen sich um den Bau eines neuen, hochmodernen Braunkohlekraftwerks mitsamt Mine bewerben. 3,5 Mrd. Euro soll Kosova C kosten, es wäre das größte Industrieprojekt in der Geschichte Kosovas.“


Ausbeutung und Raub


Visar Ymeri erklärte zu Kosova C auf einer Konferenz der LPV ( Bewegung für Selbstbestimmung) in Prishtina:„Kosova hat Braunkohlevorkommen zwischen 11 und 14 Milliarden Tonnen. Kosova C könnte innerhalb von 40 Jahren, 44 Milliarden Euro und 150 Millionen erbringen. Dies ist bezogen auf den aktuellen Weltmarktpreis pro mw/h.“ Renommierte Institute aus England empfehlen in der internationalen Wirtschaftspresse, einen Mindestkaufpreis für Kosova C in der Höhe von 6 Milliarden Euro. Aber auch dieser Preis ist ein schlechter Witz. Grundsätzlich sollte keinerlei Raub am Volksvermögen Kosovas durch internationale Konzerne gestattet werden. Kosova braucht den Reichtum für seine Bevölkerung. Die sozialen Probleme sind groß, letzteres interessiert keinen privaten Investor. Im Gegenteil, die internationale bürgerliche Presse ist sehr zufrieden mit der Regierung unter Hashim Thaci. Die Regierung will alles kostengünstig privatisieren und hat die serbische Steuergesetzgebung, wonach Unternehmen nur mit höchstens 10% besteuert werden übernommen. Die serbische Kapitalbesteuerung wird von internationalen Konzernen als „vorbildlich“ beschrieben. In der Tat, Serbien verscheuert den nationalen Reichtum, garantiert niedrige Löhne und geringe Steuern. Auf der gleichen Linie befinden sich Hashim Thaci und seine bürgerliche Clique in Prishtina.


Kosova C Landraub und ökologische Katastrophe


Eine Studie, die im Juni 2007 von der Organisation „Prishtina-Forum 2015“ veröffentlicht wurde, stellt das Projekt Kosova C grundsätzlich in Frage.. Die Autoren dieser Studie sind der Ansicht, dass ein Kraftwerk mit wesentlich geringeren Kapazitäten ausreiche, um den Bedarf Kosovas zu decken. Sie sind außerdem der Meinung, dass der Bau der Zentrale Kosova C mit einer vorgesehenen Kapazität von 2.100 MW das Risiko berge, künftige Investitionen auszuschließen. Ergo die durchaus bürgerlichen Autoren der Studie befürchten, die Monopolstellung eines großen internationalen Konzerns im Bereich der Energieversorgung. Die Entwicklung von privaten Monopolen ist in der Tat für die Gesellschaft extrem gefährlich. Im Angesicht der Weltenergiekrise ist Kosova, die Rolle des Stromexporteurs in die Region, an zahlungsfähige Kunden zugedacht. Die Energiepreise auf dem Weltmarkt explodieren gerade. Der bedürftige Bauer, der Arbeiter oder gar der völlig verarmte in Kosova wird keinerlei Strom erhalten, wenn er die steigenden Preise nicht begleichen kann.

Kosova C, behaupten die Autoren der Studie, könnte zugleich gravierende ökologische Probleme verursachen. Tatsächlich müsste eine große Zahl von Wohnungen umgesiedelt werden, ganz abgesehen davon, dass der Wasserverbrauch und der anfallende Müll mindestens 15% der bebaubaren Fläche Kosovas zerstören würde. Der Fluss Sitnica, der Norden und Süden Kosovas verbindet, ist bereits stark verschmutzt. Die Autoren der erwähnten Studie schätzen, dass der Bau der Zentrale die Zerstörung der Wasservorräte Kosovas bis 2050 mit sich bringen werde.

 
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