Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
20:59
15.10.2018
General Llakaj war Chef des Generalstabes in Albanien unter Mehmet Sehu und Enver Hoxha. Kürzlich feierte er sein fünfundsiebzigstes Dienstjubiläum. Dazu erschien in Tirana eine Monographie des Generals. Natürlich wurde General Llakaj, zu einigen Fragen in der jüngsten Geschichte von Kosovo und Albanien interviewt .

Wir spiegeln ein Interview des Generals, in Auszügen, ohne viele Positionen des Generals zu teilen. Die Ursachen für das Scheitern des albanischen degenerierten Arbeiterstaates kann Llakaj nicht erklären. . Dennoch ist das Interview mit General Llakaj ein wichtiges Dokument der Zeitgeschichte.

Dokumentation- In Auszügen

 

F-Her General Wie fühlten Sie sich an diesem Tag?

Ich fühlte mich ziemlich gut und ziemlich aufgeregt. An diesem Tag sah ich, dass die Gesellschaft immer noch den ehemaligen militärischen und unseren nationalen Idealen verbunden bleibt. Ich hörte heute viele wohltuende Worte. Ich fühle mich sehr der nationalen albanischen Frage verbunden.

F-Sie haben teilgenommen im zweiten Weltkrieg, auf antifaschistischer Basis, im Krieg in Kosovo und am Kampf der Albaner in Mazedonien. Welche Schlussfolgerung ziehen Sie sich aus diesen Kriegen?

Der Kampf für die Befreiung Kosovas und Mazedonien ist ein Teil der alten Fragen. Diese Frage sollte mit der Zeit gelöst werden, wegen der Ungerechtigkeit, die gemacht wurden, aber besser spät als nie.Heute kann ich sagen, dass die Ideale der Kämpfer verraten wurden.

F-Dieses Ideal, wurde verraten von wem ?

Die Verräter sind in erster Linie in den perversen politischen Parteien zu suchen. Sie haben auf die Ideale der UCK verzichtet. ---------

F-Ihre Monographie erschien unter dem Titel "Veli Llakaj- Militärgeneral zwischen putschenden Seiten“ Was hat es mit dem Titel auf sich

Ich war Militärgeneral in Albanien in sehr schwierigen Momenten. Ich möchte allerdings betonen, dass es zu meiner Zeit keine Putschgefahr in Albanien gab. Die zwei angeblich putschenden Seiten waren die Gruppe Beqir Ballukut, Hito Cakos und Petrit Dumes. Die zweite Seite war die Gruppe Mehmet Shehu, Kadri Hazbiut und ihre Anhänger.

F-In Anbetracht des Umstandes, dass Sie selbst gesagt haben, dass es keine militärischen Putschgefahren gab, war dies dann Darstellungen der Parteiführung. Was halten Sie von Enver Hoxha ?

Meine Meinung zu Enver Hoxha ist ohne dies in Prozentsätzen oder Kilogrammen zu messen positiv. Meine Auffassung ist jedoch, Enver Hoxha, handelte zu 80% positiv und zu 20% negativ. Es gab systemimmanente Fehler. Der größte Fehler von Hoxha war, dass er zu Unrecht seine alten Kameraden tötete welche zur Befreiung Albaniens vom Faschismus beitrugen.--------

Was meinen Sie konkret damit ?

Es begann von Anfang an. Zuerst die Gruppe um Sejfulla Malëshova, Bedri Spahiu, Tuk Jakova, Avdyl Këllezin, Koco Theodhosin, dann Beqir Balluku Petrit Dumja, und endet bei Kadri Hazbiu und Mehmet Shehu..

Sie betonen besonders Mehmet Sehu. Wer war Ihrer Meinung nach Mehmet Sehu ?

Mehmet Shehu war ein großer Patriot. Es ist ein Führer von außergewöhnlichem Format geworden.Er sagte den nationalen Gewerkschaften sie sollten nicht alles mit blinden Augen betrachten . Sehu war ein Visionär, ein Mann, ein Politiker, der vielseitig einsetzbar war. Er war militärisch ausgebildet. Er war ein perfekter Ökonom und verstand viel von Außenpolitik.


F-War dies ein Grund für die Ausschaltung Mehmet Sehus


Ich kann nicht so viel sagen dazu. Ich weiß dass Enver Hoxha und Mehmet Sehu, bis zum Tag des Selbstmordes von Mehmet Shehu, eng miteinande verbunden waren.. Enver Hoxha hat immer gesagt: „ Wir haben großes Glück, dass wir einen Ministerpräsidenten wie Mehmet Shehu haben.“. Mehmet Shehu erklärte seinerseits wie wichtig es für unser Land ist Enver Hoxha an der Spitze zu haben. .In den letzten Jahren gab es keine politischen Differenzen, es gab einige Widersprüche in der die wirtschaftlichen Analyse.. Mehmet Shehu, beschrieb die kapitalistische Ökonomie, als Ökonomie welche auf eine tiefe Krise zusteuerte, aber der Kapitalismus stand nicht vor einer politische Krise. Vielleicht ist diese Diskrepanz gewesen, welche zu der Tragödie führte , die Tragödie war nicht zu erwarten.----------

Quelle http://www.albaniapress.com/lajme/11059/Intervista--Flet-is

 

 


Dokumentation Zu Mehmet Sehu Artikel von Max Brym in http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=213

 


"Der Nachfolger" von Ismail Kadare

Bis heute ist Shakespeare das größte Vorbild Kadares. Der Roman "Der Nachfolger" ist ein echter Kadare. Schwer legt man das Buch aus der Hand. Kadares literarischer Stil ist wie immer faszinierend, obwohl seine dunkle Lyrik dem Leser zusetzt...

Von Max Brym

In seinem neuen Roman "Der Nachfolger" kehrt Kadare die Handlung des "Macbeth" um: Nicht vom Königsmord wird hier erzählt, sondern vom Potentaten, der seinen designierten Nachfolger in einer Winternacht im Dezember 1981 umbringen lässt. Doch hat "der Führer", wie Kadare Enver Hoxha nennt, den Mord an Mehmet Sehu tatsächlich in Auftrag gegeben? Eine ganze Reihe von Personen kommen als Täter in Frage, darunter Frau und Kinder des Ermordeten, sein Architekt sowie der Nachfolger des Nachfolgers.

In dem Roman herrscht eine Stimmung der Ungewissheit und Unsicherheit auf sämtlichen Ebenen. Um kriminologische Aufklärung eines Verbrechens geht es dem Autor nicht. Dennoch ist der Roman von Anfang bis Ende extrem spannend. Das Labyrinth des Terrors in dem totalitären stalinistischen System Albaniens, die Atmosphäre aus mörderischer Bedrohung, Angst, Gerüchten, Lügen und willkürlichen Verhaftungen bildet Kadare meisterhaft ab. Jedoch trägt der Romannicht dazu bei, die Vorgänge um den Tod Mehmet Sehus wirklich zu verstehen.

Kadare schreibt vorzüglich über menschliche Verwirrung, reale Angst und paranoide Machtkämpfe und vermengt das tatsächliche Geschehen mit den Alpträumen der Figuren. Ein tatsächliches Ereignis liegt dem Roman zu Grunde: 1981 wurde Mehmet Shehu, der langjährige Premierminister Albaniens und potentieller Nachfolger des kranken Partei- und Staatsführers Enver Hoxha, mit einer Pistole in der Hand erschossen aufgefunden. Offiziell hat Shehu Selbstmord begangen. Für die Selbstmordthese spricht, dass Mehmet Sehu einen Abschiedsbrief an die Partei und Staatsführung hinterließ. In dem Schreiben empfahl Sehu der "Partei der Arbeit Albaniens" seinen Selbstmord als Unfall darzustellen. Dieser reale geschichtliche Fakt spielt in dem Roman allerdings keine Rolle. Dennoch glauben nicht wenige Albaner und internationale Beobachter bis heute an Mord und hielten Hoxha für den Drahtzieher. Kadares Buch ist eine Art Schlüsselroman zu diesen Vorgängen und als Fiktion aus dem Innenleben des Systems zugleich Teil "der alle Zeiten umschließenden menschlichen Erinnerung".

Die politische Schlagseite Kadares

Kadare versucht in dem Roman eines der größten Rätsel der jüngeren albanischen Geschichte (der Tod Mehmet Sehus) dem deutschen Lesepublikum nahe zu bringen. Dieser literarisch hoch stehende Versuch hat allerdings schwerwiegende Mängel. In dem Roman wird die Verlobung der Tochter Mehmet Sehus mit einem Sohn aus einer "politisch nicht korrekten Familie" als Ursache für die Tragödie benannt.

Mehmet Sehu wurde wegen der Verlobung seiner Tochter angegriffen. Sehu musste damals aufgrund eines Parteibeschlusses die Verlobung seiner Tochter rückgängig machen. Sehu wurde attackiert, weil er durch die Verlobung "den Klassenkampf abschwäche" und dem "Liberalismus Tür und Tor öffne". Auf diesen Fakt stürzt sich Kadare in dem Roman, um generell den Klassenkampf und den Kommunismus zu verwerfen. Ein anderer begnadeter Literat mit politischem Spürsinn, der wie Kadare mit der Feder umzugehen verstünde, müsste zu völlig anderen politischen Schlussfolgerungen gelangen.

Zuerst müsste die Frage gestellt werden, warum in Albanien, dem "Leuchtfeuer des Sozialismus" (Mao), Väter ihre Töchter verlobten und verheirateten. Normalerweise sind solche Praktiken Ausdruck patriarchaler Rückständigkeit, die nicht das Geringste mit dem Sozialismus oder gar dem Kommunismus zu tun haben. In der Tat belegen diese Tatsachen aus Albanien nur das reaktionäre Wesen des Stalinismus. Die Einmischung in das freie Liebesleben der Menschen hat nichts mit dem Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung gemein. Der Klassenkampf hat im Gegenteil die Funktion alle Verhältnisse radikal in Frage zu stellen, in denen der Mensch ein unterdrücktes, verlassenes und erniedrigtes Wesen ist.

Realen und gerechtfertigten Klassenkampf gab es auch in Albanien gegen die feudale Unterdrückung und dem damit verbundenem Massenelend sowie gegen die faschistische Okkupation. Kadare präsentiert in seinem Roman nur die negativen Seiten des bürokratisch-stalinistischen Systems (literarisch faszinierend), um dabei sogleich das Kind mit dem Bade auszuschütten. Er ignoriert vollständig, dass durch die Überwindung des alten Systems in Albanien entscheidende soziale und kulturelle Veränderungen einsetzten. Durch die geplante Wirtschaft unter Ausschluss einer Ausbeuterklasse konnte die Lebenserwartung der Menschen auf europäisches Niveau angehoben werden. Das Land wurde vom weit verbreiteten Analphabetismus befreit und 1970 war Albanien vollständig elektrifiziert.

All diese Fakten kommen in dem Roman nicht vor. Dies könnte man Kadare auch nicht vorwerfen, wenn er in dem Roman nicht immer wieder in die Vergangenheit abschweifen würde. An mehreren Stellen vermutet Kadare, dass sowohl Hoxha wie Sehu im "Kampf in den Bergen" große Verbrechen begangen hätten. Es geht Kadare dabei nicht um einzelne konkrete Vorfälle, sondern er diskreditiert damit den antifaschistischen Befreiungskampf des albanischen Volkes. Er stellt den Kampf als eine besondere Charaktereigenschaft von Menschen mit eigener (nach Kadare) "negativen Identität" dar.

Kadare erzählt brillant etwas über die Paranoia im spätstalinistischem System Albaniens. Der Roman ist aus diesem Grund auch lesenswert. Die Beobachtungen von Kadare im Zusammenhang mit dem Tod von Mehmet Sehu sind interessant. Allerdings ist der Leser, der nicht mit der Faktenlage vertraut ist, geneigt, den düsteren Schilderungen Kadares einfach dem in Albanien nicht existierendem Sozialismus in die Schuhe zu schieben. Zur Aufklärung über die Ursachen des Todes von Mehmet Sehu trägt der Roman hingegen nichts bei. Er bietet allerdings Anlass, sich neuerlich mit dieser Tragödie auseinanderzusetzen.

Dabei sollte berücksichtigt werden, dass der Rechenschaftsbericht, den Mehmet Sehu unmittelbar vor seinem Tod dem Parteitag der PAA erstattete, wesentlich weniger Schönfärberei über die Lage enthält, als der Rechenschaftsbericht Enver Hoxhas. Die in dem Buch Hoxhas "Die Titoisten" aus dem Jahr 1982 vorgebrachten Argumente gegen Mehmet Sehu sind zu verwerfen. Hoxha erwähnt in dem Buch die "Verlobung als parteifeindlichen Akt" und bezeichnet, ohne jeglichen Beleg zu bringen, Mehmet Sehu als "feindlichen Polyagenten", der im Dienst der CIA, der UDBA, des KGB und des britischen Geheimdienstes gestanden habe.

Dieser stalinistische Wahn geht sogar über die Fälschung in den Moskauer Prozessen der dreißiger Jahre hinaus. Stalin hatte zwar keine Dokumente für seine gefälschten Anklagen, aber immerhin das Geständnis der Angeklagten. Der Roman Kadares beschreibt vorzüglich einzelne Seiten des Stalinismus, seine antikommunistischen Schlussfolgerungen sind jedoch verheerend.