Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
12:16
21.10.2017
Die Redaktion von Kosova Aktuell setzt sich für das Selbstbestimmungsrecht Kosovas ein. Dabei hegen wir keinerlei chauvinistische Gefühle gegen einfache serbische Menschen. Im Gegenteil, nur die Unabhängigkeit Kosovas schafft die Voraussetzung dafür, dass die Arbeiter und die Jugend in Kosova neuerlich soziale Kämpfe initiieren und der nationale Gegensatz verschwindet. Die Rekonstruktion der Arbeiterbewegung ist in allen Teilen des Balkans eine absolute Notwendigkeit. Aus diesem Grund dokumentieren wir einen Bericht der „ASI“ aus Belgrad. Diese Gewerkschaftsorganisation steht auf dem Boden des „Anarcho-Syndikalismus“ und hat mit dem serbischen bürgerlichem Nationalismus nichts gemein.

Belgrad/Serbien: 1. erfolgreiche *unabhängige* Gewerkschaftsaktion der ASI (en)

Hier ein kurzer Bericht von der ersten erfolgreichen *unabhängigen* Gewerkschaftsaktion der ASI*). Unsere Gewerkschaft wurde vor zwei Wochen von Slavica K., die in dem schicken Belgrader italienischen Vier-Sterne-Restaurant "Mamma Mia" (ein Lokal, das von MinisterInnen der Regierung und RichterInnen des Obersten Gerichtshofs besucht wird und auch der Ort, wo 1997 der ehemalige Polizeiminister von seinen Mafiakumpels ermordet wurde, die er übers Ohr gehauen hatte) arbeitet, kontaktiert. Slavica schmiß den Job im "Mamma Mia" hin, weil die ArbeiterInnen ständig vom Chef schikaniert werden, der ein gewalttätiger Alkoholiker ist. Sie und alle anderen ArbeiterInnen arbeiten schwarz in diesem Restaurant, sie sind also nicht registriert, und die Beiträge zur Sozial- und Krankenversicherung werden nicht bezahlt. An dem Tag, als sie den Job kündigte und kam, um ihren Lohn für den letzten Monat, den sie gearbeitet hatte, zu holen, betrat der betrunkene Chef das Restaurant, griff sie tätlich an, wobei er sie (und alle anderen
ArbeiterInnen) beschuldigte, ihn zu beklauen, und weigerte sich, ihr das Geld auszuzahlen, das sie verdient hatte.

Slavicas Ehemann starb bei den Bombenangriffen auf Serbien 1999, und ihre Tochter, mit der sie lebt, ist im 3. Monat schwanger. Sie hatte finanzielle Probleme und brauchte dringend das Geld, das ihr Chef ihr nicht gezahlt hatte (rund 150 Euro). In einem öffentlichen Verkehrsmittel sah sie unseren Propaganda-Spucki und beschloß, uns anzurufen. Wir sprachen mit ihr, verabredeten ein Treffen, bei dem wir ihr unsere Gewerkschaft vorstellten, und vereinbarten eine Mahnwache vor dem Restaurant.

Am Samstag, 10. Juni, organisierte unsere Gewerkschaft eine Mahnwache und einen Protest vor dem Restaurant "Mamma Mia". Wir druckten Flugis, die die Leute aufriefen, nicht in diesem Restaurant zu essen, die Situation erklärten und forderten, daß Slavica ihr Geld bekommt. Rund 20 Mitglieder und UnterstützerInnen des Belgrader Ortskartells der ASI versammelten sich vor dem Restaurant, mit Fahnen und den Flugis zur Mahnwache, und eine Delegierte der Gewerkschaft wurde ins Restaurant geschickt, um die Forderungen dem Chef zu präsentieren. Die Delegierte konfrontierte den Boß mit unseren Forderungen, und nach 15 Minuten Gebrüll (während der serbische Staatsminister für Bildung und seine Familie im Restaurant saßen und wohl so schnell aßen wie noch nie in ihrem Leben) willigte der Chef, der Angst vor der Möglichkeit hatte, daß unsere Aktion stattfindet und es eine "Szene" in seinem Restaurant gibt, ein, das Geld auszuzahlen, das er unserer Genossin gestohlen hatte. Also war die Mahnwache ab diesem Zeitpunkt nicht mehr nötig, und unsere Mitglieder und SympathisantInnen rückten ab.

Diese Aktion hat eine Reihe von Auswirkungen. Erstens hat unser Neumitglied Slavica K. ihr Geld zurück, und zweitens sahen die anderen ArbeiterInnen des Restaurants unsere Methoden und sind daran interessiert, eine Betriebsgruppe unserer Gewerkschaft in ihrem Restaurant zu gründen. Dieser zweite Punkt wird noch diskutiert, aber es ist klar, daß diese Aktion auf die eine oder andere Weise eine historische Bedeutung für die Arbeit unserer Gewerkschaft hat. Unsere Protestaktion erhielt eine Menge solidarische Post und Telefonanrufe, darunter Unterstützungsbriefe aus dem Kosovo und Mazedonien, was ziemlich wichtig ist, um die nationalistischen Spaltungen der ArbeiterInnen auf dem Balkan zu überwinden, und zeigt, daß der
proletarische Internationalismus der einzige Weg ist, den die arbeitenden Menschen gehen sollten, im Gegensatz zu dem, was die herrschenden Klassen wollen.

Es ist wichtig, festzuhalten, daß die gewerkschaftliche Organisierung im privaten Sektor in Serbien praktisch nicht existiert, und es ist fast unmöglich, von irgendwelchen Gewerkschaftsaktionen in Privatunternehmen in Serbien zu hören, was unseren Sieg noch bedeutender macht. Wir hoffen, daß unsere Gewerkschaft sich im privaten Sektor einen Namen
machen kann und dort zu wachsen beginnt.

www.inicijativa.org
www.socijalni.front.ru

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*) Anarcho-Syndikalistische Initiative