Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
19:41
28.03.2017

Weit gehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, traf sich am vergangenen Dienstag die deutsche Kanzlerin Angela Merke,l mit dem kosovarischen Ministerpräsidenten Isa Mustafa, in Berlin. Der wesentliche Inhalt der Gespräche bestand darin, dass Frau Merkel „Lobbyarbeit“ für die Firma Bilfinger in Kosova betrieb. Bekanntlich hat Kosova ein enormes Energieproblem. Ilir Morina, der Leiter der

kosovarischen Umweltschutzbehörde erklärte kürzlich gegenüber der deutschen Presse:“ Studien haben ergeben, dass im Umkreis von sechs Kilometern des Kohlekraftwerkes in Obelic , die Gefahr, an Krebs zu erkranken, fast um ein Drittel höher sei als im Rest des Landes. In dieser Zone liegt auch Prishtina, wo jeder Zehnte der rund 1,8 Millionen Kosovaren lebt. Zwar ist die Situation jetzt besser als früher, löst aber das Problem nicht dauerhaft“. Aufgrund der veralteten Anlagen ist Kosovo gezwungen, je nach Witterung, 15 bis 40 Prozent der benötigten Elektrizität einführen.  Der Import koste doppelt so viel wie die heimische Erzeugung –. Unbestritten ist, dass in Kosova in Sachen Energieversorgung viele Investitionen und viel Planung nötig ist. Diesen Notstand benützt allerdings die deutsche Kanzlerin, um dem angeschlagenen deutschen Konzern Bilfinger helfend unter die Arme zu greifen. Direkt meinte Frau Merkel gegenüber ihren Amtskollegen aus Prishtina:“ Ich empfehle die Bewerbung des Baudienstleisters Bilfinger für das Kohlekraftwerk Kosovo A zu akzeptieren.“ Damit handelt die Kanzlerin faktisch im direkten Auftrag eines deutschen milliardenschweren Unternehmens. Die Bilfinger SE ist ein börsennotierter, international tätigerDienstleistungs- und Baukonzern, der in den Bereichen Industrieservice,Immobilien und Infrastruktur tätig ist. Bis zum Herbst 2012 firmierte das Unternehmen als Bilfinger Berger.

Im Geschäftsjahr 2014 erbrachte das Unternehmen eine Gesamtleistung von 7,690 Mrd. Euro. Davon entfielen 3,705 Mrd. Euro auf den Industrieservice, 1,445 Mrd. Euro auf den Kraftwerksservice, 2,659 Mrd. Euro auf Gebäude- und Immobiliendienstleistungen. Das operative Ergebnis (EBIT) des Unternehmens ist 2014 auf 7 Mio. Euro gefallen (298. Mio. Euro 2013), was unter anderem auf einem Rückgang des Gewinns um rund 95 % im Kraftwerkssektor zurückzuführen ist. Bis zum 4. August 2014 war der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Wegen der wegbrechen Gewinne trat Koch zurück. Jetzt sorgt sich die deutsche Kanzlerin direkt um die Firma Bilfinger. Der ganze Vorgang ist ein wunderbarer Beleg für den Wahrheitsgehalt der leninistischen Imperialismus Theorie. Die Verbindung zwischen Staat und kapitalistischen Monopolen wird nach Lenin im Zeitalter des Imperialismus immer direkter. Frau Merkel sorgt sich um die Konkurrenzfähigkeit des deutschen Konzerns. Ihr geht es nicht um die gerechtfertigten Interessen der Bevölkerung in Kosova nach ausreichender und nachhaltiger Energie. Kosova hat die viertgrößten Braunkohlevorkommen weltweit. Die Vorkommen an sich würden für Jahrhunderte, wenn sie mit modernen Anlagen ausgebeutet würden reichen, um nicht nur Kosovo und Albanien, mit Energie zu versorgen. Allerdings ist es keine Perspektive und Option auf die Braunkohle im Zeitalter des Klimawandels entscheidend zu setzen. Es gibt keine durchdachte energiepolitische Strategie der Regierung in Kosova. Das einzige was für sie zählt, ist den Direktiven nach Privatisierung zu folgen. Damit würde der Strom in Kosova nicht billiger – wie das Beispiel des privatisierten Stromverteilers KADS zeigt- sondern teurer für seine Bewohner. Kosova bietet zudem für private Investoren die Möglichkeit sich einen feuchten Dreck, um Umweltstandards zu kümmern. Wenn es um die Interessen deutscher Konzerne geht interessiert sich Frau Merkel nicht für die von der UN empfohlen nachhaltigen ökologischen Wirtschaftsenergieprogramme. Kosova müsste energiepolitisch seine Wasserreserven und die Wasserreserven Albaniens, zur Gewinnung von Elektrizität hauptsächlich forcieren. Langfristig geht es darum von der umweltschädlichen Braunkohlegewinnung abzubekommen. Diese Ziele interessieren allerdings private Investoren nicht.

Kraftwerk Obelic in Kosova 

Copyright: Uli Reinhardt