Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
09:09
22.01.2017

Fluchtursachen aus Kosova, Albanien und Montenegro -

Am vergangenen Freitag wurde in der Waldkraiburger Hubertusstuben angeregt zu dem Thema„Fluchtursachen aus Kosova-Albanien und Montenegro diskutiert. Bei der Veranstaltung referierte der vielen älteren Waldraiburgern sicherlich noch gut bekannte Geschichtsdozent, Buchautor und Betreiber des Online-Portal „Kosova-Aktuell“ Max Brym vor zahlreichen interessierten BürgerInnen aus

Waldkraiburg und Umgebung, die sich trotz der widrigen Wetterverhältnisse nicht von ihrem Kommen abhalten ließen. Auf eindrucksvolle Weise zeigte der Referent auf, wie durch Gelder aus der europäischen Union und auch Deutschland in den Balkanstaaten und den neu entstandenen Staaten ex-Jugoslawiens mafiöse Strukturen nicht bekämpft, sondern sogar gefördert werden. So wurde dem interessierten Publikum verständlich aufgezeigt, wie eine korrupte Führungsschicht aus Politik und Wirtschaft sich gegenseitig Posten und Betriebe zuschieben, während breite Teile der Bevölkerung weit unter einem erträglichen Existenzminimum vegetieren müssen. Gibt es auf der einen Seite ein Steuerparadies für In- und Ausländische Investoren, die teilweise sogar diplomatische Immunität genießen und ohne Rücksicht auf Umwelt und Beschäftigte eine gnadenlose Gewinnmaximierung

betreiben, die nahezu koloniale Züge aufweist, werden auf der anderen Seite die Rechte der Beschäftigten erbarmungslos ausgehöhlt. Unter den Augen und teilweise mit Beteiligung europäischer Kontrollorgane verelenden in den Balkangebieten weite Teile der Bevölkerung. So arbeiten viele der Menschen für weniger als 2 Euro pro Tag unter kläglichen Arbeitsbedingungen. Streiks werden von Regierungsstellen und Polizeieinheiten trotz des Rechts auf Arbeitskämpfe gnadenlos niedergeschlagen und sogenannte RädelsführerInnen inhaftiert. Viele der prekär Beschäftigten arbeiten nicht in einer festen Anstellung sondern verdingen sich als TagelöhnerInnen auf dem sogenannten „Arbeiterstrich“ ihr klägliches Einkommen und sind völlig rechtlos. Absolut unerträgliche Lebensbedingungen finden sich jedoch vor allem in den Gebieten die von Roma und Sinti-Familien besiedelt werden. Diese Menschen leben in der Regel in selbst gezimmerten Notbehausungen ohne Strom- und Wasserversorgung sowie ohne Perspektiven auf
Bildung oder Arbeitsplätze. Als „Hilfsleistungen“ des Staates stehen dort einer fünfköpfigen
Familie monatliche Zahlungen zu die nicht einmal den Tagesbedarf einer in Deutschland lebenden Einzelperson decken könnte. Dies wohl gemerkt in Ländern, die völlig von den Staaten der Europäischen Union umschlossen sind und für Produkte des täglichen Bedarfs teilweise mehr bezahlen müssen als hierzulande. So kostet beispielsweise ein Liter Milch mehr als in Deutschland . Während die meisten Familien in diesen Ländern ihren Tagesbedarf mit etwa zwei Euro decken müssen arbeiten auf der anderen Seite sogenannte Sicherheitskräfte die sich oftmals aus ehemaligen Polizeibediensteten der europäischen Union rekrutieren für monatliche Löhne um die 6000 Euro
Netto und erhalten obendrauf „Gefahrenzuschläge“ von 4000 und mehr Euro. Allein diese Tatsache zeigt schonungslos die Absurdität auf, dass eine Deutsche Bundesregierung einerseits diese Länder zu sicheren Staaten erklärt und eine schonungslose Abschiebepolitik betreibt während auf der anderen Seite enorme Summen zum Schutz von Leib und Leben für sogenannte Sicherheitsspezialisten gezahlt werden. Angesichts der rechtlichen und sozialen Verhältnisse mutet es ohnedies grotesk an von „sicheren Staaten“ zu reden. Deshalb verwundert es kaum, dass aus diesen Ländern ein hoher Anteil der Menschen nur mehr durch Flucht eine Perspektive zum Überleben sieht.
In der anschließenden Diskussion kam vor allem zur Sprache, wie den dort lebenden Menschen Hilfe zu Teil werden könne und welche Perspektiven für die Zukunft gegeben sind. Der alteingesessene Waldkraiburger Ernst Tuppen erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die von ihm selbst erlebten Zustände während des letzten Krieges in Deutschland und den jämmerlichen Lebensumständen unter denen er in der Nachkriegszeit seine Jugend verbringen musste. Damals hätte wohl kaum einer in Deutschland geäußert in einem sicheren Land zu leben und trotzdem wird in einer nahezu analogen Situation wie sie auf dem Balkan herrscht genau dies von den hier
Regierenden behauptet. Alle Anwesenden waren sich einig, dass viel mehr an Hilfe und Aufklärung  getan werden muss als bisher und der Balkan selbstverständlich eine durch die europäischen Staaten mitverschuldete instabile Region ist. Die dort fliehenden Menschen als Wirtschaftsflüchtlinge zu brandmarken kann nur als unerträglicher Zynismus betrachtet werden. Viele der Anwesenden waren sich einig, dass Veranstaltungen wie hier in Waldkraiburg leider viel zu selten statt finden und man ging befriedigt mit dem Bewusstsein nach hause, dass zu einem Thema das ansonsten generell nur mit Verzerrungen und Polemik geführt wird endlich auch einmal
Klartext gesprochen wurde.

 

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