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04:50
20.01.2017

Kein Essen für Maria, Josef und das Christuskind in Regensburg - Offener Brief an Herrn Generalvikar Fuchs

Am vergangenen Montag räumten geflüchtete Roma und Albaner, die Pfarrei St. Emmeram in Regensburg. Zuvor wurde ihnen die Essenszufuhr gestrichen und ein massives Polizeiaufgebot darunter USK Einheiten rückten an. Zwei Flüchtlinge aus Kosova und Mazedonien wurden unmittelbar darauf in Abschiebehaft genommen. Aus diesem Anlass dokumentieren wir einen offenen Brief des Publizisten Heinz Michael Vilsmeier aus Deggendorf an den Herrn Generalvikar. Redaktion Kosova-Aktuell

Kein Essen für Maria, Josef und das Christuskind in Regensburg

An Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Sehr geehrter Herr Generalvikar Fuchs,

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folgendes möchte ich zu bedenken geben, nachdem Sie wohl die treibende Kraft waren, den Flüchtlingen in St. Emmeram Kirchenasyl zu verweigern. Ich wende mich vor allem deswegen an Sie, weil Sie die Versorgung der Flüchtlinge mit Essen unterbunden haben sollen. Das verletzt mein moralisches Empfinden und empört mich, vor allem, weil auch Kinder unter den Flüchtlingen waren!

Auch wenn Sie sich im Recht geglaubt haben mögen, müsste doch, wenn schon nicht die Christlichkeit, so doch die Menschlichkeit Vorrang haben. Belehren Sie mich, sollte ich irren.

Auf meiner Facebook-Seite habe ich mir erlaubt, auf die Vorgänge im Bistum Regensburg hinzuweisen, denkend dabei an die warmen Worte des Papstes, mit denen er immer wieder den "unmenschlichen Umgang mit Geflüchteten" beklagt. - Ich glaube, Franziskus fühlt sich angesichts der von ihm kritisierten Fremdenfeindlichkeit an den Evangelisten Matthäus erinnert. Es macht mich sehr nachdenklich, dass Ihnen diese Bibelstelle (Mt. 2/13) nichts zu sagen scheint, obgleich sie Ihnen sicherlich nicht unbekannt ist.

Hätte die Heilige Familie, rein hypothetisch, bei ihrer Flucht nach Ägypten das Regensburger Bistum um Aufnahme gebeten, wäre es ihr wohl so ergangen, wie den 40 von Ausweisung bedrohten Flüchtlingen, unter ihnen Kinder, die auf Asyl hofften, als sie im Pfarrheim St. Emmeram Zuflucht suchten.

Mit der Unterbindung von Essenslieferung und der Androhung von Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruch, scheint es Ihnen nun gelungen zu sein, die Schutzsuchenden zur Aufgabe zu zwingen. - Doch glauben Sie mir, Sie haben mit diesem Pyrrhussieg sich und Ihrem Bistum sicherlich keinen Gefallen getan! Sie wissen vermutlich besser als ich, wie viele Helfer und Helferinnen, nicht zuletzt die Caritas, sich für die Aufnahme, die Versorgung und die Integration von Flüchtlingen einsetzen. - Wie sollen diese Menschen das Zeichen verstehen, das Sie mit dem Rausschmiß der Roma gesetzt haben!?

Als jemand, der als Religionspädagoge viele Jahre im kirchlichen Dienst tätig war, verbinde ich mit dieser Email die Hoffnung, dass zahlreiche Protestschreiben bei Ihnen eingehen mögen. Mögen sie Sie wach rütteln! Mögen sie Sie in Ihrem kirchlichen Alltagsgeschäft an die Frohe Botschaft erinnern!

"Da wird dann der König sagen zu den Gerechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!

Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.

Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.


Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?

Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet?

Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch:

Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." (Mt. 25/34-40)

Um dies zu erreichen, werde ich dieses Schreiben in den sozialen Netzwerken verbreiten, verbunden mit der Bitte meinem Beispiel zu folgen und es zu teilen und weiter zu verbreiten.

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Michael Vilsmeier

Publizist, Sprecher DIE LINKE. Niederbayern-Mitte

Flüchtlinge haben Pfarrheim in Regensburg verlassen | Bild: BR/Andreas Wenleder

Polizisten vor der Pfarrei



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