Aktuelles aus Prishtinë (Pristina), Mitrovica, Prizren, Prizeren, Pejë, Pec - Historisches zu Kosova und UCK
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11.12.2018
In Kosova hat eine Gruppe von Investoren im Bergbausektor begonnen, sich Explorationslizenzen zu sichern. An den Metallen des ehemaligen Kombinates Trepca sind u.a. die Firmen ITT, Thyssen- Croup und auch die Firma Siemens besonders interessiert. Daraus ist nach Aussagen des stellvertretenden Direktors des kosovarischen Bergbauamtes Rainer Hengstmann ersichtlich, „dass ausländische Investoren zunehmend Interesse zeigen“. Rainer Hengstmann erklärte allerdings nicht genau die konkreten Absichten,

der ausländischen potentiellen Investoren. Tatsache ist, dass die kapitalistischen Unternehmen nicht an den verarbeitenden Kapazitäten des Kombinates Trepca interessiert sind, sondern nur an dem Rohstoffreichtum Kosovas. Gegenwärtig arbeiten rund 1000 Arbeiter auf beiden Seiten der geteilten Stadt Mitrovica auf Probe. Den kapitalistischen Firmen sind die Löhne der Arbeiter zwischen 120 und 200 Euro pro Monat zu hoch und die Produktivität zu niedrig. Im Rahmen des Ahtisarri Planes erwarten die potentiellen Investoren „ Schnäppchenpreise“ für den Rohstoffreichtum Kosovas, Lohnsenkungen und einen Körperschaftssteuersatz, welcher nicht der Rede WERT ist. Der Ahtisarri Plan enthält auf neoliberaler Basis, die „ Pflicht zur freien Marktwirtschaft“. Ergo die Auflage zur rücksichtslosen Privatisierung des gesellschaftlichen Eigentums zu Schleuderpreisen In diesem Rahmen läuft gegenwärtig eine Untersuchung und eine geologische Studie (airborne survey), welche das Bergbaupotential auch fern der Minen näher untersucht. Diese UNMIK Studie ist noch nicht abgeschlossen.



Was war das Kombinat Trepca ?

Bevor man die Frage der Privatisierung Trepcas und ihrer negativen Folgen näher untersucht, gilt es die Frage zu beantworten was das Kombinat Trepca eigentlich war.

 

Trepca



Der vollständige Name von Trepça ist Xehtaro-Metalurgjik-Chemisches-Kombinat Trepça-Mitrovica. Trepça erstreckte sich bis 1989 auf zwei Republiken und zwei Provinzen des ehemaligen Jugoslawien. Die Fabriken, die verschiedenen Abteilungen, lagen in Serbien, Montenegro, Vojvodina und in Kosova. 1989 waren alleine in Kosova insgesamt 21.500 Arbeiter beschäftigt. Es wurden Buntmetalle, Blei, Zink, Silber, Gold, Cadmium und andere Metalle gefördert. Von den Rohstoffen, die in Trepça gewonnen wurden, waren Kishnica, Novo Bërdo, Ajvali und Prishtina abhängig, weiterhin die Minen von Kopaonik. Dann sind die Rohstoffe zu zwei metallverarbeitenden Stätten gekommen, zur Bleiverarbeitung in Zvecan sowie zur Zinkverarbeitung in Mitrovica. Aufgrund der Metallvorkommen sind die verarbeitenden Kapazitäten errichtet worden.

Es gibt Fabriken zur Produktion von Akkumulatoren für Fahrzeuge, Industrieakkumulatoren und Cadmium-Batterien. Im Zusammenhang mit Trepca sind viele Fabriken in Kosova gebaut worden: z.B. die Munitionsfabrik in Skenderaj, die Fabrik für Zinkverkleidungen in Vucitern, die Farbenfabrik in Vucitern. Außer den verarbeitenden Zweigen gibt es auch das Forschungsinstitut. Trepca hat ein eigenes Institut, das sich mit der Entwicklung des Kombinats befaßt hat. Desweiteren gibt es das Datenverarbeitungszentrum Trepca-Commerz für den Kauf und Verkauf der Metalle und Produkte, das medizinische Zentrum, die Gemeinschaftskantinen.

Zur jüngsten Geschichte Trepcas erklärte im Februr 2000 der ehemalige Direktor von Trepca Aziz Abrashi: „Der Trepca-Komplex war ein ertragreiches Unternehmen, das weltweit den dritten und europaweit den zweiten Platz einnahm, was die Gewinnung dieser Metalle angeht, auch der Buntmetalle. 1989, nach den Ereignissen, die der Verfassungsänderung folgten, schlossen sich die Minenarbeiter in die Gruben ein und protestierten damit gegen das Regime von Milosevic und gegen die Absicht, die Verfassung Kosovas zu ändern. Die Absicht war, Kosova zu degradieren und die Albaner zu Menschen zweiter Klasse zu machen. Die Minenarbeiter streikten 8 Tage und Nächte. Schließlich kamen sie aus den Stollen heraus und wurden dennoch verhaftet. Ich wurde verhaftet, desweiteren Azem Vllasi, der bis Oktober 1988 Parteivorsitzender des Bundes der Kommunisten in Kosova war, und Burhan Kavaja, der Direktor der Mine. Wir saßen 14 Monate .in Haft.“ Anfang der neunziger Jahre wurden alle albanischen Arbeiter durch das Milosevic Regime von ihren Arbeitsplätzen vertrieben. Die UNMIK gestattete seit dem Jahr 1999 keine Wiederaufnahme der Produktion. Der Eigentumsanspruch der Arbeiter an dem Kombinat wird durch die UNMIK bis heute zurückgewiesen. Erst seit dem Jahr 2005 dürfen einige ausgewählte Arbeiter ihre Muskeln, Nerven und Knochen, zur Schau stellen. Bestimmte Kapitalgesellschaften gieren nach einer hohen Profitrate. Dazu wurde eine UNMIK Bergbaubehörde mit Figuren wie Rainer Hengstmann installiert. Deren Aufgabe ist es nicht die Menschen in Kosova selbstbestimmt darüber entscheiden zu lassen wie mit dem Reichtum des Landes umgegangen wird, sondern es geht um die kostengünstige Verschleuderung des natürlichen Reichtums von Kosova. Eine Studie der UNMIK Bergbaubehörde aus dem Jahr 2006 belegt diese negativen Ambitionen klar. Im Anhang wird deshalb eine Studie der Behörde dokumentiert. Der Text ist auf den Seiten des deutschen Wirtschaftsministeriums zu finden.

Dokumentation- Die Minen Kosovas

 

"Für die Untersuchung des Bergbaupotenzials sollen aufgrund von Luftaufnahmen mögliche zusätzliche Vorkommen an Basismetallen (vor allem Kupfer und Gold) aufgespürt werden. Die Ausschreibung für das Projekt ist noch im Frühjahr 2006 vorgesehen. Für eine erste Phase wurden 600.000 Euro veranschlagt. Allerdings winken dem Auftragnehmer Folgeaufträge für die Erfassung weiterer Teile des Territoriums der Provinz. Die Untersuchung soll zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Auch ohne die Ergebnisse des "Airborne Survey" herrscht unter Experten Einigkeit darüber, dass die Provinz Kosovo über reichhaltige Vorkommen an Blei/Zink, Kupfer, Bauxit, Nickel und anderen wertvollen Rohstoffen verfügt. Allerdings ist nur ein kleiner Teil der Vorkommen mit Ergebnissen nach internationalen Explorationsmethoden abgesichert. Zu Zeiten des sozialistischen Jugoslawiens wurde meistens nur sporadisch und oftmals halbherzig nach neuen Vorkommen geforscht.

Das lückenhafte Wissen über die tatsächlichen Vorkommen im Kosovo erschwert vor allem den Einstieg internationaler Investoren in existierende Minen, die bis Ende 2006 verkauft werden sollen. So auch im Fall der Privatisierung von zwei Magnesit-Minen Goleshi und Strezoc, die ursprünglich Ende März 2006 beendet werden sollte. Nachdem sich aber nur ein Bieter mit einem niedrigen Angebot gemeldet hatte, werden die beiden Minen dem Vernehmen nach in Kürze erneut ausgeschrieben.

Nach Aussagen eines Beraters des Bieters lag es an den ungesicherten Vorkommen in den Minen. Der Investor habe schlicht nicht genau gewusst, wofür er bietet und daher einen niedrigen Preis angesetzt. Nach Aussagen von Mitarbeitern der Privatisierungsagentur Kosovo Trust Agency (KTA) hat der Investor trotz lückenhafter Untersuchungen der Vorkommen recht genau gewusst, wofür er bietet, aber bewusst mit einem niedrigen Angebot darauf spekuliert, dass die KTA schnell verkaufen will und nicht erneut ausschreiben wird.

Hier wie auch in anderen Fällen von Minenprivatisierungen geben KTA-Mitarbeiter offen zu, dass der Wert der Minen nicht im Personalbestand und den Anlagen liegt. Nach 15 bis 20 Jahren ohne Instandhaltungsinvestitionen ist die Technik veraltet und die Verfahren sind unwirtschaftlich. Als interessant gelten die Vorkommen, für die mit der Mine zusammen Abbaulizenzen verkauft werden.

So besitzt etwa die Bauxitmine in Klina auch Explorationslizenzen für die reichhaltigen Braunkohlevorkommen in ihrer Umgebung. Nach der modernen Bergbaugesetzgebung im Kosovo erhält jeder Investor, der eine Explorationslizenz ergattert hat, auch eine Abbaulizenz. Nur so gilt auch die Bauxitmine, die in einer der nächsten Privatisierungswellen im Kosovo angeboten werden soll, als attraktives Kaufobjekt.

Auch bei dem Blei/Zink-Minenkomplex Trepca ist der derzeitige Betrieb eher ein Hindernis für Investoren. Nach Meinung von Experten müssten die Minen stillgelegt und nach modernen Methoden neu erschlossen werden. Das gilt auch für die Mine Stanterg (serb. Stari Trg). Die Mine fördert seit Ende August 2005 wieder im Testbetrieb und hat dafür eine Explorationslizenz erhalten. Das lokale Management der vier Trepca-Minen soll Explorationsbohrungen durchführen, damit das Ausmaß der vorhandenen Vorkommen festgestellt werden kann. In der Praxis fördern die Minen mit ihrem veralteten Maschinenpark gerade einmal die Mengen, um ihren Arbeitern Löhne auszahlen zu können.

Bis Ende Februar wurden in Stanterg lediglich 21.000 t Blei/Zink-Erze ans Licht geholt. Nach Expertenschätzung würde die Mine auch bei voller Auslastung mit den derzeitigen Verfahren rote Zahlen in Höhe von 15 Mio. Euro pro Jahr schreiben. Würde die Mine nach modernen Methoden wiedereröffnet, dürfte sie hingegen Gewinne von 79 Mio. Euro abwerfen. Die nötigen Investitionsmittel kann allerdings nur ein privater Investor aufbringen. Daher soll der Trepca-Komplex nach Aussagen von KTA-Mitarbeitern bis Sommer 2006 als Einzelbetriebe zur Privatisierung angeboten werden. Allerdings wird hier der Verkauf der Minen ohne gesicherte Erkenntnisse über das wahre Ausmaß der Vorkommen erfolgen. Rainer Hengstmann von der Indepent Commission for Mines and Minerals (ICMM), des Bergbauamtes im Kosovo, hegt aber auch im Falle Stanterg keine Zweifel an den reichen Vorkommen der Mine: "Wir kennen nur die Spitze des Eisberges".

Von den vier Hauptminen des Komplexes liegen zwei (Stanterg/Stari Trg, Artana/Novo Brdo) im mehrheitlich albanisch besiedelten Süden des Kosovo und zwei (Crnac, Belo Brdo) im mehrheitlich serbischen Norden. Die Mine Belo Brdo im serbischen Teil ist zudem grenzgängig, d.h. der Schacht befindet sich im Kosovo, die Stollen reichen aber bis nach Zentralserbien hinein. Um vor allem hier mögliche politische Risiken zu vermindern wäre nach Aussagen von Hengstmann eine Privatisierung in Teilen erfolgversprechender. Zu Trepca gehören insgesamt 29 Einzelbetriebe, darunter Aufbereitungsanlagen mit starken Umweltaltlasten. Eine Kopplung dieser Betriebe mit den Minen würde Investoren abschrecken, so Hengstmann.

Neben der Privatisierung bieten Explorationslizenzen eine Einstiegsalternative für Investoren im kosovarischen Bergbau, die immer stärker genutzt wird. Nach Aussagen von Hengstmann ist seit Ende 2005 eine erste Welle von Investoren im Begriff, Explorationslizenzen für alle zukunftsträchtigen Gebiete zu ergattern. So sind bereits alle Magnesitlizenzen, außer derer der von zwei bestehenden Magnesitminen, an die Firma Minteq vergeben worden. Dies sei ein normales Phenomen bei der Entwicklung des Bergbaus in einem Land. Derzeit seien im Kosovo die sog. Bottom fisher (Explorationsfirmen, die das Risiko nicht scheuen) dabei, sich Lizenzen zu sichern. Die größeren internationalen Bergbaufirmen kämen dann in einer zweiten Welle, sobald bessere Erkenntnisse vorhanden sind und die politischen Verhältnisse stabiler seien."



Frühahr 2006 von Rainer Hengstmann